Einzelausstellung

»The Recurring Frequency of a Fading Moment«

Ornella Fieres

Schein und Zeit

In ihrer zweiten Ausstellung bei SEXAUER untersucht Ornella Fieres die erkenntnistheoretische Frage nach dem Bild sowie die Bedeutung der Zeit. Sie spürt den Übergängen von analogen zu digitalen Bildern nach und untersucht den Verlust von Information, der bei dem Versuch entsteht, einzelne Momente festzuhalten. Seit Jahren entwickelt sie hierfür Bild- und Audiotechniken.

Für die Ausstellung The Recurring Frequency of a Fading Moment arbeitete Ornella Fieres mit Fotografie- und Filmmaterial aus den 1940er bis 1970er Jahren. In der Serie „The Essence of a Moment / Fourier“ stellt sie neben eine historische Fotografie deren visualisierte Fourier-Transformation. Mittels dieses Algorithmus werden die Frequenzen analysiert und in einem Koordinatensystem sternförmig dargestellt. Ein mathematischer Fingerabdruck des Bildes entsteht. Durch diese Nebeneinanderstellung zweier Darstellungsformen werden nicht nur die unterschiedlichen Lesarten von Daten verdeutlicht und visualisiert, es wird vielmehr die viel ältere Frage aufgeworfen, was ein Bild eigentlich sei.

Die Serie „The Essence of a Moment / Inverse Fourier“ ist eine Weiterführung der oben beschriebenen Technik. Bei diesen Bildern löscht Ornella Fieres zunächst Daten aus der Fourier-Analyse, danach wird diese in ein Bild rückgerechnet. Ornella Fieres gibt in dieser Serie bewusst Kontrolle ab. Zwar haben einst Menschen die Algorithmen geschrieben, mit denen Computer die Bildinformationen umrechnen, versenden oder komprimieren. Die Anwender haben aber keinen Einfluss mehr auf die Rechengänge. Mit diesem Verzicht auf Beherrschbarkeit experimentiert die Künstlerin in fast alchimistischer Weise. Ihre Arbeiten verweisen auf unser tägliches Ausgeliefertsein an Algorithmen, die uns nicht bekannt sind, die wir nicht verstehen und über die wir keine Macht haben. Der dritte Teil der Ausstellung besteht aus einer Videoarbeit mit drei Bildschirmen, die alte Tonbildaufnahmen zeigen. Bei ihrer Recherchearbeit stößt Ornella Fieres immer wieder auf Ablichtungen von Fernsehbildern aus den 1950er bis 1970er Jahren. Dieser Akt des Festhaltens veranlasste die Künstlerin, selbst alte Dokumentarfilme abzufilmen. Diese Ton- und Bildaufnahmen wiederum verlangsamte Ornella Fieres um ein tausendfaches. Durch die Slow-Motion werden technisch unerklärliche Pixelübergänge sichtbar, gleich geheimnisvollen Artefakten.

Durch ihre Recherchearbeit beschwört Ornella Fieres Augenblicke der Vergangenheit. Wir sehen Menschen, die wir nicht kennen und die wahrscheinlich nicht mehr leben. Durch die Transformation, Dekonstruktion und Manipulation der Informationsträger und Erzählmedien stellen sich die Fragen nach Kontinuität, Abbildung, Wiederholung, Schein, Wahrnehmung, Lesbarkeit, Zeit und Erzählung neu. The Recurring Frequency of a Fading Moment.

10. März — 14. April 2018
Vernissage: Freitag, 9. März, 18-21h
Facebook Event

Streustraße 90, 13086 Berlin
[Weißensee | Pankow]

Öffnungszeiten: Mi-Sa 13-18h, und nach Vereinbarung

Eintritt frei

Weitere Empfehlungen für…
ganz Berlin

Der »PiB Guide«

Entdecke interessante Fotografieausstellungen in Berlin im Nov/Dez 2018 – mit dem neuen PiB Guide Nº21! Diese Ausgabe von PiBs zweimonatlichem Kunstführer ist erschienen als A6 Booklet / 52 Seiten / mit Texten auf Deutsch & Englisch.

PS: Ein Geschenkabo des PiB Guides ist ein ideales Weihnachtsgeschenk! :)
Jetzt bestellen!

PiBs E-Newsletter

Melde dich an für PiBs kostenlosen Email-Newsletter und bleibe auf dem Laufenden in Berlins Fotografieszene! Mit Liebe zusammengestellt, herausgegeben einmal wöchentlich auf Deutsch & Englisch – für eine internationale Leserschaft bestehend aus Fotografieliebhabern, Sammlern, Kuratoren und Journalisten.

Newsletter-Anmeldung

Du & PiB

Erreiche gezielt ein kunst- und fotografieinteressiertes Publikum in Berlin & darüberhinaus – durch die Präsentation deiner Ausstellung/Veranstaltung oder Institution/Produkt/Dienstleistung mit PiB!

Weiterlesen
#Tags zu diesem Artikel:
Suche