Einzelausstellung

»come to light«

Marta Djourina

Herzliche Einladung zur Einzelausstellung von Marta Djourina “come to light” in der Galerie der Dorothea Konwiarz Stiftung, die anlässlich des Stipendiums für das Jahr 2017/2018 durch die Stiftung stattfindet.

Marta Djourina befasst sich experimentell mit den Grenzen der analogen Fotografie. Dabei handelt es sich meistens um kameralose Arbeiten, die auch Einzelstücke sind. Blindzeichnungen mit Licht, malerisch angelegten Direktbelichtungen, experimentelle, gefaltete Arbeiten an der Grenze zu Objekten, ‘Filtergramme’ und Interaktionen anhand Lochkameras bilden das Kernstück Djourinas Werks. Ihre Werkzeuge sind das Fotopapier selbst und unterschiedliche Lichtquellen (wie Taschenlampen, Laserpointers etc.). Das Papier mit dessen Eigenschaften, Licht aufzunehmen, wird zum Träger der Spuren einer malerischen Handlung anhand der erwähnten Lichtquellen. Licht statt Pinsel, Fotopapier statt Leinwand. Die auf das Wesentliche reduzierten technischen Komponenten Licht und Fotopapier werden zum Teil ihres künstlerischen Schaffensprozesses. “Das Papier und die Lichtquellen werden selbst zu Handelnden.”1

Die Arbeiten kommen ohne jegliche Kamera zustande und bewegen sich somit an der Grenze zwischen mehreren Medien. Es handelt sich, im weitesten Sinne, um eine Art der “Fotografie”, die nicht die Realität vor der Kamera aufnimmt, sondern ins Innere des Mediums und dessen technischen und chemischen Möglichkeiten hereinschaut: “(…) mal wird gefaltetes Fotopapier mit unterschiedlichen Lichtquellen belichtet, so dass die durch die Faltung entstandenen hellen und dunklen Brüche und Linien des Papiers eine Art zeichnerische Erzählung ergeben. Die Spuren von vorherigen Handlungen, die auf den Bildern zu sehen sind, sind die Ergebnisse der Interaktionen zwischen Licht und Papier.”2

Ein großer Teil Djourinas Arbeiten stellen Direktbelichtungen und Lichtzeichnungen bzw. Lichtmalereien dar. Die Spuren, die dabei entstehen, sind keine unmittelbaren, sondern abstrakte Folgen der Interaktion zwischen Licht und Papier. Ihre Interessen an Zeichnung und Malerei übersetzt sie anhand verschiedenen Lichtquellen, womit sie eine Art Blindmalerei auf dem Fotopapier in der Dunkelheit des Fotolabors schafft. In diesem experimentellen Verfahren interessiert sie sich unter anderem für die Distanz zwischen Kunstwerk und Kunstschaffendem. Wie kann man ein Bild nur anhand einer Lichtquelle produzieren und somit Licht zum Thema machen? Die Experimente in diesem Bereich besitzen einen “malerischen” und auch “zeichnerischen” Ansatz: “Mit der erwähnten „zeichnerischen Handlung“ bezieht sich Djourina auf eine weitere, stärker malerisch oder grafisch orientierte Werkgruppe: ihre Lichtzeichnungen. Während auch diese Arbeiten auf Direktbelichtung, Zufallsphänomene und Unvorhersehbarkeit setzen, bestimmt in ihnen jedoch kein fotografischer Versuchsaufbau das künstlerische Resultat, sondern – im klassisch malerischen Sinne – die Geste der Künstlerin selbst. Mithilfe verschiedenfarbiger Lichtquellen zeichnet Djourina im Fotolabor in einem blinden, experimentellen Verfahren ihre eigenen Bewegungen auf. Wieder kehrt sich auf dem Farbfotopapier die Lichtfarbe um. Es entstehen expressive, oft leuchtend farbige und abstrakte Lichtzeichnungen.”3

Darüber hinaus arbeitet Djourina auch oft mit Faltungen. Das Fotopapier wird gefaltet, geknickt und im Anschluss mit Licht belichtet. Da sie nur über begrenzten Farben der Lichtquellen verfüge, muss sie jede Farbe im Voraus ausprobieren und aufnehmen. In folge dessen wird ihrer Recherche zum Archiv der Experimente und zwar in Form einer Art ‘Farblexikon’. Bei den Direktbelichtungen auf Farbfotopapier muss man vor allem den Farbkreis der komplementären Farben ins Auge halten, so wird z.B. Rot zu Blau und Grün zu Violett etc. Indem das Papier vor der Belichtung geformt wurde und erst nach diesem formenden Eingriff von der mehreren Seiten Licht bekam, bildeten sich Schatten auf dessen Oberfläche ab. Dabei entwickelt das Papier selber eine Art Abbild auf sich, es malt selbst auf sich. Sie knittert und faltet das Papier so, dass im analogen Belichtungsprozess zusätzliche abstrahierende Effekte entstehen: “Zum Teil „übermalt“ die Belichtung die Faltungen, zum Teil bilden sich Lichtpunkte und Schattenwürfe, die das Endresultat zusätzlich beeinflussen.”4 Die Arbeiten werden im Anschluss ausgefaltet und flach präsentiert. Oft sind diese seriell angelegt, wie es in der Ausstellung “come to light” zu sehen sein wird.

1  Babette Werner: Zwischen Medien. Die Entmaterialisierung des Alltags, in: Marta Djourina, hrsg. IBB, 2016, S. 22 – 23
2  ebd.
3  Dr. Thomas Köhler: Marta Djourina – Fotografische Interaktionen, in: Marta Djourina, hrsg. IBB, 2016, S. 28 – 29
4  ebd.

10. Dez 2017 — 24. Jan 2018
Vernissage: Samstag, 9. Dez, 19:30-21:30h
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Schlüterstraße 71, 10625 Berlin
[Charlottenburg | Charlottenburg-Wilmersdorf]

Öffnungszeiten: Mi 16-19h, Fr 15-19h

Eintritt frei

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