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#PiBinterview

7 FRAGEN AN…
Bastian Thiery

PiB Interview Nº14 | Juni 2020

Viel Vergnügen mit dem #PiBinterview Nº14 in der Reihe »7 Fragen an…«, diesmal mit dem Fotografen Bastian Thiery!
(Editor’s note: This interview is also available in English here on PiB!)

PiB: Herzlich willkommen, Bastian! Könntest du dich bitte kurz vorstellen?

Bastian Thiery (BT): Mein Name ist Bastian Thiery und ich bin ein in Berlin lebender Fotograf. Meine persönliche Arbeit liegt an der Schnittstelle zwischen dokumentarischer und künstlerischer Fotografie. Ausgehend von Bildern, die ich in der wirklichen Welt finde, erzähle ich fiktive Geschichten. Mein im Selbstverlag veröffentlichtes Buch ‚Humpelfuchs‚ erzählt die Geschichte eines nächtlichen Spaziergangs durch Neukölln auf der Suche nach einem Fuchs. ‚Humpelfuchs‘ gewann den 2. Preis des Vonovia Award für Fotografie und hätte im Mai in der Landesvertretung Niedersachsen gezeigt werden sollen. Die Ausstellung musste leider aufgrund der Covid-19-Pandemie abgesagt werden.

PiB: Wie/wann kamst du zur Fotografie, und was bedeutet Fotografie für dich?

BT: Mit der Fotografie kam ich zum ersten Mal in Berührung, als ich nach New York zog. Damals arbeitete ich als Model und fotografierte auf meinen Reisen, die ich dann auf Instagram teilte, welches zu dieser Zeit populär wurde. Mein Vater sah meine Fotos und schenkte mir eine alte Nikon, die in der Schule in der er arbeitete ausgemustert wurde. Das Modeln in New York klappte nicht wie erwartet, also nutzte ich die freie Zeit, um mit der Kamera und dem Arbeiten in der Dunkelkammer zu experimentieren. Ich merkte, dass es mich reizt, Fremde zu fotografieren, aber auf eine unaufdringliche Art und Weise, eher so, als würde ich ein schnelles Porträt auf der Straße improvisieren. Es war so besonders für mich (und ist es immer noch), nicht nur die Welt um mich herum auf eine völlig neue sensorische Weise zu erleben, sondern auch meine Empfindung auf ein Bild zu übertragen. Ein Freund empfahl mir eine Vorlesung an dem ICP, wo ich von der Kooperation mit der Ostkreuzschule hörte. Ich vermutete, dass die beiden Kellnerjobs, die ich zur Finanzierung meiner Ausbildung in New York hätte machen müssen, nicht viel Platz zum Fotografieren gelassen hätten, also zog ich zurück nach Berlin, um an der Ostkreuzschule zu studieren, was sich als genau die richtige Entscheidung für mich herausstellte.

PiB: Bietet Berlin für dich ein gutes Umfeld, um im künstlerischen Bereich tätig zu sein – und wie schätzt du die zukünftige Entwicklung ein?

BT: Manchmal frage ich mich, ob das Leben in Berlin im Vergleich zu New York oder London nicht etwas zu bequem ist. Es gibt und gab Chancen für eine stärkere Kreativwirtschaft, die in Berlin wächst, aber ich sehe sie nicht im gleichen Ausmaß wie in London oder New York. Ich glaube, dass die Stadt (d.h. Verwaltung und Wirtschaft) das kreative Potenzial manchmal nicht ganz versteht und unterstützt. Aber wenn ich an New York oder London denke, denke ich auch an den Struggle in diesen Städten, den ich persönlich an einem Punkt nur ermüdend finde. Letztendlich ist es das, was man daraus macht. Ich liebe Berlin wegen seiner versteckten Magie, und ich finde die Fotografie- und Kunstszene zwar etwas abgeschottet, aber voll von Ambitionen und inspirierenden Charakteren.

PiB: Könntest du bitte eines deiner Fotos auswählen und die Geschichte dazu erzählen?

BT: Ich habe dieses Bild gewählt, weil es das eine Foto von mir ist, das bei den meisten Kindern Interesse weckt und die Leute zum Lachen bringt. Es ist Teil von ‚Humpelfuchs‘ und zeigt Lotti, die die Bar „Stammtisch“ in der Weserstraße beaufsichtigt. Im Winter liegt sie immer im Fenster, wenn sie geöffnet haben, und freut sich (auf freundliche Art und Weise) über jeden Besucher. Auf diesem Stuhl sitzt sie den ganzen Sommer über, und ich habe eine ganze Menge Bilder von ihr in verschiedenen Posen, alle recht menschlich, manche leger, manche frech, aber keines zeigt sie so mürrisch wie dieses.

PiB: Ist das Medium Fotobuch wichtig für dich – wenn ja warum, und welche Fotobücherhaben dich am meisten geprägt?

BT: Ich denke viel über die Narration in Fotobüchern nach, und wie begrenzt sie im Vergleich zum Film erscheint, aber auch wie viel Freiheit sie bietet, ein neues Verständnis des Themas zu schaffen. Ich liebe es, wie Fotobücher die Betrachter herausfordern, die Arbeit mit ihrer eigenen (visuellen) Wahrnehmung zu ergänzen. Eine Arbeit, die nur an der Wand präsentiert wird, berührt mich oft nicht so sehr wie ein Fotobuch. Vielleicht, weil Fotobücher einem so viel Zeit geben, wie man braucht, um die Geschichte im Kopf zu entwickeln? Meine aktuellen Allzeit-Favoriten sind ‚Ravens‘ von Masahisa Fukase, ‚Vinter‘ von Lars Tunbjörk und ‚ZZYXZ‘ von Gregory Halpern. Das erste Fotobuch, das ich gekauft habe, war ‚Exploding into Life‘ von Eugene Richards, und das letzte, das ich gekauft habe, war ‚Girl Pictures‘ von Justine Kurland.

PiB: Wovor hast du Angst?

BT: Wie das Internet uns daran hindert, wirklich miteinander in Verbindung zu treten und unterschiedliche Haltungen zu akzeptieren. Wie wir nicht nach etwas außerhalb unserer Bubbles suchen, sondern nur noch das präsentiert bekommen, was unser Weltbild festigt.

PiB: Welchen Ratschlag würdest du einem Fotografen am Beginn seiner/ihrer Laufbahn geben?

BT: Vielleicht sollte ich keinen Rat geben, da ich selbst am Anfang meiner Karriere stehe. Aber ich denke es ist sehr wichtig, einen Raum zu finden oder zu schaffen, in dem es möglich ist Fehler zu machen. Das war für mich der wichtigste Aspekt des Studiums, zu experimentieren, zu scheitern und einen neuen Ansatz zu entwickeln.

PiB: Woran arbeitest du aktuell, und hast du bereits ein zukünftiges Projekt geplant?

BT: Die zwei Monate des Lockdown haben mir genau die Freiheit und die Unruhe gegeben, die ich brauchte, um wieder damit zu beginnen, meine Umgebung fotografisch zu erkunden. Meine persönliche Arbeit ging im Jahr nach meinem Abschluss ein wenig unter, da ich mich hauptsächlich auf die Arbeit an Editorials konzentrierte. Ich habe wieder angefangen Fremde zu fotografieren, und fand sie genauso hungrig nach Resonanz wie mich selbst.

PiB: Ganz herzlichen Dank für dieses spannende Interview, Bastian!

Anm. d. Red.: Die gesamte Interviewreihe mit allen 4 Preisträger*innen des »Vonovia Award für Fotografie 2019« gibt es hier auf PiB: Mona Schulzek, Bastian Thiery, Theodor Barth, Marlene Hoberger.
Die Anmeldefrist für den Vonovia Award für Fotografie 2020 endet am 30. Juni 2020.

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