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ANDRÉ GELPKE (*1947), “Sylt“, 1980, Aus Dem Portfolio / From The Portfolio “Fluchtgedanken“, 1981, Gelatin Silver Print © André Gelpke / Courtesy Kicken Berlin

Einzelausstellung

André Gelpke

Ausstellung: 22. September – 22. Dezember 2015
Öffnungszeiten
Di-Fr 14-18h, und nach Vereinbarung

Beschreibung

Mit André Gelpke widmet Kicken Berlin anlässlich der Berlin Art Week einem Künstler eine umfassende Präsentation, der bereits im Gründungsjahr der Galerie 1974 mit einer Einzelausstellung vertreten war.

André Gelpke nimmt in der bundesdeutschen Photographie seit den 1970er und 1980er Jahren eine herausragende, individuelle Haltung ein. Er gehört wie Heinrich Riebesehl und Wilhelm Schürmann zu den wichtigsten Exponenten der aufstrebenden künstlerischen Fotografie im eigenen Auftrag, der seinerzeit so genannten Autorenfotografie.

Geprägt von der Lehre Otto Steinerts, bei dem er an der Essener Folkwang-Schule für Gestaltung von 1969 bis 1974 studierte, verfolgte er einerseits die intensive, persönliche Auseinandersetzung mit Menschen und Milieus in sachlichdokumentarischer Weise. Das Interesse für gesellschaftliche Themen führte zu bildjournalistischen Arbeiten und konsequent zur Gründung der Photographenagentur Visum 1975. Dabei ist die einfühlende Erzählung von einer individuellen Bildsprache geprägt und löst auf zeitgenössische Weise Steinerts Postulat einer subjektiven künstlerischen Gestaltung in der Photographie ein. Gleichzeitig formulierte Gelpke seine Kritik am manipulativen Mißbrauch journalistischer Bilder, den er selbst erlebt hat. Die frühen Arbeiten bis zum Beginn der 1980er Jahre sind in Schwarzweiß gehalten, das zu diesem Zeitpunkt für Gelpke die Konzentration auf das Wesentliche bedeutet und Formen der Abstraktion ermöglicht.

Erste Serien ab 1970 behandeln Gruppen am Rand der Gesellschaft, die zugleich von homogener äußerer Erscheinung wie ritualisiertem Verhalten bestimmt sind: Transvestiten auf Sizilien, Mönche eines Klosters in der Eifel, Rocker sowie Darsteller in Animierlokalen und Bordellen auf St. Pauli in Hamburg. Gelpke porträtiert die Individuen hinter der nur scheinbar gleichförmigen Erscheinung. Seine Arbeitsweise ist dialogisch und dialektisch zugleich: ausgerichtet auf das menschliche Gegenüber, reflektiert der Fotograf seine eigenen Erwartungen an Wahrnehmung und Darstellung ebenso wie den stereotypen Umgang der Gesellschaft mit Doppelmoral und Ausbeutung. Die Arbeit Sex-Theater, nach mehrjähriger Beschäftigung 1981 als Buch veröffentlicht, ist aktuell in veränderter Buchform neu aufgelegt. Sie dokumentiert eine heute vergangene Epoche „burlesker Inszenierungen“, deren Protagonisten in Interviews selbst zu Wort kommen. Weitere, über längere Zeit hinweg verfolgte Themen zwischen 1980 und 2010 sind gesellschaftliche Anlässe, Feste und Rituale wie Bälle, Parties, Vernissagen, Karneval oder Schützenfeste und das damit verbundene menschliche Verhalten. Sie sind heute unter dem Titel In Germany zusammengefasst.

Parallel zu den sozialkritischen Ansätzen verfolgt Gelpke eine dezidiert subjektive, von ihm selbst als „Monolog“ empfundene Herangehensweise an innere Bilder und Visionen. Sie nehmen äußere Gegebenheiten zum Anlaß, in fragmentarischen Ausschnitten die Themen Landschaft, Stilleben und Porträt als Verdichtung von Wirklichkeit neu und vieldeutig zu interpretieren. Beispielhaft kommt diese Praxis im Buch Fluchtgedanken (1981) zum Ausdruck. Gelpke findet hier zu einer Ausdrucksform, die über ein bloßes Abbilden der Wirklichkeit weit hinausgeht und seine subjektiv empfundene und gestaltete Sicht der Dinge wiedergibt. Mit dieser Haltung steht Gelpke der Geisteshaltung des Surrealismus oder eines magischen Realismus nahe, wie ihn auch seine Zeitgenossen Riebesehl (mit der Serie Situationen und Objekte) oder in den USA Ralph Gibson praktiziert haben. Für die Neuformulierung solch wirklichkeitsgebundener autonomer Bilder, die das Sehen und die Wahrnehmung thematisierten, hat der Photograph und Theoretiker Andreas Müller-Pohle Ende der 1970er Jahre den Begriff des „Visualismus“ geprägt.

Auch die Reisephotographien und Texte des Bandes Der schiefe Turm von Pisa (1985) vermitteln das Bedürfnis, außerhalb bildlicher Konventionen und massenhaft verfügbarer Bilder eine persönliche Vision von Ferne und Fremdheit darzustellen. Auch hier formuliert der Künstler sein Unbehagen an visuellen Stereotypen. Ob auf dem amerikanischen Kontinent, in Europa, Nordafrika oder Asien holt Gelpke die Brüche des Alltagslebens in die vorgefertigte Ästhetik von Werbe- und Postkartenidylle hinein, etwa den Schuttberg vor einem Parkplatz und einer typisch amerikanischen Skyline in Houston, Texas, oder das vielfach reproduzierte Touristenmotiv des schiefen Turms von Pisa vor der Ansicht des existierenden historischen Monuments.

Nach der Übersiedlung nach Zürich 1990 und der Lehrtätigkeit an der dortigen Hochschule der Künste (bis 2012) entstehen visuelle Notizen im Rahmen des persönlichen Erlebens von Alltag, Reisen und Beruf. Ausschnitt und Fragment sind nun bestimmt von der Nahsicht auf Dinge und Menschen. In dem im Herbst 2014 erschienenen Buch Amok wird die Diskrepanz von menschlichem Erleben und dem absurd erscheinenden Leben visuell verdichtet. Die Bilder aus den Jahren 2000 bis 2012 sind durchgängig farbig gehalten, eine Tendenz, die bereits in den 1990er Jahren mit alltäglich-fragmentarischen Beobachtungen aus dem Familienleben Gelpkes begann.

Event Details

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