#PiBinterview

7 FRAGEN AN…
Susa Templin

PiB Interview Nº9 | Juni 2018

Viel Vergnügen mit dem #PiBinterview Nº9, diesmal mit »7 Fragen an…« die Künstlerin Susa Templin!

PiB: Liebe Susa, magst du dich kurz vorstellen?

ST: Ich bin Susa Templin, Künstlerin, die analog mit dem Medium Fotografie arbeitet. Es entstehen fotografische Hand-Abzüge, aus Fotografien gebaute Modelle und, schlussendlich, große Rauminstallationen aus Fotografien.

Studiert habe ich an der Städel Schule in Frankfurt/Main und an der Hochschule der Künste in Berlin. Nach Abschluss des Studiums bin ich mit dem Stipendium der Hessischen Kulturstiftung nach New York gegangen, wo ich fast 10 Jahre gelebt habe. Seit einigen Jahren lebe ich in Berlin, wo es für mich die besten Produktionsbedingungen gibt: zum Beispiel ein großes analoges Farblabor, dass ich mir mit guten Leuten teile. Zur Zeit bereite ich eine Einzelausstellung in der Dorothée Nilsson Gallery vor, die am 29.6.2018 eröffnen wird.

Wenn ich meine Arbeit mit ein paar Worten zusammenfassen würde, wäre es etwa so: Ich vermesse mit klassisch analogen Mitteln die Parameter des Mediums immer wieder neu, um das Paradoxon der Fotografie mit fotografischen Mitteln aufzuheben: das Verhältnis von Raum und Fläche. Meine eigenen Aufnahmen von Architekturen und Innenräumen sind mein Material. Sei es als „nichts als Bilder“ zeigende Aufnahmen, sei es als Bausteine skulpturaler Räume aus Bildern, die mir dann wieder Motive für neue Bilder liefern.

PiB: Wie & wann kamst du zur Fotografie, und was bedeutet Fotografie für dich?

ST: Ich habe, ganz bilderbuchmässig, schon als Kind fotografiert. Mit 10 habe ich mit meinem Taschengeld meiner großen Schwester die Kamera abgekauft – und dann gab es kein Halten mehr. Für mich bedeutet Fotografie, dass ich, genau wie ein Maler, meine eigene Welt aus und in Bildern entstehen lassen kann. Mit der Kamera kann ich alles, was ich denke, plane oder empfinde, in Bildern umsetzen. Deshalb war für mich immer klar, dass ich an einer Kunstakademie studiere, um Themen wie Inhalt und Reflexion des Mediums in den Vordergrund zu stellen. Die technische Perfektion in der Fotografie, „welche Kamera benutzt Du denn und welcher Film ist der Beste“, all das finde ich eher nebensächlich – es geht mir immer um Inhalte.

PiB: Woran arbeitest du aktuell, und hast du bereits ein zukünftiges Projekt geplant?

ST: Aktuell arbeite ich an sehr grossen mehrschichtigen Bildern, die frei vor der Wand hängen. So eine Art „Foto-Kubismus“ :-) . Aber ich verfolge in dem Sinne keine „Projekte“ – ich arbeite eher „immer weiter“. Es gibt ein paar Grundthemen in meiner Arbeit, und die verfolge ich auf unterschiedliche Weise mit den unterschiedlichen Mittel, die mir innerhalb der Fotografie zur verfügung stehen, immer weiter. Raum ist eines meiner zentralen Themen. Wie empfindet man Raum, wie bildet man Raum ab? Wie geht das mit der Fotografie, die ja alles erst die Dreidimensionalität in die Fläche bringt, alles auf ein Bild „quetscht“.

PiB: Wer – oder was – inspiriert dich?

ST: Am meisten inspiriert mich die Zeit im Atelier und die physische Arbeit mit „Material“. Die eigenen Bilder richtig anschauen, und dann herausfinden, was sie sozusagen „wollen“, wie sie in den Raum gesetzt werden wollen, welche Grössen, welche Farben, etc – also Zeit mit der Arbeit zu verbringen, das führt mich auf die meisten Gedanken und Idee.

PiB: Worauf freust du dich?

ST: Im Moment freue ich mich darauf, meine Vorstellung von raumhohen übereinander liegenden, durchscheinenden Fotografien „real“ werden zu lassen. Das wird aufregend und schön auch.

PiB: Wenn du finanziell völlig unabhängig wärst, würde sich dein Leben bzw. fotografische/berufliche Arbeitsweise dann verändern und inwiefern?

ST: Ich glaube, ich hätte dann ein-zwei Mitarbeiter, Assistenten, mit denen ich an den Raum-Installationen arbeiten würde. Es braucht mehrere Hände für grosse Arbeiten, und die will man ja anständig bezahlen. Also würde sich inhaltlich nichts verändern, nur die Ausführung würde im Team entstehen.

PiB: Bietet Berlin für dich ein gutes Umfeld, um im künstlerischen Bereich tätig zu sein – und wie schätzt du die zukünftige Entwicklung ein?

ST: Ja, Berlin bietet für mich ein gutes Umfeld: ich teile mir mit 15 Leuten ein analoges Farblabor, wo ich meine Bilder vergrössere. Es gibt die Druckwerkstatt in Kreuzberg, wo ich grosse Arbeiten machen kann. Ich arbeite mit einer Galeristin, Dorothée Nilsson, mit der ich mich inhaltlich und menschlich sehr gut verstehe. Das ist wichtig für die Energie, damit man die Lust bekommt, sich Wahnsinn auszudenken ;-) und den dann umzusetzen.
Die zukünftige Entwicklung der Stadt sehe ich nicht mehr ganz so toll, wie ich es vielleicht vor 10 Jahren gedacht hätte: es wird ja einfach immer teurer hier in Berlin, ohne das die Stadt gut funktionieren würde. Also die Mieten steigen, die Künstler müssen an den Stadtrand, aber es gibt nicht so ein gewachsenes kunstinteressiertes Bürgertum, wie zum Beispiel in Frankfurt, das wirklich tiefes Interesse für Kunst hat.

PiB: Mit welcher Kamera/Ausstattung/Film fotografierst du am liebsten?

ST: Ich arbeite analog. Das heißt, ich vergrössere meine Fotografien im Farblabor selber. Zum Fotografieren verwende ich eine 6×6 Rolleiflex. So eine Kamera, durch die man von oben hineinschaut, vorn mit den 2 Objektiven. Für mich ist das schon der erste Schritt in meine eigene Welt, wenn ich durch die Kamera schaue: die Rollei bildet die Realität spiegelverkehrt ab. Man muss sich also erst mal zurecht finden, beim Blick durch die Kamera.

PiB: Herzlichen Dank, Susa, für diesen spannenden Einblick in deine Arbeit!

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Der PiB Guide Nº19 | Juli/August 2018 © PiB – Photography in Berlin. #pibguide. COVER FOTO: Wim Wenders, reluctant, unknown photographer, 1971 © Wim Wenders, Courtesy Wim Wenders Stiftung. Ausstellung »Wim Wenders . Sofort Bilder« bei C/O Berlin, Vernissage: Freitag, 6. Juli 2018, 19 Uhr.

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