Einzelausstellung

»BRAND WAND«

Harf Zimmermann

Harf Zimmermann, 1955 in Dresden geboren und in Berlin aufgewachsen, hat noch die Trümmerlandschaften und Lückenarchitektur der Nachkriegsjahre in den für lange Zeit entstellten Städten erlebt. In der Monografie »BRAND WAND«, 2014 im Steidl Verlag erschienen, beschreibt der Fotograf auch die Brandwände in Berlin, diesem »Meer aus Ziegeln«, als »Zeugnisse der Katastrophe, des Scheiterns«. Wie sein Kollege Robert Polidori in seinem Begleittext zum Buch herausstellt, sind »diese Bilder tatsächlich das visuelle Hintergrundmotiv von Harf Zimmermanns eigener Lebensgeschichte. […] Harf hat am eigenen Leib die Veränderungen erlebt, die Deutschland in den letzten sechzig Jahren durchgemacht hat. Wenn man diese unbehagliche Entwicklung der Geschichte betrachtet, wird klar, dass es sich nicht um eine Geschichte beständigen Fortschritts handelt, sondern um eine Entwicklung in Brüchen und Diskontinuität, pointiert von Katastrophen«.

Seit seinem Studium an der HGB Leipzig und seiner Abschlussarbeit bei Arno Fischer »Hufelandstrasse, 1055 Berlin« (1987) fotografiert Zimmermann mit großformatigen Kameras. Über 20 Jahre hinweg war er mit seiner schweren Apparatur an Orten wie Berlin, Leipzig, Dresden oder Warschau unterwegs, auf der Suche nach den Spuren seiner eigenen Geschichte, die sich in die Mauern eingeschrieben hat: Werbung aus Vorkriegs- und Nachkriegszeiten, notdürftige Reparaturen, Graffiti der 1990er Jahre, zeitgenössische Sanierungen, oder alles auf einmal. Von Gras und Efeu überwuchert, mit wilden Bäumen davor, die irgendwann die Gebäude überragt haben, wie ein Dschungel, der sich zurückholt was ihm zusteht. Unbeachtet und unbemerkt von den meisten, dabei wirkt es manchmal sogar wie abstrakte Malerei.

Über die langsam gewachsenen Spuren von hundert Jahren haben sich in Windeseile, praktisch wie in den letzten Minuten der Geschichte, unzählige neue Schichten gelegt. Als könnte es nicht schnell genug gehen, zu tilgen und wegzupinseln. Sprächen wir nicht über Städte, sondern über Bäume oder arktische Bohrkerne, könnte man an den obersten Ringen den Turbo-Klimawandel der letzten Jahre ablesen.“
(Harf Zimmermann)

Veranstaltungen zur Ausstellung

Details zu allen Rahmenveranstaltungen bitte siehe Website der Alfred Ehrhardt Stiftung.
Eintritt frei bei allen Veranstaltungen | Wegen beschränktem Platzkontingent bitten wir um schriftliche Voranmeldung.

Mittwoch, 2. Mai 2018, 19.00 Uhr
Künstlergespräch mit Harf Zimmermann und Dr. Christiane Stahl

Donnerstag, 17. Mai 2018, 19.00 Uhr
Buchvorstellung mit Brita Reimers, Mara Sylvester und Jochen Winter:
»Begegnungen. Von Natur und Natur« und »Die Glut des Augenblicks, Aufzeichnungen vom Ätna«, Verlag Matthes & Seitz.

Mittwoch, 20. Juni 2018, 19.00 Uhr
In der Reihe „Literaturhaus der Fotografie“:
„Es werden immer weniger“. David Wagner über Berliner Brandwände.
Moderation: Thomas Böhm (radio eins: Die Literaturagenten)

Kommende Ausstellungen

30. Juni bis 9. September 2018:
Vom Verschwinden und Erscheinen – Über das Ephemere in der Fotografie.
Kuratiert von Dr. Marie Christine Jádi, Alfred Ehrhardt Stiftung.
Gruppenausstellung mit
Nicole Ahland, Ellen Auerbach, Alfred Ehrhardt, Scott B. Davis, Bill Jacobson, Adam Jeppesen, Isa Marcelli, César Martins, László Moholy-Nagy, Marianne Ostermann, Rita Ostrowskaja, Helena Petersen, Ida Pimenoff, Jorma Puranen, Pentti Sammallahti, Andrea Sunder-Plassmann, Donata Wenders, Francesca Woodman

15. September bis 23. Dezember 2018:
Yamamoto Masao

21. April — 24. Juni 2018
Vernissage: Freitag, 20. April, 19-21h
Eröffnungsrede: Dr. Christiane Stahl
+ Rahmenprogramm: bitte siehe oben

Auguststraße 75, 10117 Berlin
[Mitte | Mitte]

Öffnungszeiten: Di-So 11-18h, Do 11-21h
Erweiterte Öffnungszeiten zum Gallery Weekend Berlin 2018 (April 27 – 29):
Fr 11-21h, Sa & So 11-18h

Eintritt frei

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Berlin | Mitte

COVER FOTO: Wim Wenders, reluctant, unknown photographer, 1971 © Wim Wenders, Courtesy Wim Wenders Stiftung. Ausstellung »Wim Wenders . Sofort Bilder« bei C/O Berlin.

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