Einzelausstellung

»there are always flowers for those who want to see them«

Paul Rousteau

Die Galerie für Moderne Fotografie freut sich die Arbeiten von Paul Rousteau zu präsentieren. Der französische Fotograf ist einer der zehn ausgewählten Preisträger des diesjährigen Festival de mode et de photographie in Hyères. there are always flowers for those who want to see them ist eine Auswahl von Paul Rousteaus Arbeiten für das Festival international de mode et de photographie in der Villa Noailles, kombiniert mit Fotografien von seiner letzten Ausstellung EDEN, visions of joy in der Galerie du jour agnés b.

Den Weg zur Fotografie fand Paul Rousteau, wie das so ist, durch Zufall. Es muss irgendwann im Winter, um die Weihnachtszeit gewesen sein, da spazierte der damals sechzehnjährige junge Mann mit einem Freund durch die neblige Landschaft des Elsass. Den Fotoapparat des Vaters hatten sie eingesteckt, einfach so. Sie hatten damit keine Pläne, bis Rousteau aus Jux drauflosknipste: Auf die Natur, in das schummerige Licht. Auf eine Krippe, irgendwo am Straßenrand. Er entdeckte, dass ihm dieses Medium gefiel, er wurde Fotograf.

Sechzehn Jahre später, sagt er von sich selbst, er sei einer der „naiven“ Sorte. Vielleicht weil die zufällig ergriffenen Themen von damals geblieben sind – seine Liebe zur Natur, zu Blumen, zu Vögeln, zu einer gewissen Ursprünglichkeit und Einfachheit. Vielleicht aber auch einfach, weil sein Blick sich unterscheidet. Als er vor knapp sieben Jahren, nach seinem Studium der Kunst in Belgien und das der Fotografie in der Schweiz, nach Paris zog, stellte Rousteau fest, dass er mit seinen glühenden Bildern unter Kollegen seines Alters wie ein viel zu bunter Fremdkörper wirkte.
Wie ein komischer Vogel: Alle knipsten auf verdreckte Vororte, Ruinen, Schmerz und Verfall, er steckte seine Kamera ins Herz einer Blüte, wie um ihre verborgene Wahrheit zu erforschen. Statt auf die Stadt, auf gesellschaftliche Probleme, Missstände oder eine sonst irgendwie geartete zeitgenössische Öffentlichkeit, richtete der junge Fotograf sein Auge nach Innen. Auf das Private, eine gewisse Häuslichkeit: In seinen Bildern – viele davon sind Teil eines für seinen Sohn entworfenen Buches – sieht man den kugelrunden Bauch seiner schwangeren Freundin, Bananen, Äpfel, Zitronen, Stillleben herausgerissen aus seinem Alltags als junger Vater, Blumen und Schmetterlinge, die nackten kleinen Körper seiner Kinder, einen besonders schönen Sonnenuntergang. Es sind die Bilder eines Paradieses – dem der Kinder, dem der Unschuldigen, vielleicht Naiven. Jedes von ihnen kommt in kalifornisch warmen Farben daher, oft ein bisschen verschwommen, wie Aquarelle, ein bisschen flüchtig, wie ein Traum kurz nach dem Aufwachen. Die Abstraktion ist nie weit entfernt, seine Fotografien sind ganz Impression, manche erinnern an das Sfumato einer Sarah Moon, viele an die Licht- und Farbspiele der Tänzerin Loie Fuller.

Rousteau selbst meint, es seien mentale Landschaften, die direkte Übersetzung seiner offenbar sehr farbenfreudigen Wahrnehmung. In ihrer ganzen leuchtenden Fröhlichkeit sind es aber vor allem auch Bild gewordene Ausdrücke einer gewissen Melancholie. Jene der eben doch nicht mehr ganz Naiven, die sie nicht gehen lassen wollen, diese kindliche Fähigkeit, sich stundenlang an der Grandiosität, der verrückten Schönheit einer Wiese, eines Himmels, einer banalen Blume, einer besonderen Farbnuance oder unerwarteten Lichtstimmung zu erfreuen. Der Name der Ausstellung „There are always flowers for those who want to see them“, frei zitiert nach Henri Matisse, den der Fotograf neben Malern wie Monet oder Bonnard sehr bewundert, zeugt von dieser Melancholie – dem Wunsch den Blick für die Blumen nie zu verlieren. Sein Ziel, das „Unsichtbare sichtbar zu machen“, hat Paul Rousteau mit seinen zweiunddreißig Jahren quasi schon erreicht: Es scheint, als würde er mit seiner Kamera all die Grau-Filter wegreißen, die das Leben, die Erfahrung, die Zeit auf unserem Auge wie Schichten hinterlassen hat. Was man in seinen Bildern sieht ist ein Leuchten des Ursprungs. Und das ist sehr schön.

Text: Annabelle Hirsch

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17. Nov 2017 — 13. Jan 2018
Vernissage: Donnerstag, 16. Nov, 19h

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Schröderstraße 13, 10115 Berlin
[Mitte | Mitte]

Öffnungszeiten: Do-Sa 12-18h, und nach Vereinbarung

Eintritt frei

Kommende Ausstellung

(detail) © Bpk / Konrad Hoffmeister
(detail) © Bpk / Konrad Hoffmeister

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26. Jan — 17. März 2018
Vernissage: Donnerstag, 25. Jan, 19h

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