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Einzelausstellung

»Primitive Acids«

TOUMS

Die Urban Spree Galerie präsentiert „Primitive Acids“, die erste Galerie-Ausstellung des französischen analog-experimentellen Fotografen Thomas Gosset alias Toums in Deutschland. Die Eröffnung findet am 20. Oktober 2017, um 19:00 Uhr in Anwesenheit des Künstlers statt.

Auf seinen Streifzügen zwischen seinem Geburtsort Bordeaux und Berlin definiert Toums ganz beiläufig das Medium der künstlerischen, analogen Fotografie neu, wenn er seine Negative mit Säure, Tinte, Farbe und anderen Materialien attackiert und so mit einer düsteren zeitgenössischen Mythologie paart.

In seiner künstlerischen Praxis und in der Dunkelkammer verbannt er streng alle modernen Techniken und tritt damit in die Fußstapfen der Foto-Pioniere des späten 19. Jahrhunderts und der frühen surrealistische Avantgarde.

Porträts stellen Toums Lieblingssujet dar. Er dekonstruiert diese so lange, bis sie sich in die Vision der Porträtierten verwandeln, die er ihnen zugewiesen hat. Wie ein Deus ex Machina bildet Toums den Menschen mit seiner Kamera ab, um das eigentliche Bild erst durch die Nachbearbeitung zu schaffen.

Völlig respektlos gegenüber dem Medium desakralisiert er es, um in eine neue Bedeutungsebene zu gelangen. Toums Werke wirken wie das Produkt einer ikonoklastischen Fotografie, die von Joel-Peter Witkin, Pierre Molinier oder Roger Ballen entstammen könnte.

Mit der direkten Intervention auf dem Fotofilm, seiner Materia Prima, führt Toums bewusst ein hochgradig instabiles Ergebnis herbei. Die Filme werden in der Dunkelkammer entwickelt und auf Silbergelatine abgezogen, um sie bald daraufhin mit Säure und durch die langsame Korrosion des Materials zu zerstören. Sobald der Film zu Staub wird, verwandeln sich die Porträts in Flüchtige, die ihrem Schicksal und der Vergänglichkeit der gedruckten Dimension entkommen wollen. Es ist kein Zufall, dass Toums neue Mythologie zu Teilen der griechischen Mythologie entspringt.

Ich zerstöre meine eigenen Filme mit der Absicht, in das Herz der Lichtempfindlichkeit einzudringen. Das erlaubt mir eine gewisse Kontrolle über die Realität, die ich zuvor eingefangen habe und dann nach Belieben dekonstruiere. Diese Herangehensweise ähnelt mehr der Malerei und verdrängt den normalen fotografische Praxis mit dem Ziel, mein eigenes Untersuchungsfeld zu erweitern. Auf diese Weise erobere ich meine Freiheit über Imagination und Narration zurück. Seit Jahren versuche ich, diese absurden Momente von Realität festzuhalten.“ (Toums)

Über den Künstler

Thomas Gosset alias Toums, geboren 1983 in Bordeaux. Anfänglich von Albert Bergerets „Les Récréations photographiques“ Ende des 19. Jahrhunderts und der Avantgarde im frühen 20. Jahrhundert inspiriert, reinterpretiert Toums diese ein Jahrhundert später auf subversive, zeitgenössische und surrealistische Weise. Nach Diebstahl und Zerstörung seiner gesamten Werke; Negative, Arbeitsmaterialien und Werkzeuge im Jahr 2013, wird ihm die Fragilität seines Schaffens bewusst. Er beschließt, sich von seiner künstlerischen Praxis bis dato zu befreien und konzentriert sich fortan auf die Erforschung und Reflexion von Bildinhalten und ihrer Genese, die ihn unwillkürlich zur Lichtempfindsamkeit des Materials führen. Das Ergebnis ist eine bildhafte chaotische Fotografie voller tragischer Schönheit, in der ramponierte Körper sich an gesichtslose Seelen reiben. Diese Charaktere offenbaren die unwiederbringlichen Narben, die Toums seinen Negativen hinzufügt, wenn er die Porträts verstümmelt oder neu komponiert.

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Oct 21 — Nov 12, 2017
Opening Reception: Friday, Oct 20, 7 – 11 pm
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Revaler Straße 99, 10245 Berlin
[Friedrichshain | Friedrichshain-Kreuzberg]

Öffnungszeiten: Di-Sa 12-18:30h

Eintritt frei

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