Einzelausstellung / Retrospektive

»Susan Meiselas . Mediations«

Susan Meiselas

Kuratiert von Felix Hoffman, C/O Berlin Foundation.

C/O Berlin präsentiert vom 29. April bis 9. Sep 7. September 2022 die Retrospektive »Susan Meiselas . Mediations«. Die Eröffnung findet am Freitag, den 29. April 2022, um 20 Uhr bei C/O Berlin im Amerika Haus in der Hardenbergstraße 22–24, 10623 Berlin statt.

How do you work as a photographer? There’s always this uncomfortable, unequal balance of power. How do you break that down? How can it become a dialog?“
— Susan Meiselas

Wut im Blick, der Mund im Schrei verzerrt, zerstörerische Energie. In der linken Hand das Gewehr, in der rechten der bereits gezündete Molotow-Cocktail, den der Guerillakämpfer gleich mit voller Wucht ins feindliche Lager schleudern wird. Diese 1979 von Susan Meiselas in Nicaragua aufgenommene Fotografie ist über die Jahrzehnte zu einem internationalen Symbolbild gegen Unterdrückung und für Revolution geworden, festverankert im kollektiven Bildgedächtnis und massenhaft reproduziert als Graffiti, Poster oder T-Shirt. Was jedoch bleibt von der fotografischen Botschaft, wenn sich die Beziehung zwischen Fotografin, abgebildeter Person und Entstehungsgeschichte in der Kommerzialisierung des Bildes auflöst?

C/O Berlin stellt mit der Retrospektive »Susan Meiselas . Mediations« das über 50 Jahre entstandene Werk der Magnum-Fotografin erstmals in Deutschland vor – von frühen Porträts ihrer direkten Umgebung über intime Aufnahmen von Stripperinnen bis zu ikonisch gewordenen Bildern aus Krisen- und Konfliktgebieten. Mit ihren oftmals als Langzeitstudien angelegten Arbeiten umfasst die US-Amerikanerin ein breites Spektrum an Themen und Ländern und erzeugt Aufmerksamkeit für Minderheiten und kriegerische Auseinandersetzungen, die von der Weltöffentlichkeit häufig übersehen werden. Heute gilt Meiselas als Wegbereiterin, nicht nur für politisch engagierte Fotograf*innen, welche die Hintergründe ihrer Bilder mit Sorgfalt dokumentieren, reflektieren und kontextualisieren, sondern auch für diejenigen, die einen kollaborativen Ansatz mit ihren Protagonist*innen verfolgen.

In ihren Serien 44 Irving Street (1971) und Porch Portraits (1974) untersuchte Meiselas unterschiedliche Lebensrealitäten innerhalb der USA. Zwei Jahrzehnte nach dem Beginn der US-amerikanischen Bürger*innenrechtsbewegung veranschaulichen diese Arbeiten die fortbestehende Ungleichheit der Lebensverhältnisse. Ebenso einfühlsam, empathisch und interaktiv widmete sich Meiselas in ihrem fotografischen Essay Carnival Strippers (1972-1975) dem Alltag von Frauen, die als Striptease-Tänzerinnen ihr Geld auf Jahrmärkten im Nordosten der USA verdienten. In ihrer Langzeitstudie Prince Street Girls (1975-1992) begleitete sie das Heranwachsen einer Gruppe von Mädchen aus New York mit der Kamera. Mit Archives of Abuse (1991-1992) und A Room of Their Own (2015-2017) engagierte sich Meiselas gegen Gewalt im häuslichen und familiären Kontext. Mit dem Langzeitprojekt Kurdistan: In the Shadow of History dokumentierte sie ab 1991 den Genozid an der kurdischen Bevölkerung im Nordirak durch das irakische Regime unter Saddam Hussein und trug eine visuelle Dokumentation aus diversen historischen Materialien zusammen, die hundert Jahre der kurdischen Diaspora festhalten.

Susan Meiselas sucht bis heute den direkten Kontakt und Dialog mit den Menschen. In ihrer kollaborativen Arbeitsweise bezieht sie stets die Perspektive der Porträtierten ein. Teilweise über Jahre hinweg führt sie visuelle Feldstudien, in denen die Fotografien selten für sich alleine stehen, sondern durch Interviews, Soundaufnahmen, Videos, Archivmaterial oder Notizen ergänzt werden. Diese Collagen zeigen nicht nur die Zusammenhänge hinter dem Abgebildeten, sondern laden ein zur Reflexion über die fotografische Praxis selbst, über Zeug*innenschaft und Hierarchien im fotografischen Akt ebenso wie über die Rezeption und Verbreitung von Bildern.

C/O Berlin präsentiert mit »Susan Meiselas . Mediations« die größte Retrospektive, die je in Deutschland gezeigt wurde. Die Ausstellung umfasst rund 250 Fotografien und Video-Installationen aus den 1970er-Jahren bis heute und wird von der Publikation Carnival Strippers Revisited im Steidl Verlag begleitet. Kuratiert von Felix Hoffmann, C/O Berlin Foundation.

In Zusammenarbeit mit Magnum Photos. Ermöglicht durch C/O Berlin Friends e.V. und zusätzlicher Unterstützung durch die Volkart Stiftung.

Susan Meiselas (*1948, Baltimore, USA) studierte am Sarah Lawrence College und machte ihren Master in Pädagogik an der Harvard University. Seit den 1970er- Jahren lebt und arbeitet sie in New York. Als eine von wenigen Frauen ist die Dokumentarfotografin seit 1976 Mitglied der renommierten Fotoagentur Magnum Photos. Mit ihrer Berichterstattung über die Revolution in Nicaragua (1978-1982) wurde sie international bekannt. Ihre Arbeiten werden in den bedeutendsten Museen der Welt gezeigt – darunter das Jeu de Paume, San Francisco Museum of Modern Art (2018) und Kunsthaus Wien (2021-2022) – sowie in zahlreichen Büchern publiziert. Meiselas wurde wiederholt mit großen Preisen ausgezeichnet, darunter mit dem MacArthur „Genius“-Preis (1992) und zuletzt mit der Royal Photographic Society’s Centenary Medal (2006), dem Deutsche Börse Photography Foundation Prize (2019) und dem ersten Women in Motion Award (2019) für ihr Lebenswerk.

Begleitprogramm

Begleitende Veranstaltungen zu dieser Ausstellung werden rechtzeitig hier bekanntgegeben. Melde Dich auch gerne für PiBs kostenlosen, wöchentlichen E-Newsletter an, um auf dem Laufenden zu bleiben!

Freitag, 29. April 2022, 20 Uhr
Vernissage
C/O Berlin lädt Sie am Freitag, den 29. Apr 2022 um 20:00 herzlich zur Eröffnung der neuen Ausstellungen »Susan Meiselas . Mediations« und »Bieke Depoorter . A Chance Encounter« ein. Mit den beiden generationsübergreifenden Magnum-Positionen eröffnet C/O Berlin die diesjährigen Feierlichkeiten zum 75. Jubiläum der international renommierten Fotoagentur. Happy birthday, Magnum Photos!
Eintritt frei. 3G-Regel (geimpft, genesen oder getestet).
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Samstag, 30. April 2022, 13 – 14:30 Uhr
Artist Talk
Mit den Künstlerinnen Susan Meiselas & Bieke Depoorter. Moderiert von Felix Hoffmann, Hauptkurator C/O Berlin. In englischer Sprache.
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Sonntag, 1. Mai 2022, 17 – 18 Uhr
Künstlerinnenführung
Mit Susan Meiselas (Magnum Photographer) und Felix Hoffmann (Hauptkurator C/O Berlin). In englischer Sprache. Tickets: 15/11 € (inkl. Ausstellung).
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Donnerstag, 19. Mai 2022, 19 – 21 Uhr
After-Work Tour + Drink
Ausstellungen: »Susan Meiselas . Mediations« und »Bieke Depoorter . A Chance Encounter«. In deutscher Sprache. Tickets: 17 € (inkl. Ausstellung, Führung & Drink).
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Donnerstag, 16. Juni 2022, 18 – 19 Uhr
Kuratorenführung
Hauptkurator Felix Hoffmann führt durch die Highlights der Ausstellungen »Susan Meiselas . Mediations« und »Bieke Depoorter . A Chance Encounter« und gibt Einblick in die besondere Arbeitsweise der beiden Magnum Fotografinnen. In dt. Sprache. Ticket: 15/11 € inkl. Ausstellung, erhältlich online sowie Restkarten an der Abendkasse bei C/O Berlin.
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Dienstag, 21. Juni 2022, 18 – 20 Uhr
Meet the Bees
Lernen Sie an einem honigsüßen Abend die zwei Bienenvölker auf der Terrasse des Amerika Hauses aus nächster Nähe kennen.
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Freitag, 1. Juli 2022, 11 – 23 Uhr
C/O BERLIN OPEN HOUSE – HOSTED BY AIRBNB
C/O Berlin und Airbnb laden mit dem Format C/O Berlin Open House – hosted by Airbnb zu freiem Eintritt und Führungen durch die Ausstellungen »Susan Meiselas . Mediations« und»Bieke Depoorter . A Chance Encounter« ein. Als Highlight erwartet die Besucher*innen ein Lightning Talk der US-amerikanischen Fotografin Susan Meiselas um 18:30 Uhr.
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Führungen
Öffentliche Führungen: Samstags & Sonntags um jeweils 14 Uhr.
Individuelle Führungen sowie Führungen für Schulklassen können außerdem gebucht werden.
Details

30. Apr — 9. Sep verkürzt auf 7. Sep 2022
Vernissage: Freitag, 29. April, 20 Uhr
+ Begleitprogramm: bitte siehe oben

Amerika Haus, Hardenbergstraße 22-24, 10623 Berlin
[Ortsteil: Charlottenburg | Bezirk: Charlottenburg-Wilmersdorf]

Sommeröffnungszeiten: Täglich 11 – 18 Uhr

Eintritt: 10 € / ermäßigt 6 € | Online Ticket

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