Einzelausstellung

»Dietrich Oltmanns. Fotografien 1985 – 2000«

Kuratiert von Marc Barbey

Ab dem 15. März 2018 präsentiert die Collection Regard die Foto-Ausstellung „Dietrich Oltmanns. Fotografien 1985-2000“, kuratiert von Marc Barbey.
Die Ausstellung zeigt wichtige fotografischen Zyklen von Dietrich Oltmanns, insbesondere frühe Arbeiten: simultan, life, vieräugig, Einkreisung, Berlin Panoramen sowie Verstreutes Licht.

Die Ausstellung kann vom 16.3. – 8.6.2018 jeden Freitag zwischen 14 und 18 Uhr (außer an Feiertagen) sowie nach Terminvereinbarung besichtigt werden. Während des Gallery Weekends Berlin 2018 ist die Collection Regard außerdem am Samstag, den 28.4 zwischen 14 und 18 Uhr geöffnet.

Vier „Salons Photographique“ sowie vier Führungen mit dem Fotografen und Marc Barbey stehen im Begleitprogramm der Ausstellung (siehe Veranstaltungsprogramm unten).

Zur Ausstellung erscheint eine Publikation der Collection Regard mit einem Text von Dr. Katrin Arrieta, Künstlerische Leiterin des Kunstmuseum Ahrenshoop.
Außerdem kommt das dritte Buch von Dietrich Oltmanns im ex pose verlag Hansgert Lambers „Verstreutes Licht“ heraus. Es versammelt wichtige Arbeiten, die zwischen 1988 und 2005 mit Lochkameras entstanden sind.

Kommentar zum Werk von Dietrich Oltmanns von Marc Barbey

Dietrich Oltmanns (*1956) verschrieb sich nach einem Studium der Kybernetik und zwei Jahren in der Industrie unerwartet der Fotografie. Als Autodidakt suchte er einen persönlichen Weg in die Welt der Bilder. Er hat diesen Weg gefunden und seitdem immer weiterentwickelt.

Sein Auge schulte er im Lesesaal der Deutschen Bücherei und an deutschen und internationalen Filmen im legendären Leipziger Filmkunsttheater Casino. Unter hunderten Filmen, die er dort sah, spielte einer für ihn eine ganz besondere Rolle, denn es war dieser Film, der ihm für seine fotografische Arbeit den Mut gab, in der eingeschlagenen Richtung weiterzumachen. „Der Mann mit der Kamera“ von Dziga Vertov ist ein filmisches Manifest von 1929, von dessen avantgardistischem Wagemut eines „Nichtspielfims“ das Kino als Kunstform heute weiterhin zehrt und der von vielen Spezialisten zu den 10 wichtigsten Filmen aller Zeiten zählt (Dieser Film wird gezeigt im Salon Photographique am 12.4.2018).

Ein langjähriger Freund und anfänglicher Ratgeber von Dietrich Oltmanns ist der Maler und Buchkünstler Olaf Wegewitz. Er gehörte zu den Künstlern des Ersten Leipziger Herbstsalons 1984, einer halblegale Ausstellung im Leipziger Messehaus am Markt. Diese Ausstellung fand in Eigenregie statt, obwohl bzw. trotzdem einige der Künstler staatliche Restriktionen schon zu spüren bekommen hatten. Man wollte Zensur und staatliche Vorgaben nicht mehr akzeptieren und ein Zeichen für künstlerische Selbstbestimmung setzen. Obwohl diese Ausstellung nur von kurzer Dauer war, wurde sie stark besucht und fand eine sehr große Resonanz. Das Vorbild machte Schule. So entstand z.B. die heute weltweit bekannte Galerie Eigen+Art aus dem Ersten Leipziger Herbstsalon. Der Deutschlandfunk bewertete den Herbstsalon als „Meilenstein auf dem Weg zur Implosion der DDR“. Dietrich Oltmanns stellte 1987 in der Galerie Eigen+Art erste Werke aus, die seitdem kaum wieder gezeigt worden sind.

Ein großer Anreger, von dem er nach eigener Aussage viel gelernt hat, ist für Oltmanns Albert Renger-Patzsch (1897-1966), ein Fotograf der Neuen Sachlichkeit, der in seinen Bildern die unverfälschte Form mit gegenstandsnaher Wirkung und Präzision verband und zu den anerkanntesten Fotografen seiner Generation zählt. Authentizität und Konzentration teilen beide Fotografen. Aber diese Nähe ist mehr eine der Haltung, denn Oltmanns benutzt andere technische Mittel als Renger-Patzsch und findet seine eigene, einzigartige Bildsprache.

Viele von Oltmanns Bildern sprechen nicht auf dem ersten Blick die klassische Sprache der Fotografie. Den bekannten Kanon beherrscht er zwar wunderbar, setzt ihn aber nicht wie „üblich“ ein. Oltmanns verfolgt einen sehr individuellen, einzigartigen, teils etwas wehmütigen, oft experimentellen Weg der Auseinandersetzung mit dem Medium Fotografie und dessen Bezügen zur Welt. Als Meister des Blicks und Organisator des Sichtbaren kreiert er Zweifachbilder, Vierfachbilder, Mehrfachbilder, Rastermontagen aus Filmstreifen, oder Bildfolgen – das klassische Einzelbild steht nicht im Vordergrund. Es geht ihm um eine komplexe Multiperspektivität die mit unterschiedlichsten Mittel, von der verzeichnungsfreien Lochkamera bis zur großformatigen Plattenkamera, erreicht wird.

Dass Oltmanns zu DDR Zeiten in Kreisen künstlerisch agierender, nicht gerade angepasster Fotografen unterwegs war, bezeugt neben der Mitherausgabe und Produktion der Leipziger informellen Zeitschrift „Zweite Person“ (1987-90) auch die Teilnahme an der legendären, von Karim Saab 1988 inoffiziell herausgegebenen, Publikation „Foto Anschlag“, die 32 Fotografen und Autoren der DDR zeigte.

Die Beachtung, die Oltmanns Werk bisher erlangt hat, entspricht weder der hohen Qualität, der besonderen Vielschichtigkeit oder der bemerkenswerten Originalität seines Werkes. Oltmanns Arbeiten sind in wichtigen deutsche Institutionen und privaten Sammlungen in Deutschland und im Ausland vertreten. Allerdings gehen damit keine allgemeine Anerkennung oder ein angemessener Bekanntheitsgrad einher. Dass Oltmanns sich nicht nach vorn drängt und recht zurückhaltend über seine Bilder spricht, erklärt diese Diskrepanz vielleicht ein wenig. Sicher ist, dass wir es hier mit einem wahren Künstler zu tun haben, der einen mutigen und anspruchsvollen künstlerischen Weg beschreitet – unabhängig von äußerer Anerkennung und persönlichen Rückschlägen zum Trotz. Oltmanns geht seinen Weg seit über 35 Jahren und schenkt uns seine einzigartige, originelle Welt besonderer Werke.

Marc Barbey, January 2018

Biografie Dietrich Oltmanns (*1956)

Geboren 1956 in Leipzig, nach Abitur und Wehrdienst von 1976 – 81 Kybernetikstudium an der TH Ilmenau, Diplom, Industrietätigkeit in Leipzig, ab 1983 dort freiberuflich als Fotograf, 1987-90 Mitherausgeber und Produzent der informellen Zeitschrift »Zweite Person«, 1991 Umzug nach Berlin, Zusammenarbeit mit Maria Luise Faber, 1994 Stipendium der Stiftung Kulturfonds, 1995 Aufenthaltsstipendium des Landes Sachsen-Anhalt in Dessau, 2002 Stipendienaufenthalt am Kunstverein Röderhof, 2008 Stipendium Künstlerhaus Ahrenshoop, gefördert durch das Land Mecklenburg-Vorpommern, 2010 Stipendium bei NOMOS, Glashütte.
Lebt und arbeitet in Berlin und Lindenbrück/Teltow-Fläming.

Veranstaltungsprogramm

Die Ausstellung wird von einem Veranstaltungsprogramm flankiert, bei dem sich Fotografie-Interessierte austauschen können.
Um Voranmeldung zu jeder Veranstaltung wird gebeten unter info@collectionregard.com.

Führungen

Besuch der Ausstellung mit dem Fotografen Dietrich Oltmanns und Marc Barbey (auf Deutsch):
Freitag, den 23.3. um 17 Uhr
Freitag, den 20.4. um 17 Uhr
Samstag, den 28.4. um 14 Uhr
Freitag, den 1.6. um 17 Uhr

Eintritt frei. Um Voranmeldung wird gebeten unter info@collectionregard.com

Donnerstag, den 12.4.2018
Salon Photographique / Filmabend
von Dziga Vertovs “Der Mann mit der Kamera

Ein Film von Dziga Vertov, 1929, 66 min (Originaltitel: Chelovek s kino-apparatom)
In Anwesenheit von Dietrich Oltmanns. Nach der Vorführung Austausch und Diskussion zum Film.

„Der Mann mit der Kamera“ von Dziga Vertov ist ein filmisches Manifest von 1929 von dessen avantgardistischem Wagemut des „nichtspielfim“ das Kino als Kunstform heute weiterhin zehrt und der von vielen Spezialisten zu den 10 wichtigsten Filmen aller Zeiten zählt. In diesen Film dokumentiert Dziga Vertov den Tagesablauf einer großen sowjetischen Stadt, montiert aus Moskau, Kiew und Odessa. Er verzichtet auf narrative (literarische) und inszenierend-gestaltende (theatralische) Elemente und setzt allein auf die Wirkung der Montage. Filme sollten nach Vertovs Überzeugung generell und ausnahmslos das »Leben so zeigen, wie es ist«; jede Art von Inszenierung war ihm Verfälschung und Unterschätzung des Publikums.

Einlass ab 19 Uhr, Kostenbeitrag 7 €.
Um Voranmeldung wird gebeten unter info@collectionregard.com

Donnerstag, den 19.4.2018
Salon Photographique / Künstlergespräch mit Maciej Markovicz, Fotograf und Erschaffer des “OBSCURABOAT”

Das OBSCURABOAT ist eine schwimmende und begehbare Camera Obscura, gebaut vom Fotografen selbst, die seit September 2017, als Partner der Hamburg Triennale 2018 und 2Boats/Übermut Project, von Hamburg, über Amsterdam und Paris, in Berlin sein wird, bevor sie nach Hamburg anlässlich der Triennale der Fotografie Hamburg zurückkehrt. Diese fotografische Reise durch Europa folgt einer anderen, die der Fotograf in Amerika in einem Camera Obscura Bus machte ,und findet im Rahmen des laufenden Projekts mit dem Titel The Moving Camera, das er 2015 begann statt.
Maciej Markowicz ist Fotograf und Designer in Berlin. Er nutzt riesige mobile Camera Obscuras (lat. Für „Dark Room“), um die alltägliche Dynamik des modernen Lebens in der Stadt und darüberhinaus zu untersuchen und unsere Wahrnehmung von Zeit herauszufordern. Markowicz belichtet Bilder auf großformatigen Farbphotographien und erstellt direkt-negative Fotos ohne Film oder digitale Technologie. Maciej Markowicz und Marc Barbey werden die fotografische Arbeit sowie die Heransgehensweise des Fotografen anhand einer Projektion und eines kleines Filmes vorstellen und diese besprechen.
Einige Arbeiten, die in New York oder auf dem Obscuraboat enstanden sind, par nature Unikate, können in der Sammlung von März bis Mai 2018 eingesehen und erworben werden. Eine Einzelausstellung des Fotografen findet während der Triennal of Photography Hamburg in Hamburg statt.

Diese Veranstaltung findet auf Englisch statt. Einlass ab 19 Uhr, Kostenbeitrag 5 €.
Um Voranmeldung wird gebeten unter info@collectionregard.com

Donnerstag, den 26.4.2018
Salon Photographique / Filmabend mit „AUDIENZEN“, Strategien der Selbstbehauptung – Ein Dokumentarfilm von Tina Bara und Barbara Metselaar, 2007, 52 min

In Anwesenheit von beiden Fotografinnen. Dieser Film wird zum ersten Mal öffentlich in Berlin gezeigt. Nach der Vorführung Austausch und Diskussion zum Film.

Evelyn Richter und Ursula Arnold begannen Anfang der 1950er Jahre ein Fotografiestudium an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig. Sie gerieten unter diverse Zwänge und Beschränkungen, die der Doktrin des Stalinismus geschuldet waren. Der Film behandelt diese von persönlichem Temperament, Widerständen, Schicksalsfügungen geprägten Entstehungsbedingungen der beiden fotografischen Oeuvres. Er transponiert die Methode der Beobachtung, der „straight photography“, die immer das Credo der beiden Fotografinnen darstellte, auf den Film. Keine inszenatorischen Eingriffe, wenig Planbarkeit, Einbeziehung der situativen Geschehnisse im Umfeld – lebendiges Leben.

Einlass ab 19 Uhr, Kostenbeitrag 5 €.
Um Voranmeldung wird gebeten unter info@collectionregard.com

Donnerstag, den 24.5.2018
Salon Photographique / Künstlergespräch mit Dietrich Oltmanns und Hansgert Lambers, Fotograf und Verleger

Anlässich der Ausstellung „Dietrich Oltmanns – Fotografien 1985-2000“ findet ein Gespräch über sein Werk und seine Heransgehensweise zwischen dem Fotografen und dem Verleger Hansgert Lambers, der die Arbeit von Dietrich Oltmanns außerordentlich gut kennt, statt. Zwei Bücher mit den Arbeiten von Oltmanns sind im ex pose Verlag schon erschienen. Die dritte Publikation des Verlags wird anlässlich der Ausstellung präsentiert: Dietrich Oltmanns „Verstreutes Licht“, Fotografie mit Lochkameras 1988-2005. Die Publikation wird während des Salon Photographique auch vorgestellt.

Einlass ab 19 Uhr, Kostenbeitrag 5 €.
Um Voranmeldung wird gebeten unter info@collectionregard.com

Collection Regard

Die Collection Regard ist eine Fotografische Sammlung, die ihren Schwerpunkt auf die deutsche Fotografie, insbesondere die Fotografie aus Berlin, gelegt hat. 2005 begann Marc Barbey seine Sammlung deutscher Schwarz-Weiß-Fotografie, die von den Anfängen der Fotografie bis in die 1990er Jahre reicht, auszubauen. Außerdem wird auch der Nachlass von Hein Gorny (1904-1967) verwaltet. Mit ihrem Wirken als Archiv, Ausstellungsproduzent und -kurator, Verlag, Ausstellungsort und Galerie nimmt die Collection Regard bewusst eine Position zwischen Museum und Galerie ein. Die Collection Regard ist besonders bestrebt, der interessierten Öffentlichkeit noch weitgehend unbekannte, wertvolle fotografische Werke zu zeigen, die Aufmerksamkeit verdienen. Die Werke können in der Collection Regard erworben werden. Die produzierten Ausstellungen werden nach Abschluss der Ausstellung weiteren Institutionen angeboten und so erschließt sich der breitere Kunstmarkt diese Positionen.

Mit der Ausstellung „Dietrich Oltmanns. Fotografien 1985-2000“ wird die Sammlung erneut zu einem Ort der Entdeckung, bzw. der Wieder-Entdeckung.

16. März — 8. Juni 2018
Vernissage: Donnerstag, 15. März, 18-21h
Um 19 Uhr spricht Dr. Katrin Arrieta, Künstlerische Leiterin des Kunstmuseum Ahrenshoop.
+ umfangreiches Rahmenprogramm: Details siehe oben

Steinstraße 12, 10119 Berlin
[Mitte | Mitte]

Öffnungzeiten: Freitags 14-18h (außer an Feiertagen), und nach Vereinbarung
+ zum Gallery Weekend Berlin 2018: Sa, 28. April, 14-18h

Eintritt frei

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Berlin | Mitte

COVER FOTO: Wim Wenders, reluctant, unknown photographer, 1971 © Wim Wenders, Courtesy Wim Wenders Stiftung. Ausstellung »Wim Wenders . Sofort Bilder« bei C/O Berlin.

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