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Gruppenausstellung

Der Vonovia Award für Fotografie
»Zuhause«

Preisträger 2018:

Norman Hoppenheit | Dreesch
Paula Markert | Ring/Halqa
Lara Wilde | Exposed Landscapes
Nanna Heitmann | Weg vom Fenster – Das Ende einer Ära

Wo fühlen wir uns zuhause? Gibt es eine Art Kurzzeit-Zuhause, wenn wir häufiger den Wohnort wechseln (müssen)? Wo und was ist unsere Heimat? Wie definieren wir diese Begriffe, für uns selbst oder öffentlich? Das geschieht stets sehr individuell, und wir können wohl behaupten, dass es kein identisches Heimat-Gefühl gibt. Die Bedeutung der Nationen schien sich noch vor einem Jahrzehnt eher ins Regionale und sogar Lokale zu verschieben, mittlerweile kehrt in einigen Ländern ein Nationalismus in die Köpfe vieler Menschen zurück.

Wie die ausgestellten und ausgezeichneten Fotografen „Zuhause“ visualisieren und thematisieren, sehen wir hier. Es sind völlig unterschiedliche Ansätze, und sie konfrontieren uns mit Orten und Menschen verschiedener gesellschaftlicher Schichten. All das, was hier ausgebreitet ist, kann Heimat sein und ein Zuhause.
Die Shortlist des Vonovia Award für Fotografie mit 33 Fotografen, Anfang Oktober 2018 in der Berliner Helmut Newton Stiftung in einer Digital Photo Lounge für einem Abend vorgestellt, war schlicht beeindruckend ob der vielen qualitativ hochwertigen Beiträge zum Thema; leider konnten daraus nur vier Preisträger gekürt werden, die nun in zwei Ausstellungen mit jeweils der kompletten Serie gezeigt werden, zunächst in Berlin, anschließend in Bochum. Aber auch ausgewählte Fotografen der Shortlist werden zumindest mit jeweils einer oder zwei Aufnahmen, also einer verdichtenden Essenz ihrer Sequenzen, präsentiert, was die Diversität des Themas und seine Interpretationen bestens offenbart.

Norman Hoppenheit verlässt als Kind mit seiner Familie kurz nach Mauerfall Dreesch, einen Stadtteil von Schwerin, und zieht in einen Vorort von Kiel. Dort entsteht ein neues Zuhause. Als Erwachsener und als inzwischen ausgebildeter Fotograf zieht es ihn erneut nach Dreesch, und er porträtiert den Ort und manche seiner Bewohner. Es ist ein forschender und sensibler Blick eines Rückkehrers, in dem wir Spuren des Melancholischen ebenso finden wie die pure Neugier für die Veränderung einer gebauten sozialen Utopie. Die komplett geweißte und fensterlose Seitenfassade eines Hochhauses symbolisiert das Verdecken von Vergangenem und eine Art Neuanfang zugleich. Hoppenheit, Jahrgang 1984, erinnert sich an den „Osten“, vor allem an „die schönen Sommer in der Plattenbausiedlung in Schwerin. Das Fotoprojekt „Dreesch“ ist eine persönliche Reise in die Vergangenheit und eine Dokumentation über den Zustand und die Entwicklung der Menschen und solcher ehemaligen Vorzeigeprojekte.“ Hoppenheit studierte Kommunikationsdesign und Fotografie an der HAW Hamburg und wurde zuvor mehrfach für seine „Street Photography“ ausgezeichnet. Die Expertenjury des Vonovia Award für Fotografie, u.a. besetzt mit Ute Mahler, Ingo Taubhorn und Peter Bialobrzeski, verlieh ihm den ersten Preis in der Kategorie „Beste Fotoserie“.

Auch der zweite Preis thematisiert das Wohnen in einer Großsiedlung, konkret Steilshoop im Norden Hamburgs, 1969 für 22.000 Menschen erbaut. Paula Markert porträtiert 2018 in diesem sozialen Biotop Menschen unterschiedlichster Nationen. „Im gemeinsamen Zuhause Steilshoop entstehen Szenen alltäglich gelebten Zusammenhalts, der auch Offenheit, Pragmatismus und Toleranz im Umgang miteinander ausdrückt“, so die Fotografin über ihr Projekt „Ring/Halqa“. Sie verwandelt die unterschiedlichen Aufenthaltsräume der riesigen Wohnanlage in eine Art Bühne, und die Menschen, ob jung oder alt, spielen ihre Rollen auf diesen Bühnen – bewusst oder unbewusst – exzellent. Sie bleiben im visualisierten Alltag ganz bei sich – und schienen Paula Markert bei ihrer Arbeit gar nicht zu bemerken, denn die Fotografin war während ihres selbstgewählten Projekts zum Teil des Ganzen geworden. Die soziale Balance eines solch großen, multikulturellen urbanen Systems bleibt gleichwohl fragil, auch das ahnen wir mit Blick auf ihre Bilder. Ausgebildet als Kommunikationsdesignerin mit Schwerpunkt Fotografie an der HAW in Hamburg, stellte Markert diese Serie bereits auf der Hamburger Fototriennale aus – und wurde für ihre frühere Bildserie zum „NSU-Prozess“ schon beim renommierten LEAD Award ausgezeichnet.

Neben solch direkten, eher dokumentarischen Bildideen ragt als dritter Preis der „Besten Fotoserie“ Lara Wildes „Exposed Landscapes“ und insbesondere ihr inszenierender, konzeptioneller Ansatz heraus. Die Berliner Fotografin folgt zwischen 2016 und 2018 einigen Menschen nachts in ihre Häuser und Wohnungen und schaut ihnen „in Langzeitbelichtungen bei der Entblätterung zu. Das Dunkle wird Schicht für Schicht entkleidet bis das Skelett der Realität klar vor uns steht. ‘Exposed Landscapes’ stehen für die Verflechtungen des Menschen mit seiner Umwelt, für die durch die Intimität der Dunkelheit entblößten Seelenlandschaften,“ so Wilde. Sie kehrt mit ihren experimentellen Fotografien etwas in der Idee des Zuhauses hervor, das ansonsten ungesehen respektive übersehen bleibt, und zeigt das Zuhause vielmehr als mysteriöse Kammer, als Versteck oder Höhle. Licht spielt eine zentrale Rolle in dieser ungewöhnlichen Versuchsanordnung. Dahinter steht eine stilisierende Charakterisierung einer für uns anonymen Person, die in einer vermeintlich intimen Situation porträtiert wird, ohne dass wir genau wissen, was sie dort anstellt. Nachtbilder strahlen mitunter etwas Unheimliches aus, so auch hier. Markert macht uns in der Bildbetrachtung zu voyeuristischen Komplizen, auch wenn alles in einer gewissen Ambivalenz verrätselt bleibt. Sie hat neben ihrer Fotoausbildung an der Beuth-Hochschule parallel auch Psychologie studiert, und auf dieser Kombination und Interessensverbindung fußt wohl auch diese fotografische Langzeitstudie.

Der Vonovia Nachwuchspreis wird an junge FotografInnen unter 26 Jahren vergeben. Nanna Heitmann hat mit ihrem Bildessay „Weg vom Fenster – Das Ende einer Ära“ die Jury überzeugt. Der Kohlebergbau in Deutschland bleibt ein Mythos; er unterstützte seinerzeit die industrielle Revolution und ermöglichte nach dem Zweiten Weltkrieg das deutsche Wirtschaftswunder. „Doch das ist Geschichte. Dem Raubbau an Mensch und Natur wird kaum jemand nachtrauern, wenn bald die letzte Zeche schließt. Die Herzlichkeit der Kumpels jedoch, ihre Traditionen, Bräuche und die ganz besondere Identität dieser Region sind dann auch für immer weg vom Fenster,“ so die Fotografin. Hier konfrontiert sie uns mit unterschiedlichen, auch negativen Aspekten dieser veralteten, umweltgefährdenden Industrie, bevor Ende 2018 mit „Prosper Haniel“ in Bottrop auch die allerletzte Zeche geschlossen wird. Das Sterben eines Kohlekumpels, worauf der Titel ihrer Serie auch verweist und hier durch das Lungenkrebsleiden von Kumpel Alfons visualisiert wird, steht für den Tod der ganzen Branche, die in Zeiten erneuerbarer Energien keinen Platz mehr in unserer sich so rasant verändernden Gesellschaft hat. Gleichwohl spüren wir in diesen Bildern noch immer die tiefe menschliche Verbundenheit der Kumpel und ihrer Familien, die diesen Beruf gelebt und – trotz Staub und Dreck – geliebt haben. Nanna Heitmann, Fotojournalismus-Studentin in Hannover, hat 2017 bei mehreren Besuchen in der Bergbauregion des Ruhrgebiets Vertrauen zu den Protagonisten dieser Langzeitstudie aufgebaut, so dass solch intensive Porträts überhaupt erst möglich wurden.

Der Vonovia Award für Fotografie ist mit 42.000€ Preisgeld hoch dotiert und entsprechend begehrt. Der Award wird sich nach dieser zweiten Ausgabe auch weiterhin mit dem Thema „Zuhause“ beschäftigen und als Ausstellung der Preisträger Anfang des kommenden Jahres wiederauftauchen; auf die Shortlist und die preisgekrönten Arbeiten können wir bereits jetzt gespannt sein.
Matthias Harder

Rahmenprogramm

Vernissage: Donnerstag, 14. Februar 2019, 19 Uhr
Begrüßung:
Heike Schmitt-Schmelz, Bezirksstadträtin
Elke von der Lieth, Kommunale Galerie Berlin
Klaus Freiberg, Mitglied des Vorstands Vonovia
Einführung:
Dr. Matthias Harder, Kurator

Sonntag, 17. März 2019, 12 Uhr
Diskussionsrunde mit Dr. Matthias Harder

Sonntag, 7. April 2019, 12 Uhr
Kuratorenführung mit Wettbewerbsteilnehmer/-innen

Weitere Informationen: award.vonovia.de

#vonoviaaward
#vonoviaawardfuerfotografie
#vonoviaaward2018

15. Feb — 21. April 2019
Vernissage: Donnerstag, 14. Feb, 19h
Rahmenprogramm: bitte siehe oben

Hohenzollerndamm 176, 10713 Berlin
[Wilmersdorf | Charlottenburg-Wilmersdorf]

Öffnungszeiten: Di-Fr 10-17h, Mi 10-19h, So 11-17h

Eintritt frei

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