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Vortrag / Videoaufzeichnung

Redaktioneller Hinweis: Der Vortrag vom 30. Juni 2016 bei C/O Berlin ist nun online verfügbar:

Video . The Changing Gaze . From Observation to Surveillance

Vortrag von Sandra S. Phillips

We cannot blame the camera for what it has done to us; nevertheless, it has made certain human predilections much easier to satisfy.“ Sandra Philipps

Seit dem Aufstieg des Mediums Fotografie im späten 19. Jahrhundert sind die Menschen fasziniert von den vielfältigen Möglichkeiten der Kamera, besondere oder alltägliche Momente festzuhalten – sowohl öffentliche als auch private. Von Anfang an dokumentierte Fotografie nie einfach nur gestellte Porträts oder inszenierte Situationen, sondern diente immer auch unterschiedlichen Zielen der Beobachtung und Aufdeckung wie etwa der politischen Kriegsberichterstattung oder den kommerziellen Bildern von Paparazzis. Bei all diesen Fotos werden persönliche Grenzen überschritten, Intimes veröffentlicht, Unentdecktes bekannt gemacht und Tabus bewusst gebrochen.

Ob die jeweiligen Bilder heimlich oder offen angefertigt wurden, ist dabei nur ein Aspekt. Fast wichtiger erscheint neben dem konkreten Grund der Aufnahmen die jeweilige Rezeption, Interpretation und Weiterverwendung des visuellen Materials. Die Kuratorin und Kunsthistorikerin Sandra S. Philipps untersucht in ihrem Vortrag einige invasive und beunruhigende Aspekte von Fotografie und wie sich die Wahrnehmung von Fotografie in den letzten Jahrzehnten verändert hat – vor allem vor dem Hintergrund heutiger Surveillance-Problematik. Sie skizziert sowohl die historische Entwicklung als auch die massive Verschiebung von Voyeurismus hin zu geplanter Überwachung im Zeitalter der Digitalisierung.

Sandra S. Phillips hat am Bard College und am Bryn Mawr College studiert und an der City University of New York promoviert. Sie war Kuratorin am Vassar College Art Museum und hat an verschiedenen Institutionen einschließlich der State University of New York, der Parsons School of Design, der San Francisco State University und dem San Francisco Art Institute gelehrt. Sie war Resident an der American Academy in Rom und erhielt ein Stipendium von The Japan Foundation. Seit 1999 ist Sandra S. Phillips Senior-Kuratorin für Fotografie am San Francisco Museum of Modern Art. Sie hat zahlreiche Ausstellungen zu moderner und zeitgenössischer Fotografie kuratiert – unter anderem „Voyeurism, Surveillance and the Camera Since 1870“, „ Crossing the Frontier: Photographs of the Developing West“ und „Police Pictures: The Photograph as Evidence“.

Überwachung ist längst zu einem großen gesellschaftlichen Thema geworden. Soziologen, Psychologen, Juristen, Politiker und Künstler setzen sich mit den unterschiedlichen Überwachungsformen und ihren Auswirkungen auf ganze Gruppen und das Individuum auseinander. Sie konzentrieren sich dabei nicht nur auf Fragen der Privatsphäre und der potenziellen Bedrohung von Einzelnen durch staatliche und private Überwachung, sondern gehen kritisch und spielerisch mit verschiedenen Formen der alltäglichen Beobachtung als konstitutivem Teil unseres sozialen Lebens um. Angesichts dieser allumfassenden Entwicklung stellt sich die Frage: Welche Auswirkungen hat dies auf uns? Auf welche Weise spiegeln sich diese Entwicklung in künstlerischen Arbeiten wieder? Und wie können zeitgenössische Kunst und Medientheorie zu einem besseren Verständnis unserer modernen Überwachungsgesellschaft beitragen? Mit der Veranstaltungsreihe „Watched!“ widmen sich C/O Berlin und die Deutsche Börse Photography Foundation genau diesen Fragen und präsentieren unterschiedliche Kommentare und Reaktionen von Seiten der zeitgenössischen Kunst sowie Medienexperten.


Text: C/O Berlin

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