Gerti Deutsch, Oskar Kokoschka, Salzburg 1958, Gerti Deutsch © FOTOHOF Archiv Und Gettyimages

Gruppenausstellung

»Schicksal Emigration«

GERTI DEUTSCH (1908-1979)
JEANNE MANDELLO (1907-2001)

Eine Ausstellung in Zusammenarbeit mit dem FOTOHOF archiv, Salzburg
und dem Nachlass Mandello, Barcelona/New York

Vernissage: Mittwoch, 28. September 2016, 19h
Ausstellung: 29. September 2016 – 5. Februar 2017 verlängert bis 5. März 2017
Kuratiert von Kurt Kaindl, Kurator Gerti Deutsch (Salzburg) & Sandra Nagel, Kuratorin Jeanne Mandello (Paris)
Öffnungszeiten: Do & Fr 15-19h, Sa & So 12-16h
(Geschlossen: 19.12.2016 – 4.01.2017)
Eintritt: 3 € / ermäßigt 1,50 €

Beschreibung

»Schicksal Emigration« rekonstruiert die Geschichte zweier jüdischer Fotografinnen, Gerti Deutsch und Jeanne Mandello, die nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten Deutschland bzw. Österreich verlassen haben. Gerti Deutsch ging 1936, zwei Jahre vor dem »Anschluß« Österreichs von Wien nach London. Jeanne Mandello floh bereits 1934 von Frankfurt nach Paris und von dort aus weiter nach Montevideo, Uruguay. 

Gerti Deutsch: 1908 Wien – 1979 London

1908 geboren und in der Wiener Innenstadt zu Hause, absolvierte sie 1934/1935 eine Ausbildung zur Fotografin an der Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt in Wien. Der Austrofaschismus hatte das liberale Leben bereits eingeschränkt und propagierte verstärkt die Bildästhetik einer verklärenden Heimatfotografie. Dagegen favorisierte Gerti Deutsch Alltagsmotive, die dieser Norm entgegenstanden, wie z.B. die Aufnahme von Wartenden auf einem Kleinstadtbahnhof (1930er-Jahre) aus der Perspektive von oben und den für die moderne Fotografie typischen Bilddiagonalen. 
1936 verließ sie Wien und ging nach London, wo die von Stefan Lorant 1938 gegründete, liberale antifaschistische Illustrierte »Picture Post« bis 1950 ihr wichtigster Auftraggeber wurde. Es entstanden 64 Bildreportagen mit kulturellen und aktuell politischen Themen, u.a. Fotoserien zu den Transporten jüdischer Kinder aus Deutschland (1938), zu österreichischen Kriegsheimkehrern (1948); nach dem Zweiten Weltkrieg – den überwiegenden Teil ihrer Aufnahmen konnte sie retten – fotografierte sie wieder häufiger in Österreich sowohl bei den traditionellen Salzburger Festspielen, als auch bei Festen und Feiern der Menschen auf dem Lande. 1960 machte sie während eines zweimonatigen Aufenthalts in Japan Fotografien im Auftrag der Japanischen Kamera-Handelsvertretung. Es sind faszinierende Motive einer in Europa damals überwiegend noch fremdem Kulturlandschaft.

Jeanne Mandello: Frankfurt/Main 1907 – 2001 Barcelona 

Noch nicht neunzehnjährig, ging Jeanne Mandello 1926 nach Berlin, um an der Photographischen Lehranstalt des Lette-Vereins die zweijährige Ausbildung zur Fotografin zu absolvieren. Sie schloss die Gesellenprüfung vor der Handwerkskammer mit »sehr gut« ab. Während eines Praktikums bei dem Leica-Pionier, Dr. Paul Wolff, macht sie erste Erfahrungen im Fotojournalismus. Sie eröffnet 1929 ein eigenes Atelier in Frankfurt, erhielt Portraitaufträge, machte Aufnahmen für die Presse und lernte den an Fotografie interessierten, jungen Arno Grünebaum an. Nachdem sie geheiratet hatten und ihnen die Übergriffe der Nationalsozialisten auf jüdische Einrichtungen zu gefährlich wurden, flüchteten sie im Januar 1934 nach Paris. Hier erlebte Mandello eine kaum erträumte Karriere als Modefotografin im Auftrag der Modehäuser Balanciaga, Mainbocher, Maggy Rouff, Chanel, um nur einige zu nennen.
Der Überfall der Nationalsozialisten auf Frankreich brach ihre Karriere von einem Tag zum anderen ab. Sie wurde wie alle deutschen Frauen nach dem Einmarsch der Nationalsozialisten in Paris 1940 vorübergehend im Lager Gurs interniert; anschließend gelang es ihr zusammen mit ihrem Mann von Spanien aus in die Emigration nach Uruguay zu fliehen. Noch einmal fanden sie die Kraft zu einem Neuanfang: mit geliehener Rolleiflex, waren sie schon bald wieder mit Künstler-Portraits und Aufnahmen für Tourismus-Publikationen erfolgreich. 1953 trennte sich Jeanne Mandello von Arno Grünebaum und wurde 1959 in Barcelona ansässig.

Über dem Leben beider Fotografinnen liegt das Schicksal von Flucht und Emigration, bei Jeanne Mandello zudem das der nahezu vollständigen Vernichtung ihres Werkes.   

Kataloge sind erschienen / werden erscheinen bei FOTOHOF edition:

  • Die Fotografin Gerti Deutsch. Arbeiten 1935-1965, hrsg. von Kurt Kaindl, 142 S., 146 Abb., FOTOHOF edition, Salzburg 2011, dt. und engl. jeweils 29,- Euro
  • Jeanne Mandello – Die Welt im Blick. Perspektiven einer deutsch-jüdischen Fotografin im Exil 1928-1996, hrsg. James Bauer & Sandra Nagel, dt/engl, 88 S., 90 Abb., FOTOHOF edition, Salzburg 2016, 21,- Euro

Part of the EMOP Berlin 2016 – European Month of Photography Berlin 2016. Discover more Festival highlights on PiB under the tag #EMOP Berlin 2016!

Teil des EMOP Berlin 2016 – Europäischer Monat der Fotografie Berlin 2016. Entdecke weitere Festival-Highlights auf FiB unter dem Tag #EMOP Berlin 2016!

Event Details

Gerti Deutsch, Oskar Kokoschka, Salzburg 1958, Gerti Deutsch © FOTOHOF archiv und gettyimages
|||::
Schlüterstraße 70, 10625 Berlin, Germany

Tags

} ) ( jQuery );