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Gruppenausstellung

»Spektren«

Eine Ausstellung des FEMALE PHOTOCLUB – Berlin

Anne Barth, Chiara Dazi, Marlene Gawrisch, Isabell Kessler, Gudrun Senger, Alena Schmick, Janina Steinmetz, Franziska Strauß, Saskia Uppenkamp, Mimi Vollgraf

Die Ausstellung Spektren versammelt Positionen von 10 in Berlin lebender Fotografinnen – Mitglieder des FEMALE PHOTOCLUB.

Was 2017 als informeller Stammtisch für Fotografinnen in der Hauptstadt begann, hat sich mittlerweile bundesweit in verschiedenen Städten und Regionen etabliert. Impuls gebend hierfür war, in einer noch immer männlich dominierten Branche besonders in Bereichen wie Werbung und Journalismus, einen neuen Raum für Austausch und Diskurse zu schaffen und die Sichtbarkeit von Fotografinnen zu erhöhen.

Im Herbst vergangenen Jahres, gründete sich FEMALE PHOTOCLUB mit neu überarbeitetem Konzept als Verein. Nun findet in den Räumen der Treptow Ateliers auf dem Areal der Rathenau-Hallen in Schöneweide erstmals eine Werkschau der Berliner Gruppe statt. Die Architektur mit ihrer mehr als hundertjährigen Geschichte, vom Industriestandort zur momentanen Nutzung durch Künstler*innen, Kreative und Handwerksbetriebe und ihrer unbestimmter Zukunft spiegelt den Wandel der Stadt wieder.

Unter dem Titel Spektren (vom lateinischen Begriff “Spectrum” für “Bild, Erscheinung” und “specere“ für “sehen, schauen”) wird hier eine Fülle verschiedener fotografischer Herangehensweisen präsentiert. So finden sich ähnliche Themen und Fragestellungen in den einzelnen Arbeiten wieder. Diverse Körper, Blicke, Begegnungen zeigen die vielen Nuancen von Menschen- und Selbstbildern.

Teils flüchtige, teils länger andauernde Beobachtungen des Seins und der Gesellschaft – im Privaten, im Öffentlichen, in der Fremde – prägen die Reflexionen der Fotografinnen. Die Bilder erzählen vom Unterwegssein und Ankommen, Nähe und Distanz, aber auch der Materialität der Körper und der Fotografie selbst.

Demnach steht ebenso der Titel in Analogie zu den Lichtspektren und der Frequenz bestimmter Wellenlängen, die als sichtbarer Teil der Strahlung, sich je nach Brechung und Einfallswinkel des Lichts verändern und von den vier Sinneszellen unserer Augen unterschiedlich interpretiert werden.

Wie werden die Blickpunkte der Fotografinnen, die unterschiedlichen Aspekten des Menschseins je nach Betrachter wahrgenommen?

Die Ausstellung ist gleichsam ein Abbild davon, kann doch niemals ein konkretes Abbild sein. Es ist die Vielzahl an Bildern und Betrachtungen, das Unvorhersehbare der Begegnungen, welche die vielen Fragmente des Menschen widerspiegeln.

Anne Barth
VSBL

Die Medien berichteten uns von bis zu 20.000 Menschen, die im März 2020 im Geflüchtetenlager Moria lebten. Es ist leicht zu vergessen, dass es sich dabei um 20.000 individuelle Menschen mit 20.000 individuellen Geschichten handelt.
VSBL ist ein Projekt, das versucht, dieser anonymen Zahl etwas Greifbares entgegen zu stellen. Gesichter, Stimmen und Gedanken derer zu zeigen, die uns an einem aussichtslosen Punkt ihres Lebens um Hilfe bitten. Kein einziges Erlebnis ist wiederholbar. Ein Zufallsgenerator bestimmt Reihenfolge und Zusammensetzung, dadurch wird der Besuch der Installation so wenig kontrollierbar, wie eine zufällige Begegnung.
Diese direkte Menschlichkeit kann am Ende die „Zahl“ vielleicht ein wenig auflösen, um an ihrer Stelle Verständnis und eine emotionale Verbindung entstehen zu lassen.
Online ist VSBL unter https://vsbl.art zu sehen. Als Rauminstallation wird sie zum ersten Mal bei der Ausstellung des Female Photoclubs in Berlin gezeigt.
Dieses Projekt wurde durch ein Stipendium des Landes NRW unterstützt und ermöglicht.
www.annebarth.de

Chiara Dazi
UNPLAN (endlich ein bisschen tippeln)

Wie stehen wir heute zu der nomadischen, deutschen Tradition der Wanderschaft und den reisenden Handwerker:innen, die sie fortführen? Ich hinterfrage die gesellschaftlichen Änderungen, die stattgefunden haben und wie sich diese auf die Menschen auswirken in Bezug auf die Begegnung von Fremden und Reisenden. Haben die pandemiebedingten, neuen Regelungen, und die damit verbundenen Ängste des Volkes, doch mehr Neugier, das Bedürfnis auf Nähe und hoffnungsvolle Lebensgeschichten erweckt? Oder ist Distanz die neue Realität – im räumlichen und darüber hinaus auch im geistigen Sinne? Während meiner vorherigen Arbeit „Wandertage“ oft erfuhr ich wie die Begegnung mit Wandergesell:innen einen Glanz in die Menschen brachte: sie sehen diese mutigen Leute und spüren wieder Hoffnung und Freude. Zehn Jahre später, im Dezember 2020, auf der Suche nach Antworten bin ich spontan von Berlin bis nach Spanien mit zwei Reisenden Zimmermännern auf der traditionellen Walz mitgetrampt und mitgetippelt – so weit, wie die Personen, denen wir begegneten uns mitnahmen und so nah wie möglich an Matthias, Ben und all denen, die uns auf diesem Weg begleiteten.
www.chiaradazi.com

Marlene Gawrisch
Arbeitsplatz

In meiner Serie zeige ich Menschen an ihrem *Arbeitsplatz*. Neben dem eigenem zu Hause ist dieser Platz ein bedeutender Ort zwischen Lebensunterhalt und Selbstverwirklichung. Eine Homage an *Menschen des 20. Jahrhunderts* von August Sander auf Film fotografiert.

Die Serie erscheint seit 2019 regelmässig in der Wochenzeitung Welt am Sonntag.
www.ausblenden.de

Isabell Kessler
trace every line of your symmetry

Was ist normal? Was ist nicht normal?

Ausgehend von diesen Fragen, beinhaltet die Serie »trace every line of your symmetry« ein Wechselspiel aus sinnlichen, natürlichen, körperlichen und analytisch konstruierten sowie vergleichenden Darstellungen. Die allgemein akzeptierte, von den Medien als Doktrin verbreitete Idealform des Menschen darf keine absolute Norm sein. Körperliche Unterschiede sollen als normal angesehen werden.

Die Serie thematisiert das Krankheitsbild »Skoliose« und zeichnet die Entwicklung der daraus resultierenden Symptome der Fotografin von 2007 bis 2021 ab. 14 Jahre sind vergangen, ehe sie sich in der Lage fühlte die Geschehnisse zu verarbeiten. Das Ziel der Arbeit ist es auf diese Situation aufmerksam zu machen und Betroffene zu ermutigen, ein Leben selbstbewusst und frei von falscher Scham, in Würde und unter Entfaltung der persönlichen Potentiale zu führen.
www.isabellkessler.com

Gudrun Senger
Spektren

Ein Teil der gezeigten Fotos sind Portraits, die ich mit einer Großformatkamera meines Vaters fotografiert habe. Einer Plaubel 9/12 aus dem Jahr 1964. Sie zeigen junge Menschen auf dem Weg ins Erwachsenenleben. Aufgrund der Wahl der Kamera führt der Aufnahmeprozess unweigerlich zu einer Entschleunigung. Im Widerspruch zu unserer digitalen Rastlosigkeit.

Ein Moment der Konzentration und Ruhe.

2019 habe ich mit der Herstellung von Cyanotypien begonnen. Ich arbeite mit meinen Händen an Bildern, die langsam vor meinen Augen entstehen und erlebe die Fotografie neu als Handwerk.
www.gudrunsenger.com

Alena Schmick
Love Crash

Beim Kräftemessen verschmelzen Körper zu Skulpturen. Gerötete Haut und gespannte Muskeln, Umklammerungen und Umarmungen, Stärke und Nähe – Sehen wir Liebende oder Kämpfer? Ein Paar oder Gegner?

Alena Schmicks Arbeit Love Crash ist eine lustvolle Beobachtung bedin- gungsloser Intensität menschlicher Körper. Durch die engen Anschnitte legt die Fotografin den Fokus auf die Materialität der Haut. Gleichzeitig scheint die Kraft der Porträtierten den Bildrahmen aufzubrechen.

Die Arbeit besteht aus einer Serie von sieben Farbfotografien.
alena-schmick.com

Janina Steinmetz
hashtag 30

Der 30ste Geburtstag ist für viele Frauen ein Meilenstein und unwiderruflich mit Erwartungen an sich selbst aber auch das Leben im Allgemeinen verbunden. Die Frage nach Familie oder Karriere, oder doch alles zusammen, steht im Raum und es scheint, als ob wegweisende Entscheidungen jetzt getroffen werden müssten, quasi über Nacht.

Was aber wenn etwas Unvorhergesehenes passiert? Die eigene Beziehung geht in die Brüche , Eltern und Großeltern erkranken oder sterben, und plötzlich ist man verantwortlich, für sich, für ein Kind, ja vielleicht sogar für die eigenen Eltern.

In der Serie #30 hat Janina Steinmetz über die vergangenen zweieinhalb Jahre 30 Frauen um die 30 besucht und sie in ihren eigenen vier Wänden portraitiert, sowie sie zu ihrem Umgang mit der 3. Null interviewt. Die veröffentlichten Portraits und Zitate verstehen sich als Momentaufnahme und zeigen den persönlichen Balanceakt zwischen gesellschaftlichen Erwartungen, körperlichen und geistigen Entwicklungen und eigenen Ansprüchen in Bezug auf die 4. Lebensdekade.

Die Fotografin möchte mit dem Projekt auf die Tatsache aufmerksam machen, dass wir uns zwar in einer Phase des Umbruches befinden, uns aber noch längst nicht von veralteten Konventionen frei sprechen können. Sie möchte Frauen dazu zu ermutigen sich mitzuteilen und ihren Ängsten und Sorgen Luft zu machen, um Platz für neue Erlebnisse im Hier und Jetzt zu schaffen und gemeinsam eine Gesellschaft zu bilden, in der die 30 nur mehr eine Zahl ist.
www.janinasteinmetzphotographie.com

Franziska Strauss

Ich zeige meine beiden Hauptschwerpunkte – Street- und Tanz-Fotografie, an denen ich seit ca. 16 Jahren arbeite. Da ich selbst lange getanzt und choreographiert habe, wollte ich beides auch fotografisch erforschen. Ich sehe Tanz als essentielles Mittel sich auszudrücken, dass wir verlernt haben zu (be-)nutzen. Er repräsentiert die Einheit von Körper, Geist und Seele, die Fähigkeit und Notwendigkeit über andere Wege zu kommunizieren als die verbale Sprache, das Verlangen Dinge über den denkenden Geist hinaus zu erleben und sich selbst zu spüren, um Empathie zu entwickeln. Im Studio wollte ich herauszufinden, was mit einem Tänzer passiert, wenn Dinge wie Choreographie, Bühne, Stress und representatives Verhalten wegfallen.

Als jemand, der all zu oft in seinen Gedanken umherirrt, setzt mich die Strassenfotografie dem Zwang aus, ohne vorheriges Denken zu reagieren. Die Gleichzeitigkeit von Irritation und Identifikation lässt mich den Auslöser betätigen. Dazu kommt die Angst den gesehenen Moment zu verlieren und was die intuitiv gewählten Momente mir über mich selbst sagen könnten. „Du musst nicht auf die Suche nach Bildern gehen. Du gehst raus und die Bilder starren dich an.“ (Lee Friedlander) Allem Anschein entgegen, ist dem aber nicht so, weil die Bilder da „draußen“ sind, sondern weil wir voll von Bildern sind, geschaffen durch Erfahrungen, Erwartungen, Hoffnungen und Ängste und uns damit in einen aufregenden Projektionsraum begeben.
www.franziskastrauss.com

Saskia Uppenkamp
RUMMELSBURGER BUCHT

Die Rummelsburger Bucht ist einer der letzten großen Freiräume Berlins. Der See, gleichzeitig Bundeswasserstraße, grenzt an die Bezirke Friedrichshain-Kreuzberg und Lichtenberg. Freigeister zieht es in die mitten in der Stadt gelegene Oase. Sie ankern dort dauerhaft mit ihren Booten und selbstgebauten Flößen oder nutzen den See als Sommerresidenz. Auch Investoren haben das Potenzial der Rummelsburger Bucht erkannt. Am Westufer sollen ein Aquarium und Eigentumswohnungen entstehen. Nach mehr als zehn Jahren der Planung wurde dies im Frühjahr 2019 mit der Verabschiedung des Bebauungsplans Ostkreuz besiegelt, der massive Widerstand seitens der BerlinerInnen blieb unbeachtet. Im Juli erging auf der Friedrichshainer Seite der Bucht ein Anlegeverbot. Das vom Berliner Senat beantragte Ankerverbot wurde allerdings vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt abgelehnt. Boote dürfen weiterhin gebührenfrei auf dem Wasser ankern. Ein kleiner Etappensieg für die WasserbewohnerInnen.
Die Portraitserie zeigt Menschen, deren Leben eng mit der Rummelsburger Bucht verknüpft ist.
www.saskia-uppenkamp.com

Mimi Vollgraf
AND THIS IS ME (2020/21)

Ich beschloss zu sein, wer ich sein wollte. Und das bin ich.“
Coco Chanel

Die Serie „And this is me“ soll dazu inspirieren, sich selbst liebevoll und voller Stolz anzunehmen – mit allen Schwächen und Stärken. Sie fordert auf zu mehr Selbstbestimmung und Lebensfreude.
Diese Portraitserie ist in Anlehnung an eine Fotografie von Coco Chanel entstanden. Dafür hat Mimi Vollgraf verschiedene Frauen unabhängig voneinander portraitiert. Vor jedem Portraitshooting hat die Fotografin die gleiche Frage und Aufgabe gestellt: „Was bedeutet für Dich Mut? Zeig mir wie Du aussiehst, wenn Du Dich mutig fühlst.“
Die Auswahl der daraus entstandenen Fotografien zeigt unterschiedliche Eigeninterpretationen mit verschiedenen Facetten – mal reflektiert, mal wild und manchmal etwas over the top.
Die Fotografin möchte mit dieser Arbeit zeigen, dass wir uns alle nicht verstellen müssen und mutig genug sein sollten, uns genau so zu zeigen, wie wir sind.
www.mimivollgraf.com

 

Begleitprogram

Samstag, 19. Juni 2021, 15 – 16 Uhr
Janina Steinmetz: Live-shooting (Portrait vor Ort)

Sonntag, 20. Juni 2021, 16 – 17 Uhr
Chiara Dazi: Reisebericht

16. — 20. Juni 2021
Vernissage: Mittwoch, 16. Juni, 17 Uhr
Begleitprogramm: bitte siehe oben

Rathenauhallen, Wilhelminenhofstr. 83-85, 12459 Berlin
[Ortsteil: Oberschöneweide | Bezirk: Treptow-Köpenick]

Öffnungszeiten: Mi 16. Juni: 17 – 21h, Do 14 – 20h, Fr & Sa 14 – 21h, Sonntag 20. Juni 14 – 20h

Eintritt frei

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