Gruppenausstellung

»Vigilance, Struggle, Pride: Through Her Eyes«

Ahlam Shibli, Amak Mahmoodian, April Gertler, Hannah Starkey, Laia Abril, Lua Ribeira, Nina Berman, Nina Mangalanayagam, Nydia Blas, Sandra Vitaljić, Tasneem Alsultan, Tomoko Sawada, Zanele Muholi

Kuratiert von Marina Paulenka

VIGILANCE, STRUGGLE, PRIDE: THROUGH HER EYES präsentiert im Kunstquartier Bethanien dreizehn internationale Künstler*innen, deren Werke weibliche* Identitäten und Lebensrealitäten abbilden, kritisch beleuchten und in neue Zusammenhänge stellen. Die Werke sind in verschiedenen Kontexten und vor dem Hintergrund unterschiedlicher persönlicher Erfahrungen entstanden und bieten in ihrer Gesamtheit einen modernen Blick auf die gesellschaftliche Konstruktion von Geschlechterrollen und heteronormativen Zuschreibungen, die Politik des weiblichen* Blickes, weibliche* Selbst- und Fremdwahrnehmung und vermeintliche Wahrheiten rund um Frau*sein, Familie und Sexualität. Dies ohne den Anspruch zu erheben die gegebene Situation vollkommen verstehen und ändern zu können, sondern vielmehr darauf abzielend alternative Diskurse und Narrative zu inspirieren, tradierte Rollenverständnisse kritisch zu hinterfragen und weibliche* Identitäten und Realitäten in ihrer Diversität abzubilden. Präsentiert werden in der Gruppenausstellung Arbeiten von etablierten und international bekannten genauso wie aufstrebenden Künstler*innen aus der ganzen Welt. Am Eröffnungsabend hat das Publikum die Möglichkeit die beteiligten Künstler*innen Nina Mangalanayagam, Ahlam Shibli und April Gertler persönlich zu treffen.

Die Mission der international gefeierten ‚visuellen Aktivistin’ Zanele Muholi ist es, die LGBTIQ Szene Südafrikas sichtbar zu machen, um den Aktivismus und politischen Widerstad der Bewegung visuell in das Geschichtsverständnis Südafrikas einzuprägen: mit Brave Beauties porträtiert sie Transfrauen* und geschlechtlich nicht-binäre Individuen und das Selbstverständnis und Selbstbewusstsein der queeren Community. Heimat ist in Ahlam Shiblis Werk ein anhaltendes Thema, zuletzt war sie bei der documenta14 mit einem Beitrag unter ebendiesem Titel zu sehen. Wir präsentieren die Reihe ‚Death’, die verschiedene Erinnerungspraktiken palästinensischer Familien zum Gedenken an Verstorbene, die ihr Leben infolge des israelisch-palästinensischen Konfliktes ließen, zeigt. Nina Mangalanayagams Video- Installation ‚We call her Pulle’ beschäftigt sich mit Herkunft, der Unterschiedlichkeit von (Gewalt-) erfahrungen und Herausforderungen interkultureller und generationenübergreifender Kommunikation.

Bereits seit über 20 Jahren porträtiert Hannah Starkey Frauen bei alltäglichen Szenen im urbanen Kontext und generiert so intensive Stillleben, die fast schon voyeuristische Einblicke in Momente der Zurückgezogenheit im urbanen Alltag eröffnen. Durch die Kombination gefundener Fotografien mit Collagen und Zeichnungen, bringt die in Berlin lebende April Gertler Gegenüberstellungen und Abstraktionen verschiedener feministischer Perspektiven zum weiblichen Körper und dessen Darstellung in Mode und Medien zusammen. Lua Ribeira fordert westliche Zuschreibungen und Vorstellungen von Weiblichkeit und Sexualität heraus, indem sie jamaikanische Tänzer*innen bei Dance Hall Ritualen und Performances porträtiert, die in ihrer farbenfrohen, mystischen und transformativen Art innovativ und provokativ zugleich sind und den Blick für andere kulturelle Konzepte von Frau*sein eröffnen und zugleich Raum für Interpretation lassen. Mythen und Irrglauben beschäftigen auch Laia Abril, die in ihrem starken Werk Myths of Menstruation mit Blick auf vermeintliche Wahrheiten verdeutlicht, wie stark Menstruation von patriarchalen Machtverhältnissen geprägt ist und über geografische und kulturelle Grenzen hinweg ein tief verwurzeltes Tabuthema bleibt, das zu wenig auf Fakten und zu viel auf vermeintlichen Annahmen basiert und Frauen und Mädchen stigmatisiert, befremdet und einschränkt.

Amak Mahmoodian betrachtet die Identität iranischer Frauen, indem sie Fotografien und Fingerabdrücke aus iranischen Geburtsurkunden – Shenasnameh – sammelt und gegenüberstellt. Konformität, kulturelle Identität und Individualität stehen auch bei der derzeit bekanntesten japanischen Fotografin Tomoko Sawada im Zentrum: 300 Selbstporträts zeigen ihre Transformation in verschiedene asiatische Nationalitäten, die die Betrachtenden herausfordern, sich mit den eigenen homogenen Vorstellungen von kulturellen und ethnischen Identitäten auseinanderzusetzen. Tasneem Alsultan begleitet in ihrem Langzeitprojekt Saudi Tales of Love Frauen, die in Saudi-Arabien zwischen Tradition, Glaube und Moderne leben und porträtiert die Diversität verschiedener Lebenskonzepte zwischen Selbstbestimmung und gesellschaftlichen Zwängen.

Sandra Vitaljić stellt Körperteile, die üblicherweise mit romantischen und erotischen Gefühlen verbunden werden, in neues Licht und zeigt Herz, Haut und Haar losgelöst vom Körper und – infolge von Gewaltverbrechen in Beziehungen – kalt, tot und verletzt und objektiviert damit die Viktimisierung von Frauen auf unbehagliche und zugleich einprägsame Weise. Durch eine unglaubliche Lebensgeschichte führt Nina Bermans kürzlich erschienenes Buch An Autobiography of Miss Wish: 25 Jahre begleitete die Fotografin das bewegte Leben einer starken Frau, die ihren Platz im Leben nach sexueller Ausbeutung zwischen Trauma und Drogensucht zu finden sucht. Nydia Blas hingegen thematisiert die Art und Weise, wie Gesellschaft Individuen jenseits der bestehenden, wohldefinierten Grenzen ignoriert, marginalisiert und (ab)wertet.

Eröffnungsprogramm am 03. Mai ab 18 Uhr:
+ Artist Talk mit Nina Mangalanayagam, 03. Mai, 18 Uhr (engl.)
+ Kuratorinnenführung mit Marina Paulenka, 03. Mai, 20 Uhr (engl.)

Rahmenprogramm

Podiumsdiskussion (in engl. Sprache): Donnerstag, 17. Mai, 19 Uhr
»Your body is a battleground!? Feministische Positionen in der Kunst: Körperbilder, Sex, Gender und Heteronormativität von 1968 bis ins digitale Zeitalter«
Mit Laura Méritt, Katharina Bosse, Francesca Schmidt, und Caroline Würfel.

4. — 17. Mai 2018
Vernissage: Donnerstag, 3. Mai, 18h
+ Rahmenprogramm: siehe oben

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Mariannenplatz 2, 10997 Berlin
[Kreuzberg | Friedrichshain-Kreuzberg]

Öffnungszeiten: Täglich 12-20h

Eintritt frei

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