Gruppenausstellung

»Female Female«

Frauen portraitieren Frauen

Accrochage mit Aino Laberenz, Amira Fritz, Atlanta Rascher, branimir, Camille Vivier, Frederike Helwig, Katja Rahlwes, Kristin Loschert, Lottermann and Fuentes, Simone Gilges, Ute Mahler

Frauen sind natürlich nicht die besseren Menschen. Aber vielleicht schauen sie genauer hin. Vielleicht fällt es ihnen leichter, nicht nur das verführerisch Schöne, sondern auch das brutal Hässliche zu sehen. Das jedenfalls ist der Eindruck, den man gewinnt, wenn man die Werke der zwölf Künstlerinnen in der Gruppenausstellung „FEMALE, FEMALE“ betrachtet.

„FEMALE FEMALE“ ist Accrochage und Momentaufnahme. Künstlerinnen aus vier Generationen, die in den vergangenen zehn Jahren mit Einzelausstellungen in der Galerie für Moderne Fotografie vertreten waren, stellen sich der Frage: Was passiert, wenn eine Frau eine andere Frau portraitiert?

Die ostdeutsche Fotografin Ute Mahler (geboren 1949) hat beispielsweise schon immer am liebsten Frauen portraitiert. Ihre schwarz-weißen Bilder zeigen Frauen, die sich abheben wollen. Individualistinnen, die wie die Fotografin selbst, in einem System groß werden mussten, das nur das Kollektiv kannte. Man wäre bei den Aufnahmen damals gern dabei gewesen. Hätte zu gern Mahlers Anweisungen mitgehört und erfahren welche Sätze und welche Blicke ausgetauscht wurden, damit aus der gewöhnlich-schönen Frau eine stolze Amazone werden konnte.
Bei Katja Rahlwes (geboren 1967) ist das ganz ähnlich. Die in Frankfurt am Main geborene Fotografin hat sich ebenfalls stets verweigert kleine Mädchen abzulichten und stattdessen kraftvolle Frauen inszeniert. Einfach, weil sie viel spannender sind.

Demgegenüber stehen die scheinbar mühelos heiteren Arbeiten der Fotografinnen Nada Lottermann und Vanessa Fuentes (geboren 1977 und 1978). Das Duo aus Frankfurt am Main fotografiert sich seit Jahren gegenseitig und stellt die weibliche Lust und Sexualität der Anderen herausfordernd zur Schau. In ihren Räumen ist kein Platz für Schamgefühle.
Die Welt der Französin Camille Vivier (geboren 1977) will auf den ersten Blick nicht so recht in unsere Gegenwart passen. Sie ist skurill bis surreal, düster und melancholisch. In ihr überschlagen sich die Gefühle der weiblichen Protagonistinnen so schnell, dass man froh ist, dass Vivier dabei war, um sie festzuhalten. Aber das heißt Frau-Werden ja auch: Die inneren und äußeren Rangeleien aushalten.

Kann man eine Frau trotz Verhüllung erkennen? Und wenn ja: woran? Die Bilderserie  »pinAnon«  der Künstlerin branimir lenkt die Aufmerksamkeit der Betrachtenden auf die vermeintlich weibliche Gesten einer Frau, der Tanzikone Pina Bausch. Darauf wie sie ihre Hände bewegt, eine Zigarette hält oder den Kopf aufstützt. Über dem Gesicht der Tänzerin liegen Muster aus beigen, schwarzen und weißen Perlen oder bunten Kunststichen, die an alte Trachten aus Norddalmatien erinnern und ein Code sind, der über den gesellschaftlichen Status und das Lebensalter der jeweiligen Trägerin Auskunft gibt. Rot steht für die jugendliche, heiratsfähige Frau, Weiß für die Weisheit des Alters, Blau für Bescheidenheit.
Was sind die Codes von heute? Die Fotos aus der Arbeit Aino Laberenz x African Twintowers (geboren 1981)  unterwerfen sich nicht den Fragen nach Schönheit oder Status. Es sind Momentaufnahmen aus dem Leben der Künstlerin und Kostümbildnerin. Kleine Zeit- und Raumkapseln, die uns teilhaben lassen an ihrer Vorstellung von Freiheit. Man hört sie förmlich laut rufen: Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt.

Die kluge, amerikanische Schriftstellerin Joan Didion schrieb einmal:

Remember what it is to be me: that is always the point.“

Und mit diesem „Ich“ und der Erinnerung an dieses „Ich“ fängt ja tatsächlich alles an: Jede Begegnung, jeder Austausch, jede Veränderung. Der Anfang dieser weiblich-weiblichen Ausstellungsreihe ist genau das: Ein Zurückbesinnen auf und Festhalten von Weiblichkeit. Und ein Weckruf, der den patriarchalen Voyeurismus mit extremer Klarsicht entlarvt.


Text: Carolin Würfel

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23. März — 22. April verlängert bis 26. Mai 2018
Vernissage: Donnerstag, 22. März, 19h

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Schröderstraße 13, 10115 Berlin
[Mitte | Mitte]

Öffnungszeiten: Do-Sa 12-18h, und nach Vereinbarung

Eintritt frei

Vorherige Ausstellung

Konrad Hoffmeister »Achtung! Sektorengrenze!«

26. Jan — 17. März 2018
Meet & Greet: Freitag, 16. März, 18-20h

Kommende Ausstellung

Ludwig Schirmer »Mensch-Maschine«

8. June — 28. Juli 2018 (+ im August nach Vereinbarung)
Vernissage: Donnerstag, 7. Juni, 19h

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Berlin | Mitte

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