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Buchpräsentation / Fotobuch

»Ohlauer Ecke Wienerstraße«

Marvin Zilm

Ohlauer Straße 2 und Wiener Straße 22 in Kreuzberg.
Ein typisches Berliner Haus der Jahrhundertwende mit zwei Adressen und 17 Mieterparteien, ereilte das gleiche Schicksal, wie so viele Gebäude in der Nachbarschaft. Es wurde verkauft. Die Idee einer Foto Dokumentation der aktuellen Hausgemeinschaft öffnete dem Fotografen Marvin Zilm die Wohnungstüren. Es entstand eine Bilderstrecke die sehr private Bereiche und Lebensformen zeigt, die es in dieser Gegend Berlins in absehbarer Zeit wahrscheinlich nicht mehr geben wird.

Marvin Zilm | Ohlauer Ecke Wienerstraße

180 Seiten, Auflage 200, EUR 34 / CHF 38
Buchgestaltung von Aaron Dawkins & Louise Matell (aarise.com)
Texte von Nike Wilhelms
Bestellung: moc.m1638153378lizni1638153378vram@1638153378hcub1638153378
Künstler-Website: marvinzilm.com

Buchvorwort

Im Sommer 2020 erhielten die Mieter und Mieterinnen des Hauses Ohlauer Ecke Wienerstrasse einen Brief von ihrer Hausverwaltung: Der langjährige private Besitzer hatte das für Berlin so typische Wohn- und Geschäftshaus aus der Zeit der Jahrhundertwende verkauft. Die Hausbewohner nahmen daraufhin Kontakt zueinander auf, lernten sich teilweise überhaupt erstmal kennen. Sie überlegten, wie sie einer möglichen Kündigung entgehen könnten. Gemeinsame Protestaktionen wurden organisiert, regelmäßige Treffen in der hauseigenen Madonna Bar, ebenfalls von einer möglichen Kündigung bedroht, schweißten alle zusammen. Plötzlich schlossen sich Kreise, neue Freundschaften entstanden, ein wohliges Gefühl von schnell organisiertem Zusammenhalt war spürbar.

Dieses Gemeinschaftsgefühl gab den Anstoß zu meinem Fotoprojekt – vielleicht zunächst nur dem Impuls folgend, mit allen denkbaren Mitteln gegen eine etwaige Kündigung vorzugehen. Die Bewohner des Hauses Ohlauer Ecke Wienerstrasse zogen mit: In 11 von 17 Wohnungen waren sie bereit, ihre Türen zu öffnen und sehr private Einblicke in ihre Lebensräume zu gewähren.
Die entstandenen Bilder dokumentieren einerseits den momentanen Zustand verschiedener Lebensentwürfe und völlig unterschiedlicher Wohn- und Lebensgemeinschaften im Sommer 2020. Das Jahr der Corona-Pandemie, die diese Zeit so besonders und unvergesslich macht.
Andererseits zeigen sie aber auch die Vergänglichkeit eines enthusiastischen Zusammengehörigkeitsgefühls, das aus gemeinsamen Interessen entsteht und sich wieder verflüchtigt.

Das Buch versammelt spontane Blicke über Türschwellen in Wohnungen hinein, die es in ein paar Jahren so nicht mehr geben wird. Ein Hausverkauf, der stellvertretend für den Ausverkauf der Stadt Berlin steht. In fast jedem Block unseres Viertels sehen sich Hausgemeinschaften mit ähnlichen Problemen konfrontiert. Alternative Lebenskonzepte sind vom Aussterben bedroht. Noch gibt es sie, sie entwickeln sich und werden gelebt. Doch – wie lange noch?

Ein für sich selbst definierter Luxus hat zum Beispiel nichts mit einem perfekt sanierten, standardisierten Bad zu tun. Dielen dürfen knarzen, Wände uneben, doppelflügelige Holzfenster von einem zugigen Hauch umweht sein. Das Gefühl „dies ist unser Haus“ täuscht. Miete wird bezahlt für einen Ort, den wir “zu Hause” nennen, der aber nie unser Eigentum sein wird. Unser Haus steht an einer Toplage. In ein paar Jahren wird es in ein Luxusobjekt verwandelt werden, das sich die derzeitige Mieterschaft aller Wahrscheinlichkeit nach nicht leisten kann. Doch der Grund, warum viele einst hierher kamen, ist ein anderes Verständnis von Luxus: Ein Lebensgefühl, das viele Menschen, die diesen Berliner Kiez geprägt haben, so glücklich macht.

Wenn ich die Stufen in mein oberes Stockwerk hinaufgehe und die einzelnen Wohnungstüren passiere, denke ich an die Gesichter der Menschen, die dahinter leben und an ihre Geschichten.
Das Haus gehört jetzt einer Schweizer Pensionskasse. Der Versuch, es als Hausgemeinschaft mit der Unterstützung einer Berliner Genossenschaft zurück zu erwerben, scheiterte.
Immerhin verpflichtete sich die neue Besitzerin, die Pensionskasse der Schweizer UBS, vorerst zu einem Verzicht auf aufwendige Sanierungen. Ruhe. Erst einmal.

15. Okt 2021
Buchvorstellung: Freitag, 15. Okt, 18 – 22 Uhr

Glogauer Str. 16, 10999 Berlin
[Ortsteil: Kreuzberg | Bezirk: Friedrichshain-Kreuzberg]

Öffnungszeiten für dieses Event: 18 – 22 Uhr

Eintritt frei

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