Philipp, 2016 © Loredana Nemes

Einzelausstellung

»Nadelstreifen – Pinstripe«

Loredana Nemes

Vernissage: Donnerstag, 8. September 2016, 19h
Ausstellung: 9. September – 19. November 2016
Artist Talk mit Dr. Stefan Gronert (Sprengel Museum Hannover): Freitag, 21. Okt 2016, 18h
Öffnungszeiten: Di-Sa 12-18h, und nach Vereinbarung
Eintritt frei

Beschreibung

Am 8. September 2016 eröffnet die neue Einzelausstellung „Nadelstreifen – Pinstripe” der Berliner Fotografin Loredana Nemes um 19:00 Uhr in der Galerie Podbielski Contemporary am Koppenplatz in Mitte.

In der 2015 und 2016 entstandenen Portraitreihe widmet sich die aus Rumänien stammende Künstlerin Loredana Nemes einer Berufsgruppe, die ihr persönlich zwar nicht bekannt ist, die jedoch, bedingt durch wirtschaftspolitische Entwicklungen der letzten Jahre wiederholt in den Fokus der Massenmedien rückte und deren Image derart negativ besetzt ist, dass sich für Nemes ein genaues Hinschauen lohnte: Den Bankern.

Banker sind mächtig. Sie treffen Entscheidungen, die die Welt beeinflussen und sie sind, zumindest in den höheren Positionen, durchweg Männer. Als künstlerischen Ansatzpunkt wählte die Fotografin ein scheinbar gleichförmiges aber aus fotografisch-künstlerischer und gesellschafts-historischer Perspektive gleichsam spannendes Utensil: Die Berufsuniform der Banker, den Anzug.
Während ihrer Arbeit in den Banktowern in Frankfurt am Main begegnete Loredana Nemes dieses symbolbehaftete Kleidungsstück in verschiedensten Varianten – das kollektive Erscheinungsbild im Bankenviertel stand damit in deutlichem Kontrast zum nur wenige Meter weiter sichtbaren Kleidungsrepertoire im Frankfurter Bahnhofsviertel.

Der Anzug, so wie wir ihn heute kennen, entwickelte sich im letzten Drittel des neunzehnten Jahrhunderts in Europa zum professionellen Kostüm der herrschenden Klasse. Beinahe so anonym wie eine Uniform, war er das erste Kostüm, das eine ausschließlich ruhende Machtausübung idealisieren sollte: die Macht des Administrators und des Konferrenztisches. Der Anzug war im wesentlichen für die Gesten des Sprechens und abstrakten Kalkulierens gemacht. (…) Er war ein Kleidungsstück, das kräftige Bewegungen hemmte, ja, das von Bewegung eher zerknittert, verbeult und verdorben wurde.“
(John Berger, „Der Anzug und die Photographie”)

Eben diesem Verknittern und Verderben wendet Nemes sich zu, den Spuren des Individuellen, des Menschlichen, die insbesondere eben das Bankenbusiness eigentlich zu kaschieren sucht. Mit ihrer Inszenierung steigert Nemes diesen Abnutzungsprozess ins Absurde, erhöht ihn zum Dialogsmittel selbst. Dem Kleidungsstück der Macht haftet nun Religiöses an oder Politisches oder es wird Attribut eines Portraits der Rennaissance.

“Nadelstreifen – Pinstripe” ist eine haptische Arbeit, in der die Masche des feinen Stoffes Berührung einfordert, bis das sture Kleidungsstück gehorcht und zur Skulptur wird, einem Gebilde, das für den Träger gemacht scheint und das dieser mit stoischer Selbstverständlichkeit trägt, als hätte es nie eine andere Art des Tragens gegeben.

Part of the EMOP Berlin 2016 – European Month of Photography Berlin 2016. Discover more Festival highlights on PiB under the tag #EMOP Berlin 2016!

Teil des EMOP Berlin 2016 – Europäischer Monat der Fotografie Berlin 2016. Entdecke weitere Festival-Highlights auf FiB unter dem Tag #EMOP Berlin 2016!

Event Details

Philipp, 2016 © Loredana Nemes
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Koppenplatz 5, 10115 Berlin, Germany

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