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Einzelausstellung

»Retrace: Memory and Scenery«

Sıtkı Kösemen

BERLINARTPROJECTS freut sich die Herbstsaison mit der Ausstellung Retrace: Memory and Scenery (Zurückverfolgen: Erinnerung und Landschaft) zu eröffnen, einer Einzelausstellung mit Werken des bekannten türkischen Fotografen Sıtkı Kösemen. Diese Fotografieausstellung festigt die Verbundenheit der Galerie zum Medium und lädt indessen jeden Einzelnen des Berliner Publikums ein, sich seinen eigenen Weg durch die Aufnahmen zu bahnen. Wie ein Gehweg, der persönliche Landschaften und Erinnerungen reflektiert.

Leere Räume, Zeitungscollagen an den Wänden, Spuren von menschlichen Figuren oder Scheinhorizonte mit Markierungen und Aufdrucken bilden die Szenerie mit einem Sinn fürs Déjà Vu und setzen so den Rahmen der Ausstellung. Es besteht kaum die Möglichkeit, dass wir bereits vorher an genau diesem Ort gewesen sind, der ehemaligen jüdischen Oberschule in Ortakoy, Istanbul. Die von Sitki Kosemen gezeigten Sequenzen vermitteln den Eindruck von Erinnerung. Er erinnert an Elemente unseres kollektiven Gedächtnisses und spielt mit unseren vorgeprägten Bildern von Natur und Raum, Landschaften, als kulturelle Produktionen.

Eines unserer tiefsten Bedürfnisse ist die Wahrnehmung des Identitätsgefühls und Zugehörigkeitssinns. Ein gemeinsamer Nenner hierbei ist die menschliche Verbundenheit zur Landschaft und auch, wie wir Identität in einem Ort oder einem Raum darstellen. Landschaft ist also nicht einfach das, was wir sehen, sondern eine Art zu sehen“.

Diese Worte von Sitki Kosemen beschreiben seinen fotografischen Ansatz und erinnern an seinen Eindruck aus dem Jahr 2012, als er zum ersten Mal die verlassene Schule entdeckte. Die Zeitungsausschnitte, die die Räume des Jungenschlafsaals bedeckten und sich auf die typische Sonntagszeitungsbeilage der 1970-1980 und ihrer berühmten Pin-up-Figuren beziehen, versetzten den Fotografen plötzlich wieder in die eigenen Schuljahre zurück. „Proust’s Madeleine“ oder die Aktivierung des Erinnerns an Eindrücke werden durch eine subtile Zusammenstellung von eigenen Erinnerungen, Vorkenntnissen und visuellen Stücken, die auf dem Weg oder auf der Stelle gesammelt wurden, geschaffen. Dieses Phänomen schafft neue Visionen, die das Erinnern verankern und als Verstärkung der Identität agieren.

Was definiert uns, wenn nicht Orte, an denen wir vorbeigehen, in denen wir uns weiterentwickeln oder wachsen? Die Begriffe Zuhause, Zugehörigkeit und Identität wurden in den letzten Jahrzehnten überspannt oder zumindest neu definiert. Nicht nur das extreme städtische Wachstum, schnelle Bewegung, Migration, das World Wide Web und Informationszeitalter, sondern auch globale Konflikte und totalitäre Regierungen machen sich Gebiete zu Nutze. Sie verwandeln und gestalten unsere Umgebungskonzepte und die Bedeutung von Orten. Eine Landschaft, die massiv und unveränderbar erscheint, könnte ihre Grenzen und Zerbrechlichkeit offenbaren, wenn sie einen Zufluchtsort darstellt.

Durch die verbleibenden Spuren und sein eigenes fragmentiertes Gedächtnis, untersucht der Fotograf genau das Phänomen der Erinnerung und des Zugehörigkeitsgefühls, das in einem bestimmten Raum aktiviert wird, als Teil der individuellen und kollektiven Konstruktion von Identität. Mit diesen Anliegen vertraut, setzt der Künstler in den Mittelpunkt seiner Untersuchung die menschliche Figur in einen bestimmten geopolitischen Kontext. Im Jahr 2014 brachte seine Serie Invisible (Unsichtbar) die Wahrnehmung und den Stand von Frauen in der türkischen Gesellschaft zum Vorschein. Hier gelingt es mit der Ausstellung Retrace: Memory and Scenery (Zurückverfolgen: Erinnerung und Landschaft) eine einzigartige, verhangene und poetische Atmosphäre zu übertragen, die zwischen seiner Vision und unserer gemeinsamen Kulturgeschichte balanciert. Sitki Kosemen stellt den Besucher ins Zentrum der in der Ausstellung gezeigten Landschaft und erlaubt den Betrachter sein eigenes Gedächtnis und seine eigene Identität zurückzuverfolgen.

Sıtkı Kösemen (1955) ist ein türkischer Fotograf und Architekt. Er lebt und arbeitet in Istanbul. Er studierte Architektur an der Technischen Universität des Nahen Ostens. Sitki Kosemen stellt seine Fotografie und Video-Arbeiten seit 1977 in internationalen Galerien und Institutionen aus. Sein Interesse konzentriert sich auf das Menschsein und die individuelle Konstruktion von Identität in einem bestimmten Raumkontext; beispielhaft erwähnt die Serien Sultan’s Hammam (1995), Architect Sinan’s Hammam (2011) und Invisible (Unsichtbar), (2014), die sich speziell auf die Rolle der Frau in der türkischen Gesellschaft konzentrieren, oder Memory and Scenery (Erinnerung und Landschaft) (2012-2017). Seine Arbeit wurde in der Türkei und Istanbul in Orten wie der Sanatorium Gallery, Kuad Gallery, Galerist, Istanbul Modern, Siyah Beyaz Galerie, Istanbul Art8 Contemporary Art Center und dem Französisch Kulturinstitut ausgestellt. Er ist auch in Europa vertreten, unter anderem im Rivington Place Autograph APB und der Saatchi Gallery in London, Louisiana Museum in Kopenhagen, Leica Gallery in Solms, Deutschland oder Foto Europa in Regio Emilia, Italien.

14. Okt — 15. Dez 2017
Vernissage: Freitag, 13. Okt, 18h
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Potsdamer Straße 61, 10785 Berlin
[Tiergarten | Mitte]

Öffnungszeiten: Mo-Fr 10-18h

Eintritt frei

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