Galerie 36 | »HEAVEN«, Photo: Serejana, Indien 2006 (detail) © Siu-Ling Ha

Gruppenausstellung

»HEAVEN«

Patrick Alphonse, Pavel Chirkin, Sebran D’Argent, François Dupuy, Siu-Ling Ha, Jürgen Heinemann, Xavier Maurel, Némorin, Georges Saillard

Ausstellung: 9. September – 17. Dezember 2016 verlängert bis 31. März 2017
Öffnungszeiten 2016: Mi-Sa 13-19h (geschlossen am 15. Dez)
Winterpause: 18. Dez 2016 – 5. Januar 2017
Öffnungszeiten 2017: 6. Januar – 31. März 2017 Fr & Sa 13-18h
Eintritt: 5 € / ermäßigt 3 € (Eintritt frei unter 18 Jahren)

Beschreibung

HEAVEN

Vom schneebedeckten Russland über das urbane Leben Ägyptens und die Savanne Afrikas bis hin zu den Gebirgsebenen Tibets – die Fotografen des Künstlerkollektivs HEAVEN eint ihre Leidenschaft für das Reisen in ferne Länder. In atmosphärischen Bildräumen und Impressionen offenbaren sich landschaftliche Weiten, verschiedene Lebensarten und traumartig-verhüllte Menschen. Jenseits bekannter visueller Vorstellungen zeigen die vielfältigen und motivreichen Fotografien die offene, ruhige Sicht des Voyageurs. HEAVEN ist Rückbesinnung auf unberührte Natur, Begegnung mit fremden Kulturen sowie auch Blick nach Innen.  

Alle Fotografien – ob schwarz-weiß oder farbig – strahlen eine wirkungsvolle Erhabenheit und fragile Intimität aus. Sie zeichnen sich durch vielseitige bildliche Ausdrucksmöglichkeiten und eine klare Bildsprache aus. Formal steht das feine Spiel mit Licht und Schatten im Vordergrund – oft expressiv mit starken Belichtungen und ausgeprägten Helldunkel-Kontrasten. Alle Künstler arbeiten ausschließlich im Bereich der analogen Fotografie in bewusster Abgrenzung zur heutigen Flut digitaler Bilder. Ihre Werke sind eine Hommage an die traditionellen künstlerischen Techniken wie Fotogravüre. 

Fotografie als eigene Sprache 

Hinter HEAVEN verbirgt sich ein Künstlerkollektiv unterschiedlicher Generationen sowie eine Publikationsreihe, die seit 2001 erscheint und nicht das Medium Fotografie an sich erläutern möchte. Vielmehr ist Fotografie hier eine eigene Sprache, die keiner weiteren Beschreibung bedarf. Indem die Fotografie ganz für sich steht, offenbart sich ihre unmittelbare Bedeutung und besondere Poesie. 

Die Ausstellung HEAVEN präsentiert Werke von elf Künstlern:
Patrick Alphonse, Pavel Chirkin, Sebran D’Argent, François Dupuy, Siu-Ling Ha, Jürgen Heinemann, Xavier Maurel, Némorin und Georges Saillard.

HEAVEN ist sowohl die erste Gruppenausstellung dieser Künstler, als auch für einige Fotografen die erste öffentliche Präsentation ihrer Werke. Die Ausstellung umfasst ca. 100 Exponate. 

Weitere Informationen unter:
heaven-photography.com and galerie36berlin.com

Biografien

Patrick Alphonse (* 1965)
Patrick Alphonse arbeitet mit Heliogravüre auf japanischem Papier – eine Technik, die im  19. Jahrhundert entstand und eng mit den Anfängen der Fotografie verbunden ist. Sie lässt den Fotografen zum Maler werden. So dominieren starke Kontraste und klare Linien diese grafischen Arbeiten, deren Bildsprache reduziert und gleichzeitig vielschichtig ist. Während sich Himmel und Erde in den unendlichen Schattierungen von Grau verbinden, zeigt der Künstler Geschichten von Leben und Tod. Patrick Alphonse bezeichnet diese Werke selbst als „Gesang der Melancholie“ und sieht sich in der Tradition der „photographie humaniste“, die den Menschen eng verbunden mit seiner Umgebung zeigt.  

Pavel Chirkin (*1991)
Die Fotografien von Pavel Chirkin bestechen zugleich durch ihre Zartheit als auch Ausdrucksstärke. In der Ausstellung zeigt der junge Künstler sein Heimatland Russland aus persönlicher Sicht – Winter mit schneebedeckten Weiten und urbanes Leben. Der Mensch erscheint kaum in diesen Darstellungen, doch zeugen Bauwerke und Straßen von seiner Anwesenheit. Es ist ein melancholischer, teils humorvoller Blick auf eine Welt aus Schnee und Eis. Die starke Belichtung unterstreicht die Stille, die die winterliche Landschaft mit sich bringt. Pavel Chirkin zog 2013 von Moskau nach Paris, um dort klassische fotografische Verfahren mit Silbergelatine zu erlernen.  

Sébran d’Argent (*1971)
Das Werk von Sebran D’Argent befasst sich im wörtlichen wie übertragenem Sinne mit der Reise in eine andere Zeit, eine andere Welt und auch Dimension. Neben Bildern aus Ländern wie Indien, Tibet und Myanmar umfasst sein künstlerisches Werk auch Mode- und Aktfotografien. Die ausgestellte Serie „Liberty“ weist einen starken malerischen Charakter auf und zitiert eine kunsthistorische Bildsprache. Die nackten Frauenkörper, ihre Bewegungen und die weiße Kopfbedeckung erinnern an Jean-Auguste-Dominique Ingres‘ „Badende“ oder „Grande Odalisque“. Sébran d’Argent, der seit 1990 als autodidaktischer Fotograf tätig ist, lebt in Paris und ist Herausgeber der Zeitschrift HEAVEN. Für seine analogen Fotografien verwendet er Filmmaterial und Papiere, die heutzutage zum Teil nicht mehr erhältlich sind und arbeitet mit verschiedenen Kameras – vom selbstgebauten Holzapparat bis zum Großbildformat. 

François Dupuy (*1959)
Ob in Europa, Asien, Afrika oder Amerika – stets ist François Dupuy auf der Suche nach dem Besonderen im Alltäglichen. Geleitet durch seine Neugier hat er fast alle Kontinente bereist. Die Ausstellung präsentiert seine Serie aus Ägypten, in der er in vielseitigen Momentaufnahmen den kulturellen Charakter des Landes zu erspüren sucht. Sein Interessenschwerpunkt gilt dem urbanen Leben ebenso wie der Landschaft. Geprägt sind seine Bilder von starken Helldunkel-Kontrasten. François Dupuy begann bereits früh zu fotografieren und hat sich auf die Schwarz-Weiß-Fotografie spezialisiert.  

Jürgen Heinemann (*1934)
Jürgen Heinemann zog es in zahlreichen Reisen nach Lateinamerika, wo er am kulturellen Leben der einheimischen, einfachen Bevölkerung teilnahm – peruanische Hochzeiten, Indiokulte, Straßenszenen aus Haiti, Arbeiterfamilien aus Venezuela und kolumbianische Waisenheime. Seine Fotografien zeichnen sich durch ihre expressiven Hell-Dunkel-Kontraste und nuancierten Schattenverläufe aus. Die ausgearbeiteten Bildkompositionen zeigen sein Interesse für eine klare Formensprache. Jürgen Heinemann hat an der Folkwangschule für Gestaltung in Essen Fotografie studiert und war ab 1962 als freier Journalist tätig. 1981 wurde er als Professor für Fotografie und Bildjournalismus an die Fachhochschule Bielefeld berufen. Die Ausstellung präsentiert eine Auswahl seiner Fotografien aus Lateinamerika.

Siu-Ling Ha (*1980)
Die französische Fotografin Siu-Ling Ha hat sich auf Polaroids und Silber-Gelatine-Abzüge spezialisiert. Ihre Leidenschaft gilt Indien, wo sie im Jahr 2004 mit der Fotografie begonnen hat. Inzwischen reist sie seit über zehn Jahren in dieses Land und hält mit ihrer Kamera eindrückliche Momente fest. Mit ausgeprägtem Gespür für Licht- und Schattenspiele lässt Siu-Ling Ha alltägliche Situationen wie ein Mädchen vor dem Fenster gerade in ihrer Intimität aufscheinen. Die unbeschwerte Kindheit ist das Thema der ausgestellten Werke. In leuchtenden Farben erstrahlen diese Fotografien. Gleichzeitig bleibt vieles im Verborgenen durch gezielte Schatten oder dem Abwenden von der Kamera.  

Xavier Maurel (*1981)
Auch Xavier Maurel zieht es mit seiner Kamera in die Ferne. Seine Fotografien erzählen von der Reinheit und Schönheit der Welt. So bannt er Naturschauspiele auf Papier, wodurch wirkungsvoll Ruhe und Erhabenheit verströmt wird. Die Ausstellung zeigt eindrucksvolle Aufnahmen, die am See Pangong Tso entstanden – 4000 Metern über dem Meeresspiegel an der Grenze zwischen Tibet, Indien und China. Während Maurel den See in sanften Blautönen wiedergibt, ist die raue, steinige Landschaft in Schwarz-Weiß-Fotografien festgehalten. Ein wichtiger Bestandteil für das Werk von Xavier Maurel ist das Herstellungsverfahren: die Arbeit in der Dunkelkammer sowie der Umgang mit dem Papier und Werkzeugen.  

Némorin (*1959)
Die Fotografien von Némorin sind vielseitig – neben Schwarz-Weiß-Aufnahmen stehen malerische Farbfotografien bis hin zu abstrakten Kompositionen. In diesen Bildern spiegelt sich Némorins Interesse für Abstraktion und Bildaufbau. So sucht er nicht nur nach ungewöhnlichen Blickwinkeln auf die Landschaft, sondern inszeniert gekonnt die Menschen durch seine Bildfindungen. Das Spiel mit Licht und Schatten sowie geometrische Elemente sind hierbei zentrale Elemente. Die Ausstellung präsentiert Némorins Fotografien aus Myanmar.  

Georges Saillard (*1963)
Georges Saillard arbeitet mit der fast vergessenen Technik der Fotogravüre und fügt oft vor dem Druck verschiedene Farben bei, so dass jeder Abzug leicht variiert. Die Ausstellung zeigt eine Serie, die Henry David Thoreau und seinem 1854 veröffentlichten Buch „Walden“ gewidmet ist. In diesem stellt der amerikanische Philosoph den Besitz in Frage – eine Thematik, die in der heutigen Konsumgesellschaft nichts an Brisanz verloren hat. Zwei Jahre lebte Thoreau zurückgezogen in der Natur – eine Erfahrung, der sich auch Georges Saillard stellte. In diesem Refugium entstanden seine exponierten Fotografien. Immer wieder taucht in den Bildern eine mythische Figur auf – die nackte Eva. Die traumartige Atmosphäre dieser Bilder wird durch die besondere Farbigkeit verstärkt. 

GALERIE 36 
Neuer Ort für Fotografie in Berlin 

Zwischen Sanierung und Salon, zwischen Gründerzeit und Moderne – in der Chausseestraße in Berlin-Mitte entsteht zur Zeit ein besonderer Ort für historische und zeitgenössische Fotografie. Seit 2012 wird das ehemalige Offiziershaus behutsam renoviert und die reichhaltige historische Substanz unter Einsatz nachhaltiger und weitestgehend originaler Materialien bewahrt beziehungsweise wieder hergestellt. Die Rekonstruktion und Erweiterung des Gebäudes folgt dem architektonischen Ansatz, die Räume der vier Etagen im Stil der unterschiedlichen historischen Epochen von 1900 bis heute zu gestalten und einzurichten.  

Die Ausstellungsflächen der Galerie 36 erstrecken sich über 400qm im gesamten Haus. Sie sind vom Konzept des Salons geprägt, das deutlich und bewusst mit dem neutralen White Cube bricht. Neben eigenen Ausstellungen national und international etablierter Fotografen sowie der Vernetzung und Förderung junger Talente ist die Galerie ein offener Raum für Kooperationen mit privaten Sammlungen, Museen und anderen Institutionen.

Bibliothek, Verlag, eigene Sammlung und analoges Fotolabor – neben der Galerie soll das Haus nach seiner Fertigstellung ab 2017 weitere kulturelle Projekte beherbergen. Die Leitung der Galerie 36 verantwortet Mona Mathé.

Kommende Ausstellung in der Galerie 36:

MARC RIBOUD – WELT. POLITIK. LEBEN
Erste Retrospektive in Berlin

Ausstellung: 7. Oktober – 17. Dezember 2016

Event Details

[postinfo meta_key=’enable_postinfo‘ meta_value=’1′ default=’1′ class=’se-dbox‘][postinfo meta_key=’enable_venuebox‘ meta_value=’1′ default=’1′ id=’venuebox‘ class=’se-vbox‘]

Tags