Gruppenausstellung

»Raum / Räume II«

Anna Lehmann-Brauns, Jens Liebchen, Joel Meyerowitz, Aitor Ortiz, Georges Rousse

Die Ausstellung greift zum zweiten Mal das Thema Raum / Räume auf und führt die unterschiedlichen Raumauffassungen der gezeigten Künstlerinnen und Künstler im Medium Fotografie zusammen. Nicht nur die angewandten Techniken unterscheiden sich, es zeigen sich auch elementare Unterschiede in der Darstellung, Interpretation und Umsetzung der einzelnen gezeigten Positionen. Die Ausstellung präsentiert Arbeiten von Anna Lehmann-Brauns , Jens Liebchen, Joel Meyerowitz, Aitor Ortiz und Georges Rousse.

Anna Lehmann-Brauns über ihr Projekt Das Theater und die Komödie am Kurfürstendamm – eine Hommage in fotografischen Bildern:
„Nach nun jahrelangem und erbittertem Kampf beginnen im Mai 2018 tatsächlich die Abrissarbeiten der beiden Spielstätten Komödie und Theater am Kurfürstendamm in Berlin. Bei einer Führung durch die beiden Häuser, durch die Garderoben, die Maske, die Holzwerkstatt, die Requisite, beim Blick in die kleinen Logen wird mir noch mal die ganze Pracht und Schönheit dieser wunderbaren Orte vor Augen geführt. Von den roten Samtbestuhlungen über das cremefarbene Interieur, die unzähligen Kristalllüster in allen Größen, bis hin zu der atelierartigen Holzwerkstatt mit der meterhohen Decke – um nur einige wenige Details zu nennen – atmet dieses Haus Geschichte. Hier, in dem von Oskar Kaufmann erbauten Komplex, wo Max Reinhardt gewirkt hat, wo Brecht- und Weill-Stücke uraufgeführt wurden, wo neben vielen anderen Inge Meysel, Harald Juhnke, Günter Pfitzmann und Katharina Thalbach über viele Jahre hinweg Abend für Abend spielten, soll nun eine weitere Shopping- Meile entstehen. In den Gesprächen scheint es als könnten die Mitarbeiter es alle noch nicht recht fassen. Zwischen Schockstarre und Anerkennung des Unvermeidbaren harren sie der Dinge, die da jetzt kommen. Leider kann wohl keiner diese unverständliche Entscheidung eines externen Investors umdrehen, ich habe aber die einzigartige Möglichkeit, den Schmelz dieses wunderbaren Hauses in meinen fotografischen Bildern ein letztes Mal festzuhalten.“

Jens Liebchen Playing Fields, ein Text von Gerry Badger:
In Playing Fields thematisiert Jens Liebchen das Große Spiel unserer Zeit in den ehemaligen Sowjetrepubliken rund um das Kaspische Meer – das Gebiet mit den weltgrößten noch nicht erschlossenen Reserven von Öl und Gas. Reist man in diese Region, wie Liebchen es getan hat, so wird man jedoch kaum etwas von der verzweifelten Suche sehen. Er könnte Bohrtürme fotografiert haben oder einige der Umweltschäden, die die Ölindustrie verursacht, aber das wäre eine gar zu direkte Aussage, statt dessen hat er Bilder mit subtilen Anspielungen geschaffen. Die Politik kreist am Kaspischen Meer um Energie. Und so kreist auch eines der metaphorischen Leitmotive, die Playing Fields durchdringen, um die primären Quellen der natürlichen Energie und damit um den Ausgangspunkt der Fotografie – das Sonnenlicht. Liebchen verwendet Sonnenlicht und Schatten, um den Unterschied zwischen Licht (Energie) und Schatten (Mangel an Energie) zu veranschaulichen und so den Hauptgrund dafür ins Bild zu setzen, warum die Supermächte dort am Kaspischen Meer präsent sind. Ein rechteckiger Schatten zum Beispiel sieht aus wie eine in die Erde eingelassene Falltür, die in tiefere Regionen führt, wo das Öl und Gas im Zentrum des Großen Spiels angesiedelt sind. Unter der abstrakten Ruhe der Bilder liegt in Playing Fields ganz augenscheinlich ein Gefühl der Bedrohung. Manchmal kann es für einen Fotografen anregend sein, das Unsichtbare zu fotografieren. Hier jedoch ist das Unsichtbare eine Kraft, ein greifbares, unheilvolles Wesen. Alles erscheint friedvoll und irdisch, aber die bedrohliche Gegenwart, auf die Jens Liebchen beredte Fotografien anspielen, deutet ganz sicher auf eine nicht weniger bedrohliche Zukunft.

Joel Meyerowitz, Hardwig House, 1976 Negative No. 1:
Im Jahr 1976 vollzog Joel Meyerowitz einen einschneidenden Wechsel. Um die Bildqualität zu verbessern, fotografierte er ab diesem Zeitpunkt mit einer 8×10 Plattenkamera. Dadurch widmete er sich ab diesem Zeitpunkt nicht mehr der Streetphotography , er begab sich auf neues Terrain und begann im Sommer 1976 mit den Arbeiten für das Buch Cape Light. Somit rücken Räume, Gebäude, Strände und Portraits in den Fokus seines Schaffens. Legendär ist die wohl erste Aufnahme, das Negative Nr. 1, Hartwig House von 1979.

Aitor Ortiz, Muros de Luz, ein Text von Francisco Javier San Martin:
Der Kontrast zwischen der organischen Beschaffenheit der Landschaft und der Struktur des Marmorabbaues inspirierten den Künstler zu seiner Serie Muros de Luz (Lichträume/Lichtmauern). Mit seiner Erfahrung als Fotografen und der eines Architekten kreierte der Künstlers neue Räume. Das Nahe und das Unermessliche, das Sichtbare und das Vorstellbare, die Grenzen zwischen Unmenschlichem und Bewohnbarem, zwischen Licht und Schatten, Zuflucht und Gefahr oder räumlicher Illusion sind wiederkehrende Merkmale in dieser Arbeit. Die Arbeiten entstanden in Zusammenarbeit mit dem Architekten Josep Egea. Auf der Basis von digitalen Fotografien, wurden im Dialog zwischen Fotografen und Architekten, virtuelle Räume geschaffen, mit der Idee, dass diese durch die Mechanismen der Wahrnehmung und der visuellen Interpretation erfasst werden können. Das Ziel war, die Konstruktion eines mentalen Raumes zu unterstreichen, ein Ort von Koordinaten, die nicht existieren und doch vor unseren Augen Gestalt annehmen können. Das Projekt versucht, eine Realität zu schaffen, die immateriell ist, die der Betrachter jedoch rekonstruieren kann. Die Fotografien werden zu einem Ort der Reibung zwischen physischem Raum und mentaler Konstruktion.

Georges Rousse ist unmissverständlich ein Fotograf: Seine Fotografien offenbaren sein Werk, und die Entscheidung für die Komposition, das Beschneiden und Beleuchten sowie der Klick auf den Auslöser sind für seinen Prozess unerlässlich. Aber er ist gleichzeitig Maler, Bildhauer und Architekt, der die gleiche Beziehung zu seinen Arbeitsstätten wie ein Maler zu seiner Leinwand, oder ein Bildhauer zu seinem Ton oder Marmor führt. Sein Rohmaterial ist der Raum, meist verlassener Gebäude. Inspiriert von der architektonischen Qualität eines Ortes und dem Licht, das er dort findet, wählt er ein «Fragment» und schafft eine Inszenierung, wobei er sich sein ultimatives Ziel vor Augen hält und ein fotografisches Bild schafft. In diesen leeren Räumen konstruiert Georges Rousse eine Art Utopie, die seine Vision der Welt – seines imaginären Universums – projiziert. Die Arbeit Palermo aus dem Jahr 2000 spiegelt den vollen Umfang seines Schaffens wieder. Die Konstruktion, die er in diesem Raum geschaffen hat, reflektiert sein Können als Architekt, Maler, Bildhauer und Fotograf.

20. Feb — 7. April 2018
Vernissage: Samstag, 17. Feb, 13-18h

Fasanenstraße 13, 10623 Berlin
[Charlottenburg | Charlottenburg-Wilmersdorf]

Öffnungszeiten: Di-Fr 12-18h, Sa 12-15h

Eintritt frei

Weitere Empfehlungen für…
ganz Berlin

Der »PiB Guide«

Printausgabe gewünscht? Entdecke PiBs Empfehlungen für März/April 2018 im kommenden PiB Guide Nº17! Bestelle jetzt dein Exemplar oder Jahresabo vor – und erhalte die neue Printausgabe als Allererste(r)! Der Versand beginnt am 26. Februar.
Diese Ausgabe von PiBs zweimonatlichem Kunstführer erscheint als A6 Booklet / 52 Seiten / mit Texten auf Deutsch & Englisch.

Exemplar vorbestellen

PiBs E-Newsletter

Melde dich an für PiBs kostenlosen Email-Newsletter und bleibe auf dem Laufenden in Berlins Fotografieszene! Mit Liebe zusammengestellt, herausgegeben einmal wöchentlich auf Deutsch & Englisch – für eine internationale Leserschaft bestehend aus Fotografieliebhabern, Sammlern, Kuratoren und Journalisten.

Newsletter-Anmeldung

Du & PiB

Erreiche gezielt ein kunst- und fotografieinteressiertes Publikum in Berlin & darüberhinaus – durch die Präsentation deiner Ausstellung/Veranstaltung oder Institution/Produkt/Dienstleistung mit PiB!

Weiterlesen
#Tags zu diesem Artikel:
Suche