OKS Seminar Linn Schröder C/o Alte Feuerwache | »Don’t Forget Me Not«

Gruppenausstellung

»Don’t forget me not«

Abschlussausstellung, Seminar Linn Schröder | Ostkreuzschule für Fotografie:

Tina Bauer, Tilman Brembs, Kattrin Faber, Judith Horn, Diana Juneck, Ania Kaszot, Alexander Klang, Irina Kholodna, Gunnar Krüger, Carola Lampe, Patricia Morosan, Melina Papageorgiou, Linn Schröder, Jessica Wolfelsperger, Martina Zaninelli

In Athen stellen zudem aus:

Stefanie Reichelt, Kerstin Hehmann, Marie Zbikowska

Ausstellung BERLIN:
Vernissage: Freitag, 5. Mai 2017, 19h
Finissage: Samstag, 3. Juni 2017, 17h
Ausstellung: 6. Mai – 6. Juni 2017
Öffungszeiten: Di-Do 11-17h, Fr-So 12-20h
Eintritt frei

Beschreibung

Zeit lässt sich nicht aufhalten, noch nicht einmal festhalten, oder doch? Die Sehnsucht nach der stillgestellten Zeit, der verlorene Augenblick und die Feier des Momentes waren die geistigen Paten der Fotografie. Und Fotografie nahm den Auftrag dankbar an. Sie materialisiert den Augenblick zur Erinnerung, wo doch nur Realität war. Was aber erinnern wir wirklich? Was zeigen uns die Bilder? Die Kluft besteht fort und ist das Thema dieser Ausstellung. Sie beschreibt die prekäre Stellung der Fotografie zwischen Erinnerung und Wirklichkeit, zwischen Vergessen und Vergangenem. Und thematisiert ganz nebenbei die Wandlung von der Sehnsucht nach der stillgestellten Zeit zur Sehnsucht moderner Prägung.

Nach Berlin geht die Ausstellung auf Wanderschaft nach Griechenland und Italien – weitere Ausstellungstermine sind:

ATHEN, Gallery metamatic:taf
5 Normanou Str. / 105 55 Athen (Stadtteil: Monastiraki) 
www.theartfoundation.metamatic.gr
Vernissage: 27. Juni 2017, 20:30h
Ausstellung: 28. Juni – 1. Juli 2017
Öffnungszeiten: Mo-Sa 12-21h, So 12-19h

Bozen, Foto-Forum
Via Weggensteinstraße 3F / 39100 Bozen
www.foto-forum.it
Vernissage: 16. September 2017, 11h
Ausstellung: 17. September – 14. Oktober 2017
Öffnungszeiten: Di-Fr 15-19h, Sa 10-12h

Tilman Brembs
Insight – Outside (2014 – 2016)

Das Fenster als Verbindung von außen und innen: Es gewährt Einblick in den sonst verschlossenen Raum, in die Privatsphäre anderer Menschen, von dort aus gibt es wiederum den Blick auf die Welt frei, auf Passanten, auf das Leben, das außerhalb der Wände stattfindet. In seiner neuen Serie „Insight – Outside“ nimmt sich der Berliner Fotograf Tilman Brembs dieses physische wie symbolische Wechselspiel vor – über den Zeitraum mehrerer Jahre hinweg sind solche Einblicke sowie Aussichten entstanden, auf deren Doppeldeutigkeit Brembs bereits im Titel anspielt. Was all den Fotografien gemein ist: Sie sind Ausschnitte innerhalb von Ausschnitten einer Welt. Sie werden Schnitt- und Treffpunkt, inszenieren den Kontakt von innen zu außen und initiieren zugleich eine Kommunikation zwischen der Fotografie und seinem Betrachter. Dieser wird ohne sein Zutun zum Bestandteil des Bildraumes – zur Rückenfigur, jener romantischen Sehnsuchtsperspektive von der Innen- auf die Außenwelt. Wahrte der Betrachter dort jedoch noch seine passive Distanz des Voyeurs, verschmilzt nun die Perspektive: Er wird zum doppelten Betrachter – des Bildes sowie des Bildes im Bildes.
www.tilmanbrembs.de
www.zeitmaschine.org

Tina Bauer
Lost in Change

Wir hinterlassen Spuren. Spürbare – sichtbar und unsichtbar. Sarah wohnt in einem alten Haus, mitten in der Stuttgarter Innenstadt. Allein. Nach und nach waren alle Nachbarn ausgezogen oder sind verstorben. Zurückgelassen sind einzelne Möbel, Bilder, Bücher. Die Wohnungen sind nicht wieder vermietet. Sarah hat sich manche erschlossen, probt dort mit ihrer Band, feiert mit Freunden. Wie ist es, in einem leeren Haus alleine zu wohnen? Gegenwart und Vergangenheit vermischen sich. Die Atmosphäre ist faszinierend und seltsam zugleich. Die zurückgelassenen Gegenstände erzählen Geschichten. Erinnerungen von Vergangenem. Im Hier und Jetzt eine junge Frau. Dazwischen. Eine Momentaufnahme.
www.tibauna.de

Kattrin Faber
Sechs Jahre ein Zuhause

Ich habe es bereits gesagt und ich werde es immer wieder sagen. Es gefällt mir hier. Es gefällt mir mehr, als Worte sagen können. (Bill Bryson, Notes from a Small Island)
www.kattrin-faber.de

Judith Horn
OMA

Es ist Sommer. Ich sitze rechts hinter ihr, beobachte sie, höre ihr zu. Sie erzählt von früher, als sie dachte, dass sie aus dem Zug nicht mehr aussteigen würde, als sie ausstieg und das Meer roch, wie sie als kleines Mädchen im Wald Sanddorn pflückte. Ich schließe die Augen und höre Ihre Stimme, begleitet von klassischer Musik aus dem Radio. Sie summt dazu. Vor 80 Jahren wurde meine Insel ihr neues Zuhause. Sie richtete sich ein, verliebte sich. Aus dem kleinen Mädchen wurde meine Oma. Ohne sie wäre ich nicht hier.
www.judithhorn.de

Ania Kaszot
Ein Wunsch frei

Ein Vater und seine Tochter.
Er holt ihr die Sterne vom Himmel.
Sie versetzt für ihn Berge.
Nur ein kleines Stück vom Glück.
Und alle Wünsche bleiben offen.
www.aniakaszot.de

Diana Juneck
Walking on the moon

Vor einiger Zeit traf sie eine Entscheidung, die ihr Fühlen und Denken veränderte. Viele Male am Tag, überall auf der Welt und ich weiß nicht wie oft genau pro Tag, müssen die Menschen Entscheidungen treffen. Manchmal aber ist es eine Entscheidung, die dein Leben verändert, eine Entscheidung die du treffen musst – es gibt keinen anderen Weg. Du weißt was ich meine – du weißt, wie es sich anfühlt! Gedanken und Gefühle streifen herum und wirbeln umher. Blumen fliegen, schweben und bedecken deinen Körper und vernebeln dir die Sinne. Du legst dich hin, aber es ist anders – es ist uneben und rau und unangenehm und es schmerzt. Du fühlst den Druck in deinem Kopf, in den Augen, in deinem Herzen und im Magen. Es ist unmöglich zu Schlafen, du drehst dich von einer Seite zur Anderen. Du weisst, dass du dich entscheiden musst. Es gibt keine andere Möglichkeit – du bist schon mittendrin, im Prozess des Abwägens. Du tauchst ein in dein Innerstes. Du lässt dich treiben – gefolgt von dem zarten und sanften Tod sowie dem wilden, und mitreißendem Leben. Du realisierst, dass du nur diese beiden Optionen hast. Gedanken und Gefühle kommen und gehen, verschwimmen, gleiten schwerelos im Raum und die Zeit drängt und drückt von hinten. Die Grenzen sind offen und alles strömt zusammen. Emotionale und rationale Wellen vermengen sich, du weißt nicht, welchen Schritt du als nächstes zu nehmen hast und in welche Richtung du gehst. Kopflos und von Sinnen – pass auf dich auf, verliere dich nicht. Das ist der Punkt der keine Rückkehr duldet. Sie erinnerte sich, das sich dieser Entscheidungsprozess wie: „walking on the moon“ anfühlte.
www.diana-juneck.de

Irina Kholodna
Pictures for Alice

Alice fing an sich zu langweilen; sie saß schon lange bei ihrer Schwester am Ufer und hatte nichts zu tun. Das Buch, das ihre Schwester las, gefiel ihr nicht; denn es waren weder Bilder noch Gespräche darin. `Und was nützen Bücher’, dachte Alice, `ohne Bilder und Gespräche?‘
www.irinakholodna.de

Alexander Klang
Zwei. Eine Stunde.

www.alexanderklang.com

Gunnar Krüger
Weggeträumt…

Patenkind. Selten sehen wir uns, aber Du bist immer da. Jedes Mal, wenn ich Dich besuche, wünsche ich mir, Du könntest an einem anderen Ort aufwachsen. Dann sehe ich Dich und Deine Freunde, wie Ihr in Eure eigene kindliche Welt eintaucht. Beruhigt und zugleich besorgt kehre ich heim.
www.gunnarkrueger.com

Carola Lampe
Beyond Control

In unserer Gesellschaft scheint ein Umbruch stattzufinden. Selbstverständlichkeiten sind nicht mehr unbedingt selbstverständlich. Es existieren Parallelwelten, die zwischen Fakten und gefühlten Wahrheiten changieren. Gefühlt nehmen Aggressivität, Gewalt und Unsicherheiten zu. Unter der Oberfläche brodelt es. In dem Projekt “Beyond Control” bewege ich mich zwischen Kontrolle und Kontrollverlust, versuche das Gefühl von Macht und Ohnmacht auszuloten.
www.carolalampe.com

Martina Zaninelli
SOUND OF SILENCE

Mein Großvater hat nie erzählt und niemand hat Fragen gestellt. Mit dem Projekt Sound of silence versuche ich, vergeblich, das familiäre Schweigen über den zweiten Weltkrieg, als persönliche Erfahrung, zu brechen und eine Dialog zwischen Vergangenheit und Gegenwart aufzubauen.
www.martinazaninelli.com

Patricia Morosan
Re/turn

…als du Kind warst, da waren wir glücklich, als du glücklich warst. Und wir waren traurig, als du traurig warst. Jetzt, wo du erwachsen bist und weit weg, wissen wir nichts mehr über dein Glück oder deinen Schmerz. Aber du bleibst, für immer das Kind. Alles Liebe, Mama & Papa Re/turn ist ein Multimediaprojekt, das Besuche und Momente bei und mit meinen Eltern reflektiert. Durch das Wiederauslösen von Erinnerungen aus der fernen Vergangenheit und dabei der Schaffung neuer Erinnerungen innerhalb der Reflektion versuche ich ein imaginäres Gedächtnis zu visualisieren: meine Eltern,und mich in der Gegenwart. Augenblicke, die der Vergangenheit und der Angst vor einer Zukunft in Abwesenheit zu entfliehen versuchen. In „Re/Turn” habe ich eine Art von Vergangenheit wachgerufen und zugleich eine Art von Zukunft festgehalten: zwischen diesen beiden Polen bewege ich mich dabei – wie auf einer Wippe von einem Pol zum anderen fallend. Es gibt für immer diese kleinen intimen Bilder, die meine Erinnerung bewohnen, sie wachrufen und damit meiner Identität ein Wesen geben: die Bäume, die entlang der Straßen in meiner Heimatstadt in einem eigenartigen Rhythmus gepflanzt sind, der Fernseher im Wohnzimmer meiner Großmutter, die Intimität meiner Eltern, der Spielplatz hinter den kommunistischen Blocks, der Garten meiner Mutter, das Telefon im Büro meines Vaters… Kleine Dinge. Erinnert, vorgestellt oder vergessen – all dies prägt das Imaginäre meiner Identität und prägt mein Gedächtnis in unendlicher Wiederkehr.
www.patriciamorosan.com

Melina Papageorgiou
BUMERANG

Wir leben vorwärts und verstehen rückwärts. Das heißt: wir vergessen und erinnern in neuen Räumen: in Zukunft und Vergangenheit. Wolfgang Eirund und Joachim Heil: „Wie ist es, wenn es war“ – Erinnern und Vergessen. Im Erinnern erzählen wir uns unsere eigene Geschichte. Mit jedem Erinnern erschaffen wir sie neu, vergewissern uns unserer selbst im Jetzt, indem wir uns in der Vergangenheit verorten. Jedes erneute Erinnern kann diese Orte verändern, manchmal kaum wahrnehmbar. Wie findet ein Vogel seinen Weg? Ist es Instinkt oder Erinnern? In Abu Dhabi, wo diese Serie entstanden ist, genießt der Falke eine hohe Wertschätzung. Über Jahrhunderte war es bei den Beduinen in den Vereinigten Arabischen Emiraten Tradition, Falken auszubilden, um so in der Wüste Nahrung zu finden. Der Falke war nicht nur ein domestiziertes Tier, das einen Zweck zu erfüllen hatte, sondern wurde wie ein Familienmitglied geachtet. Wenn ein Falkner einen Falken ausbildet, ist es das Wichtigste, dass der Vogel seinem Halter absolut vertrauen kann. Zu jedem Zeitpunkt muss der Falkner darauf achten, dass das Tier ihm gegenüber keine Angst verspürt. Er geht behutsam mit seinem Falken um, besonders wenn er ihm die Haube aufzieht.
www.melinapapageorgiou.com

Jessica Wolfelsperger
Hide + Seek

„Hide & Seek“ ist eine Serie über Angst. Jede Ära schafft ihre eigene Furcht, wo neue Ängste entstehn. Klassische Phobien bleiben konstant, aber sie suchen immer nach aktuellen Objekten. Ich fürchte eine Menge Dinge, das ist, wenn ich mich manchmal vor der ganzen Welt verstecken möchte.
www.jessicawolfelsperger.com

Stefanie Reichelt
Weiß

Esther war 92, als ich sie zum ersten Mal in Kalifornien traf. Sie erzählte mir: „Ich habe als kleines Mädchen die Gebrüder Wright über mein Haus fliegen sehen.“ Wie ist es möglich, dass wir dasselbe sehen können, wenn ihre Augen doch so etwas Unglaubliches, Ikonisches, die Welt fundamental Veränderndes gesehen haben? Photonen, die auf der Erde ankommen, sind Lichtjahre gereist und hören auf zu existieren, wenn sie auf unserer Retina oder von einer Kamera einfangen werden. Trona ist ein unbedeutender, nichts-sagender Ort, den man durchfährt ohne etwas zu bemerken außer der „Weiße“. Der weiße Staub überlagert alles, Straßen, Bäume, Berge und die wenigen Häuser. Trona ist ein Borax-Abbaugebiet. Das Wort „borax“ wird hergeleitet aus dem Arabischen bauraq („natron“) für „glänzend“ oder dem Persischen Wort burah für „weiß“. Ein weißes Objekt sehen wir „weiß“, weil keine Farbe des sichtbaren Spektrums vom Objekt absorbiert wurde.
www.stefaniereichelt-photographyandprints.com
www.cargocollective.com/StefanieReichelt

Kerstin Hehmann
ROXY

„Ein letzter Zug, Roxy bläst den Rauch laut nach oben und drückt die Zigarette im Aschenbecher aus. Er quillt schon wieder über; ich könnte ihn noch eben ausleeren, denkt sie. Aber sie ist spät dran und in einer Stunde kommen die ersten Gäste ins Kino…“ (Textauszug aus dem Buch: Ralf Döring)

Roxy ist ein traditioneller Name für eine Kino, kann aber auch die Abkürzung für den weiblichen Vornamen Roxanne sein. Die Fotos lassen bewusst beide Interpretationen zu. Kerstin Hehmann hat Filmemacher, Kollegen und Freunde gebeten, sie im Kino fotografieren zu dürfen. Dabei habe sie gemerkt, dass die Fotografierten sie nach einer kurzen Zeit vergaßen und vom Kinofilm in den Bann gezogen wurden. Die Geschehnisse im Film bilden sich auf den Gesichtern der Zuschauer ab. Lichtstimmungen vom Film finden sich im Kinosaal wieder. Fiktion und Realität können verschmelzen.
www.kerstin-hehmann.de

Marie Zbikowska
Ein Bau ohne Außen

3 min. Ne so wie ich war, musste ich in den Keller. Die Erwachsenen haben sich vielleicht etwas angezogen, ich weiß es nicht. Gab es eine Decke? Ja, es war alles schon da. Kleiner Keller? Es gab einen Durchbruch zum Nebenkeller zum Nachbarhaus. Wie lange hat es gedauert? Einen halben Tag. Wie oft? Ich weiß nicht. Essen? Glaube nicht. In welchem Stock habt ihr gewohnt? Im 2. Wann wurde dein Vater eingezogen? Ich war 5. Der ist im Versteck umgekommen, er hat sich im Keller versteckt. Erfurt Hast du noch Bilder im Kopf? Ein bisschen. Stimmung? Still Schlimm war es in sofern, das ich immer geweckt wurde nachts und aufstehen musste und schnell was anziehen.
www.mariezbikowska.de

Linn Schröder
Ich denke auch Familienbilder

Den Märchengarten in Ludwigsburg gibt es also noch immer, ich konnte mich neulich selbst davon überzeugen. Genau wie früher kommen „in zwei Minuten“ die Tauben zum Aschenputtel, angelockt von langsam in einen Napf rieselnden Körnern. Wie wir Fünftklässler damals stehen auch heute noch ganze Gruppen von Zehnjährigen vor dem Käfig und warten nasepopelnd auf die zu Tode gemästeten Tauben, die sich so gut wie nie dort blicken lassen. Noch immer bewegt sich Rapunzels Zopf nur ungefähr einen halben Meter weit hinunter und dann wieder herauf, schon fast paranoid weit über den Köpfen und Händen der Kinder und auch nie nah genug am Burgfenster, um wieder dort zu verschwinden. Das ewig Unbefriedigende dieses Zopfes, das Rattern der schon damals ausgeleierten Mechaniken und das Rauschen der viel zu leise eingestellten Tonbänder mit den altbackenen Sprecherstimmen. Der Vorwurf in der Stimme („Du biiist unsre Mutter nicht!“) und das bayerisch gerollte r, wie es früher auch gern in Filmen gesprochen wurde – all das existiert noch genau so, wie ich es vor über dreißig Jahren zurückgelassen habe. Eine Sache allerdings überraschte mich, weil sie in meiner Erinnerung praktisch nicht vorkam: Das waren die vielen kleinen Kinder, bei denen der Märchengarten einschlug wie eine Bombe. Stundenlang warteten sie geduldig vor dem Seerosenteich, in dessen Mitte der Thronsessel langsam hinauf- und wieder herabfuhr. Jeder wollte mal auf dem Weg dorthin nassgespritzt werden. Hundertmal drückten sie die Klinke des Hexenhauses, um die Hexe ihr schwäbisches „Knuschber, knuschber Kneisle“ aufsagen zu hören. Das Knacken der sich ein- und ausschaltenden Tonbänder, die Tür der Räuberhöhle, die sich öffnete, noch bevor man „Sesam öffne dich“ sagen konnte, oder mit rot-weißem Band abgesperrte Märchen, die gerade repariert werden mussten – nichts davon störte sie auch nur im Geringsten. Kerzengerade standen sie vor Schneewittchens Spieglein, riefen und bekamen Antwort, tausendundein Mal. Hätte ich eine Wärmebildkamera zur Verfügung gehabt, so hätte sie bestimmt festhalten können, wie ihre kleinen Körper aufleuchteten, immer im Wechsel mit der Diaprojektion auf der anderen Seite des Gitters.
(Text: Ursula Brandt / ursulinskaja.wordpress.com)
www.linnschroeder.de

Event Details

Ostkreuzschule für Fotografie Berlin
|||::
Marchlewskistraße 6, 10243 Berlin, Germany

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