Young Girl Holding A Flower, Demonstration Against The War In Vietnam, Washington D.C., 1967 © Marc Riboud

Einzelausstellung / Retrospektive

»MARC RIBOUD – WELT. POLITIK. LEBEN«
Erste Retrospektive in Berlin

Marc Riboud

Ausstellung: 7. Oktober – 17. Dezember 2016
Kuratiert von Lorène Durret & Nico Foss
Öffnungszeiten: Mi-Sa 13-19h
Eintritt frei

Beschreibung

Die Fotografie kann die Welt nicht verändern,
aber sie kann die Welt zeigen,  vor allem wenn sie sich verändert.“
Marc Riboud

Weltpolitik und Alltag, Aufmerksamkeit und Anonymität, Öffentlichkeit und Intimität – in den Bildern von Marc Riboud steht der Mensch unabhängig seines sozialen Status oder seiner gesellschaftlichen Funktion im Mittelpunkt. Die Konfrontation der Portraits von Winston Churchill, Fidel Castro, Mao oder des Dalai Lama mit Fotografien von Personen und Situationen aus der Mitte der Gesellschaft zeigt, dass sich hinter jeder Inszenierung auch ein Mensch in all seiner Privatheit verbirgt. Marc Riboud wirft in diesem Zusammenhang die Frage auf, ob an Stelle eines Politikers nicht auch ein Unbekannter, der sich gegen das System wehrt, im kollektiven Gedächtnis bleiben kann. 

Marc Ribouds Bilder sind mit ihrer starken visuellen Sprache und ihren eindrücklichen Sujets Klassiker der Reportagefotografie und einzigartige Bilddokumente bedeutender weltpolitischer Ereignisse. In den 1950er Jahren dokumentierte er die politischen und gesellschaftlichen Umbrüche in Indien und Asien sowie das vom Mao-Regime dominierte China. Unmittelbar nach der Kuba-Krise und der Neuordnung der internationalen Beziehungen portraitierte er Fidel Castro. 1973 lichtete Marc Riboud das historische Treffen von Leonid Breschnew und Richard Nixon in Washington ab – ein Versuch der Entspannungspolitik während des Kalten Krieges.  

Straßenszenen in Havanna, kubanische Arbeiter in einer Metallfabrik, Werktätige in Asien – jenseits der politischen Akteure und Ereignisse zeigen seine Fotografien ausdruckstarke Momente aus dem alltäglichen Leben der jeweiligen Länder. So erweitert und vervollständigt Marc Riboud seine Reportagen um eine humanistische Darstellung der einfachen Bevölkerung mit all ihrer Menschlichkeit, ihrem Gemeinsinn und ihrer Lebensfreude inmitten strenger Doktrinen. 

Erstmals in Berlin zeigt die Galerie 36 in einer Einzelausstellung einen Auszug aus dem umfangreichen Lebenswerk Marc Ribouds. Präsentiert werden seine bekanntesten Werke und Ikonen sowie auch zuvor nie gezeigte Fotografien, wie z.B. eine Bilderserie aus der ehemaligen UDSSR und Kuba. Die Ausstellung umfasst ca. 50 originale Vintage-Prints und wurde von Lorène Durret und Nico Foss kuratiert. Kürzlich ist die neue Publikation „Cuba“ von Marc Riboud bei Editions de La Martinière erschienen, die neben seinen Fotografien Texte von Wim Wenders und Jean Daniel enthält.

Weitere Informationen unter:
marcriboud.com and galerie36berlin.com

Biografie

Marc Riboud, 1923 in Saint-Genis-Laval bei Lyon geboren, machte 1937 beim Besuch der Weltausstellung in Paris seine ersten Fotos mit einer Kodak-Kamera im Kleinbildformat. 1944 beteiligte er sich an der Résistance im Vercors-Gebirge. Von 1945 bis 1948 absolvierte er ein Ingenieurstudium an der École Centrale in Lyon und begann in einer Fabrik zu arbeiten. Drei Jahre später entschloss er sich freiberuflicher Fotograf zu werden. Sein Bild „Der Maler auf dem Eiffelturm“ war 1953 seine erste Veröffentlichung im Life Magazin. Auf Einladung von Henri Cartier-Bresson und Robert Capa trat er der Agentur Magnum Photos bei.  

Ab 1955 bereiste er intensiv den Nahen Osten, Afghanistan, Indien, China und Japan. Nach einem dreimonatigen Aufenthalt in der UDSSR zog es ihn 1960 nach Algerien und Schwarzafrika, wo er die Kämpfe zur Unabhängigkeit fotografisch festhielt. Als einer der wenigen Fotografen, denen die Einreise erlaubt wurde, machte er zwischen 1968 und 1969 Reportagen in Süd- und Nordvietnam. In den 1980er und 1990er Jahren kehrte er regelmäßig nach Südostasien zurück, insbesondere nach Angkor Wat und Huang Shan.  

2011 machte Marc Riboud eine Schenkung an das Musée national d’art moderne im Centre Georges Pompidou in Paris von insgesamt 192 Originalabzügen aus der Zeit zwischen 1953 und 1977. Sein Werk wurde in zahlreichen Museen und Galerien in Paris, New York, Shanghai, Tokio, etc. ausgestellt. Außerdem wurde er mit vielen Preisen geehrt, unter anderem mit zwei Preisen des Overseas Press Club, dem ICP Infinity Award sowie dem Nadar Preis für sein Buch „Vers l’Orient“.  

Marc Riboud starb am 30. August 2016 im Alter von 93 Jahren in Paris.

DAS NEBENEINANDER VON WELTPOLITIK UND ALLTAG

Travel and literature, solitude and counsel, the lessons of the East and of the Elder, rules that endure and those that disappear, the flow of days, and the accretion of time, made me a photographer.“
Marc Riboud

Marc Riboud entschloss sich Anfang der 1950er Jahre als Fotograf zu arbeiten. Robert Capa und Henri Cartier-Bresson wurden seine Mentoren und luden ihn ein, der Fotoagentur Magnum Photos beizutreten, bei der er 1955 vollwertiges Mitglied wurde. Ein verantwortungsvoller Blick auf die Welt und der respektvolle Umgang mit den fotografierten Menschen, das wichtigste Prinzip der Magnum-Fotografen, spiegelt sich in jedem einzelnen Foto Marc Ribouds wider. 

Ausgelöst von dem Bedürfnis, Abstand von seinem gewohnten Umfeld seiner Familie, der europäischen Kultur und eingefahrenen Konventionen zu bekommen, begann Marc Riboud  1955 eine erste mehrjährige Fotoreise in den Orient. Diese Reise in den mittleren und fernen Osten prägte seine Fotografie stark:

Henri’s compliments and criticisms guided me, affected and touched me – but I also felt that the Afghani, Indian, Chinese, and Japanese roads had taught me something that I could not have learned from any master, however great.“

Die Ausstellung zeigt eine Auswahl an frühen Arbeiten und konzentriert sich auf die ersten drei Jahrzehnte seines Schaffens, die überwiegend Einblick in außereuropäische Kulturen bieten. In Ribouds Oeuvre finden sich Porträts gesellschaftlicher und politischer Akteure neben Aufnahmen einfacher Arbeiter  in ihrer Lebensumgebung – aufgenommen mit dem gleichen respektvollen Blick: Die Porträts von Fidel Castro dokumentieren zusammen mit Fotografien leerer Supermarktregale und von Arbeitern der Metallindustrie den Zustand des jungen sozialistischen Landes im Jahr 1963. Inwieweit alltägliches Leben von sozialistischer Propaganda  umgeben war, zeigen die Aufnahmen, die in Russland oder China der 1960er und 1970er Jahre entstanden.  

Die Vielseitigkeit von Marc Ribouds Oeuvre zeigt sich in der Ausstellung nicht nur an den zahlreichen Ländern, die er bereiste sondern auch den Sujets, die seine Kamera einfing. Neben Fotografien voller Lebensfreude, Witz und Leichtigkeit finden sich schwerbewaffnete Soldaten und denkwürdige politische Momentaufnahmen. Zu sehen sind Politiker neben Passanten, Weltpolitik neben Alltag. Dem Ausstellungskonzept liegt ein Gedicht von André Velter zugrunde, in dem er gerade dieses Nebeneinander als zentralen Aspekt im Werk Marc Ribouds beschreibt.  

Anstelle von Titeln lieferte Riboud häufig eine kurze Situationsbeschreibung zu seinen Fotografien, damit diese stets im richtigen Kontext platziert werden. Auch dieser Umstand bezeugt seine Vorstellung von einem verantwortungsbewussten, humanistischen Umgang mit seinen Bildzeugnissen.

GALERIE 36 
Neuer Ort für Fotografie in Berlin 

Zwischen Sanierung und Salon, zwischen Gründerzeit und Moderne – in der Chausseestraße in Berlin-Mitte entsteht zur Zeit ein besonderer Ort für historische und zeitgenössische Fotografie. Seit 2012 wird das ehemalige Offiziershaus behutsam renoviert und die reichhaltige historische Substanz unter Einsatz nachhaltiger und weitestgehend originaler Materialien bewahrt beziehungsweise wieder hergestellt. Die Rekonstruktion und Erweiterung des Gebäudes folgt dem architektonischen Ansatz, die Räume der vier Etagen im Stil der unterschiedlichen historischen Epochen von 1900 bis heute zu gestalten und einzurichten.  

Die Ausstellungsflächen der Galerie 36 erstrecken sich über 400qm im gesamten Haus. Sie sind vom Konzept des Salons geprägt, das deutlich und bewusst mit dem neutralen White Cube bricht. Neben eigenen Ausstellungen national und international etablierter Fotografen sowie der Vernetzung und Förderung junger Talente ist die Galerie ein offener Raum für Kooperationen mit privaten Sammlungen, Museen und anderen Institutionen.

Bibliothek, Verlag, eigene Sammlung und analoges Fotolabor – neben der Galerie soll das Haus nach seiner Fertigstellung ab 2017 weitere kulturelle Projekte beherbergen. Die Leitung der Galerie 36 verantwortet Mona Mathé.

Aktuelle Ausstellung in der Galerie 36:

HEAVEN

Ausstellung: 8. September – 17. Dezember 2016

Event Details

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