Retrospektive

»Im Schatten der Linie«

Jeanloup Sieff

Natur und Landschaft, Mode und Akt: Der französische Fotograf Jeanloup Sieff bewegte sich in allen Genres virtuos und gehört damit zu den ganz Großen der Fotografie-Geschichte. Die Ausstellung „Im Schatten der Linie“ wirft mit insgesamt 48 Werken einen umfassenden, sehr persönlichen Blick auf das Werk Jeanloup Sieffs und zeigt ihn als einen Künstler, der mit der Wahl des Weitwinkelobjektivs nicht nur einen auffallend filmischen Ansatz verfolgt, sondern mit seinem ungewöhnlichen Einsatz von Licht und Schatten auch die Grenzen der Schwarz-Weiß-Fotografie auslotet.

Jeanloup Sieffs „Vergnügen an verrücktem Licht, das Vergnügen, Formen sichtbar zu machen, Räume und Begegnungen zu komponieren“ – so beschrieb der Künstler selbst seine Herangehensweise – wurde zu seinem Markenzeichen. Die Ausstellung „Im Schatten der Linie“ bündelt seine Freude am Fotografieren, seine ungewöhnliche, oft auch humorvolle Bildsprache und zeigt eine Zusammenstellung von Landschaften, die zum Träumen einladen, und Akte voller Poesie aus den späten Sechzigern bis in die Neunzigerjahre.

Selbst kargen Wüstenlandschaften im kalifornischen Tal des Todes gewann Jeanloup Sieff in seinen Schwarz-Weiß-Aufnahmen weiche Konturen ab. Ob Sanddünen oder zerklüftete Felsen, ob eine Rückenansicht oder weiblicher Akt: er komponierte seine Sujets zu einem Auf und Ab der geschwungenen Linien, der fließenden Strukturen, nur um dann mit harten Kontrasten und einem feinen Spiel von Licht und Schatten wieder neue Perspektiven zu eröffnen. In seinen Aktaufnahmen inszenierte der Fotograf pure Weiblichkeit und Jugend mit einem liebevollen Blick für Details und intime Arrangements. So wird die Ausstellung zur Entdeckungsreise, man gelangt von malerischen Sanddünen, über anmutig hingegossene Felsen, entlang wohlgeformter Hintern und Brüsten, hin zu eleganten Rückenansichten. Geleitet wird das Auge des Betrachters bei dieser Reise durch klare Formen, Linien und Schattenspiele, die sich durch die Fotografien ziehen.

Jeanloup Sieff entdeckte als Sohn polnischer Einwanderer seine Leidenschaft für Fotografie im Paris der 40er Jahre, als er zu seinem 14. Geburtstag eine Kamera als Geschenk in den Händen hielt. Seinen Durchbruch schaffte er nur wenige Jahre später, mit einem Auftrag der französischen Elle. Schnell las sich die Liste seiner Auftraggeber wie das Who is Who der Blattmacher: Vogue, Esquire, Paris Match oder Harper’s Bazaar. So wundert es nicht, dass Sieff besonders als Modefotograf im Gedächtnis blieb, eine Kategorisierung gegen die er sich allerdings zeitlebens wehrte. Denn ob Akt, Landschaft oder Fashion, sein Blick durch die Linse suchte stets die besondere Form, das Zusammenspiel von organischen Elementen.

Über den Künstler Jeanloup Sieff

1933 in Paris geboren, entwickelte Jeanloup Sieff schnell ein Interesse für den Film. Seine Pläne Regisseur zu werden, gab er zu Gunsten der Fotografie auf und arbeitete ab Mitte der Fünfzigerjahre als freier Fotojournalist und Modefotograf. Nach Stationen bei der renommierten Bildagentur Magnum in New York und Aufträgen von sämtlichen großen Modeillustrierten der damaligen Zeit, befinden sich seine Arbeiten nun in zahlreichen musealen Sammlungen, u. a. Centre Pompidou, Paris, Musée de l´Art Moderne, Paris, Museum Ludwig, Köln. Bis heute ist Jeanloup Sieffs berühmtestes Motiv eine Aktaufnahme von Yves Saint Laurent. Er erhielt Auszeichnungen wie den Prix Niepce (1959), Chevalier des Arts et Lettres in Paris (1981) und Grand Prix National de la Fotografie (1992). Der Künstler starb am 20. September 2000 in Paris.

28. Sep — 16. Dez 2017

Chausseestraße 36, 10115 Berlin
[Mitte | Mitte]

Öffnungszeiten: Do-Sa 13-18h, und nach Vereinbarung

Öffentliche Verkehrsmittel:
U6 + Tram 12/M5 Naturkundemuseum
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