Duo-Ausstellung

»WIDERSCHEIN«

Ingar Krauss & Ulrike Mohr

Kuratiert von Harald F. Theiss

Es gibt Orte, in deren besonderer Atmosphäre künstlerische Gesten eine neue Aura aktivieren können. Solch ein Ort ist das nach Plänen Schinkels 1832 erbaute Schul- und Bethaus in Altlangsow, im Oderbruch und am Rande der Märkischen Schweiz gelegen, in dessen Innerem sich dorische Holzsäulen und ein tonnengewölbtes Mittelschiff befinden. Das Schauspiel des wechselnden natürlichen Lichts, das durch getönte Scheiben in den Raum fällt, erzeugt unterschiedliche Stimmungen, die die jeweilige gespeicherte Naturerfahrung in den Kunstwerken von Ulrike Mohr und Ingar Krauss wiederbeleben und ihnen eine Aura des Geheimnisvollen und Authentischen gleichermaßen verleihen. Sie verbindet nicht nur das Naturthema und die Verwandtschaft ihrer Ausgangsmaterialien, sondern auch eine ähnliche Arbeitsweise. Nur auf den ersten Blick unterscheidet sich das bildnerische Ergebnis, bedingt durch die Wahl des künstlerischen Mediums: aus Ingar Krauss’ inszenierter Fotografie entwickelt sich in Zeitzyklen eine Erzählung und Ulrike Mohr nennt ihre oft mehrteilig komponierten Installationen aus geköhlerten Objekten ortsspezifische Raumzeichnungen. Beide erweitern, transformieren oder arrangieren ihr Bildmaterial zu neuen natürlichen Wesensformen. Es sind die Begegnungen mit der Landschaft als gestaltetem Raum und die dort vorgefundenen jahreszeitlichen Naturformen und -phänomene, die sie in visuell verwandte Bilder übertragen. Beide Werkkomplexe manifestieren sich am Ausstellungsort in unterschiedlich fragilen Formen. Den Künstlern geht es weniger um Naturstudien oder um genaue Darstellungen von gegebenen Naturräumen – es sind auch keine Zustandsberichte. Über künstlerische Mittel befragen sie vielmehr persönliche Naturmythen sowie die Ausprägungen menschlicher Naturaneignung und transportieren dabei eine eigene Wirklichkeit, die zum einen aus der Beobachtung und zum anderen aus der Auswahl und Behandlung ihrer Materialien gespeist ist. Ihre Arbeitsweise ist geprägt vom Interesse an der Materialität und Haptik der natürlichen Oberflächen und Texturen in einem körperlich spürbaren Wechselspiel zwischen dem, was war, ist und wieder sein wird. Es sind veränderliche, naturräumliche Prozesse einer noch ungeklärten Bedeutung, die am Ausstellungsort in ein poetisches Verhältnis gesetzt werden, das möglicherweise als eine zeitgenössische bildnerische Form der Naturlyrik gelesen werden kann.

Text von Harald F. Theiss

Begleitprogramm

Samstag, 11. Juni 2022, 15 Uhr
Vernissage
Worte: Eugen Blume
Musik: Rosa Díaz Cotán, Harfe

Sonntag, 12. Juni 2022
15 Uhr: Ausstellungsrundgang
Mit Ulrike Mohr und Ingar Krauss.
17 Uhr: Jazzkonzert
Konzert im Garten mit BARIONDA, Italien (vier Baritonsaxophone und Schlagzeug).

Sonntag, 26. Juni 2022, 17 Uhr
Lesung und Gespräch
Naturkunden. Lesung und Gespräch mit Petra Ahne und Eckhard Fuhr (Matthes & Seitz):
Kulturlandschaft mit Wolf und Lamm
Was ist eine gute Naturkunde? Wie lassen sich unsere Naturverhältnisse beschreiben? Im Berliner Verlag Matthes & Seitz erscheinen seit 2013 die Bücher der Naturkunden-Reihe, die den Menschen auf eine neue Weise ins Verhältnis zur Natur setzen, und die auch zeigen, dass Tiere und Pflanzen eine Kulturgeschichte haben, dass sie sogar Akteure der Kulturgeschichte sein können.  Petra Ahne und Eckhard Fuhr, zwei Autoren der Naturkunden, sind am Sonntag, dem 26. Juni um 17 Uhr zu Gast im Schul- und Bethaus Altlangsow. Im Gespräch mit dem Kulturwissenschaftler Lars Fischer vom Oderbruch Museum Altranft werden sie ihre Bücher über Wölfe und Schafe vorstellen und von persönlichen Naturverhältnissen erzählen. Der Eintritt ist frei.
Wölfe und Schafe – ein im europäischen Denken tief verankerter Gegensatz von Natur und Kultur. Sie stehen für Wildnis oder Weideland, verheißen ein ungezähmtes oder behütetes Leben. Die Rückkehr der Wölfe nach Mitteleuropa führt nicht nur zu neuen Konflikten mit Schäfern und Jägern, sie stellt unser Verhältnis zur Natur grundsätzlich in Frage. Wieviel Raum gestehen wir der Natur um uns und in uns zu? Wie weit kontrollieren wir sie oder sie uns? Wie nutzen und schützen wir ihre Ressourcen? Und was verdankt der Mensch dem Schaf?
Eckhard Fuhr, geboren 1954, war politischer Redakteur bei der FAZ und arbeitete als Feuilletonchef und Kulturkorrespondent für Die Welt. 2017 erschien bei Matthes & Seitz sein Buch Schafe. Ein Portrait, 2019 seine Jagdkunde. Er ist aktiver Jäger und stellvertretender Vorsitzender des Ökologischen Jagdvereins Brandenburg.
Petra Ahne, 1971 in München geboren, ist Redakteurin im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und widmet sich dort vor allem dem Thema Natur. In der Reihe Naturkunden sind von ihr die Bücher Wölfe (2016) und Hütten. Zwischen Sehnsucht und Obdach (2018) erschienen.

Sonntag, 10. Juli 2022, 15 Uhr
Führung
Mit dem Kurator Harald F. Theiss und den Künstler*innen.

Samstag, 20. August 2022, 16 Uhr
Gespräch
Von der Landschaft lernen. Über die natürliche Wirkung von Kunst als ästhetische Erfahrung. Harald F. Theiss und Tereza de Arruda im Gespräch.

Sonntag, 21. August 2022, 15 Uhr
Lesung und Gespräch
Natur im Sinn. Lesung und Gespräch über Brennesseln und Nature Writing mit Prof. Ludwig Fischer (Matthes & Seitz).

Die Ausstellung WIDERSCHEIN wird gefördert von der Stiftung Kunstfonds, NEUSTART KULTUR und dem Oderbruch Museum Altranft.

11. Juni — 28. Aug 2022
Vernissage: Sa, 11. Juni, 15 Uhr
+ Begleitprogramm: bitte siehe oben

Altlangsow 11 · 15306 Seelow
[Landkreis: Märkisch-Oderland | Bundesland: Brandenburg]

Öffnungszeiten (Ausstellung & Café): Sa & So 13 – 18 Uhr

Eintritt frei

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