Einzelausstellung

»SYSTEM«

Jens Liebchen

Zum ersten Mal präsentiert die Galerie Springer Berlin den Künstler und Fotografen Jens Liebchen und dessen Serie »System«. Das im Jahr 2014 unter gleichem Titel bei Peperoni Books/ White Press erschienene Fotobuch sorgte bei den Kritikern für große Begeisterung und war schon nach kurzer Zeit vergriffen. Um so glücklicher schätzt sich die Galerie, die Arbeiten nun großformatig zeigen zu können.

Jens Liebchen studierte Ethnologie an der Freien Universität Berlin, bevor er sich ganz der Fotografie widmete. In seinen Arbeiten setzt er sich mit politischen und gesellschaftlichen Themen auseinander. Von 2010 bis 2013 lebte er in Tokio, was ihm einen reflektierten Einblick in die japanische Gesellschaft und Kultur ermöglichte. Dort, im Zentrum der Metropole Tokio, entstand auch die Serie »System«. Liebchen fotografierte im äußeren Teil des Imperial Palace Gardens Kiefern während eines Schneesturms.

„Baumformationen“ beschrieben Michael Klein und Peter Lindhorst im Photonews-Blogbuch die Serie von Fotografien, „die ähnlich kontemplativ wirken wie die Schwarz-Weiß-Kunst der Tuschemalerei, die in Japan bis zur Vollendung praktiziert wird“. Was auf den ersten Blick wie ein Arrangement der Natur in unberührter Umgebung erscheint, ist tatsächlich ein Setting inmitten der Megacity Tokio. Durch das dichte Schneetreiben hindurch lassen sich im Hintergrund Autos und Teile der Stadtsilhouette erahnen, dabei stellen die Lichtverhältnisse die Formen und Strukturen der Bäume deutlich heraus und lassen die Farbfotografien fast wie Schwarz-Weiß-Darstellungen erscheinen. Die Bäume wirken dabei wie Protagonisten auf einer Bühne, teils stellen sie einzelne Charaktere dar, teils wirken sie in Gruppen. Für Jens Liebchen haben die Bäume exemplarische Funktion. Sie werden systematisch geformt und entsprechen so gesellschaftlichen Normen. Sie spiegeln auf diese Weise die Gesellschaft. Seinem Buch stellt er den folgenden Text voran:

The tradition of tree shaping has come to assume an emblematic role in Japanese culture. Trees and shrubs in Japanese gardens are often drastically modified. Sculptors both control the location of trees and manipulate the growth of trunks, branches, and leaves. Little, if anything, is left to nature. The trees get cut, bent, buckled, diverted, redirected, and twisted into what is considered a perfect shape. In other words, they hold a mirror to a system meant to create individuals that invariably suit the needs of society.“ (J.L.)

Ergänzend zu der Serie »System« zeigt die Galerie Arbeiten aus der Serie »Tsukuba-Narita 2011/03/13«. Die Serie ist Liebchens unmittelbare künstlerische Reaktion auf die Erdbeben-Tsunami-Reaktorkatastrophe in Japan im März 2011 und hinterfragt den medialen Wahrheitsgehalt von Bildern im Kontext der globalen Berichterstattung. In chronologischer Abfolge in der Art eines Roadmovie zeigen die Bilder den Blick aus dem Fenster eines Busses auf der Fahrt zum Flughafen Narita außerhalb von Tokio. „I left Japan two days after the quake. The situation was unclear. Information from Japanese and Western media differed to a great extent. The bus to Narita left on time, as usual.“ (J.L.)

Christoph Schaden schreibt in seinem Essay:

Wie werden wir heute gelesen?, fragen die Bilder. Wie werden wir morgen wahrgenommen? Und was wird in uns erkannt werden? Die 80 Bilder von Jens Liebchen verdanken sich einem künstlerischen Skeptizismus, der sich selbst nicht ausnimmt. Sie unterlaufen in der Anschauung auf virtuos vielschichtige Weise ein Dilemma des Erkennens, das uns auch zukünftig betreffen wird.“

Das gleichnamige Buch erschien 2011 bei Spector Books.

Begleitende Veranstaltungen

ARTIST TALK: Donnerstag, 29. Juni 2017, 19 Uhr
JENS LIEBCHEN IM GESPRÄCH MIT DR. MATTHIAS HARDER

Dr. Matthias Harder, Kurator der Helmut Newton Stiftung, der die Arbeit des Künstlers seit vielen Jahren kennt und begleitet, spricht mit Jens Liebchen.
Ergänzend zu der Serie SYSTEM, zeigen wir im Anschluss an das Gespräch eine Projektion der ebenfalls in Japan entstandenen Serie TSUKUBA-NARITA 2011/03/13, ein visueller Road-Trip, der am Tag nach der Erdbeben-Tsunami-Reaktorkatastrophe entstand.

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23. Mai – 29. Juli 2017
Vernissage: Samstag, 20. Mai 2017, 15-20h
Artist Talk: Donnerstag, 29. Juni 2017, 19h

Facebook Event

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Fasanenstraße 13, 10623 Berlin
[Charlottenburg | Charlottenburg-Wilmersdorf]

Öffnungszeiten: Di-Fr 12-18h, Sa 12-15h

Eintritt frei

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