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Axel Hütte, Berlin Nationalgalerie-2, 2001/2016, Duratrans, Edition 1/4, 157 X 257 Cm / 61, 3/4 X 101 1/4 In, AH/PH 2 © Axel Hütte, Courtesy Of The Artist And Daniel Marzona, Berlin

Einzelausstellung

»Reflection«

Axel Hütte

Vernissage: Freitag, 11. März 2016, 18-21h (Facebook Event)
Ausstellung: 12. März – 23. April 2016
Öffnungszeiten: Di-Fr 11-18h, Sa 12-18h
Eintritt frei

Beschreibung

Das Wissen um die Möglichkeit einer Manipulation am Bild lähmt die Magie der Authentizität der Fotografie.“
– Axel Hütte, 2014

Keines der Medien hat durch die Möglichkeiten der digitalen Bildbearbeitung am Computer eine so radikale Veränderung erfahren wie die Fotografie. Die Eingriffe ins Bild sind immer weniger sichtbar. Die Simulation von Wirklichkeit wirkt täuschend real und ist für das ungeschulte Auge nicht wahrnehmbar. Meistens sind wir bereit, einer Fotografie einen direkten Bezug zur Realwelt zuzugestehen, selbst wenn uns bewusst ist, dass diese manipuliert ist. Dieser Widerspruch ruft kaum noch Erstaunen hervor und tatsächlich entspricht er der Hybridität der Entwürfe unseres eigenen postmodernen Selbst.

Seit Ende der 1990er Jahre hat Axel Hütte kontinuierlich Wege gesucht, das fotografische Bild wieder fremd werden zu lassen. Wie gelingt es, einen gleichsam widerstrebenden Impuls zu provozieren, mit fotografischen Aufnahmen zu befremden, die gemessen an unseren Bildgewohnheiten nicht unrealistisch erscheinen, aber dennoch irritieren? Hütte hat gezielt periphere, oft unspektakuläre Orte fotografiert – menschenleere, werbefreie Räume – und so nicht das Sujet, sondern das Bild und seine ikonischen Strukturen ins Zentrum der Aufmerksamkeit gestellt. Dies zeigt sich bereits in seinem frühen Blick auf den städtischen Raum (U-Bahnstationen, Unterführungen, Gebäudezugänge), der mit der Mehrdeutigkeit perspektivischer Ansichten operiert und dabei die Tiefe des Raumes mit der Undurchdringlichkeit der fotografischen Oberfläche verschränkt. Das Interesse am Bildgefüge prägt auch die Landschaften der 1990er Jahre, radikal fragmentierte Ansichten, in denen „Landschaft“ strenggenommen nur noch als Referenz aufgerufen wird. Auch Hüttes spätere phantasmatische Alpendarstellungen fragmentieren das Motiv Landschaft und führen zu einer Distanznahme, wenn auch mit gänzlich anderen Mitteln als die früheren Arbeiten. War der gleichmäßig helle Himmel in den frühen Landschaften lediglich ein neutraler Hintergrund und bildete damit eine Leerstelle, bestimmen dichter Nebel oder tiefhängende Wolken in den Bergansichten die Szene und beschränken unseren Blick in die Tiefe.

In den seit 1997 entstehenden Nachtaufnahmen verunklaren Lichtreflexe und Spiegelungen das Bild, was zu komplexen Überlagerungen von Innen- und Außenräumen führt. In der Spiegelung auf der Glasfassade in der Arbeit „Berlin, NG“ (2001-2016) werden die Lichtbänder des Innern gleichsam in den Außenraum fortgesetzt. In „Linz, Austria“ (2015) ist es zudem schwer, einen Unterschied zwischen den Leuchtröhren am linken Bildrand und ihren Spiegelungen auszumachen. Und auch dass die Lichtreflexe auf der großflächigen Deckenuntersicht von der Donau herrühren, erschließt sich erst nach einem gleichsam forensischen Studium der bildräumlichen Anordnung, die den Fluss auslässt. Die unmittelbare Gewissheit des Gesehenen wird auf diese Weise untergraben und dem Zweifel ausgesetzt. Auch die Aufnahmen von Innenräumen in Venedig aus dem Jahr 2012 zeigen vertrackte räumliche Verhältnisse mit ihren Blicken durch Türen, in Spiegel sowie auf Fenster, durch die Tageslicht eindringt, um von Decken, Wänden und Böden in ganz unterschiedlicher Weise reflektiert zu werden. Proteusartig sich verändernd wird das Licht hier in allen seinen Qualitäten vorgeführt: von einem Medium, das feinste Differenzen sichtbar macht, bis hin zur Blendung im gleißenden Gegenlicht. Einige der Aufnahmen aus Venedig hat Hütte auf Spiegelglas drucken lassen, was diese Bilder noch instabiler werden lässt. Durch die Spiegel wird in ihnen die Wirklichkeit gleichsam multipliziert.

Axel Hüttes Fotografien entstehen auf klassische analoge Weise. Zwar werden die Aufnahmen gescannt und für den Druck digital nachbearbeitet, doch beschränken sich diese Eingriffe auf die Helligkeitswerte und Kontraste der Darstellung, ohne das fotografische Abbild in seiner Struktur anzugreifen. Für die erste Ausstellung bei Daniel Marzona hat der Künstler ausschließlich Architekturbilder gewählt, nicht zuletzt als Reaktion auf die Galerieräume, an deren Decke Stuckreste auf ihre Geschichte verweisen und die weißen Wände der Galerie so zu einem Erinnerungsraum für Hüttes Werke werden lassen.

Event Details

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